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Freitag, 21.09.2018
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Bluttest verrät Frühgeburt-Risiko

RNA-Schnipsel im Blut ermöglichen Prognose zum Schwangerschaftsverlauf

Biomarker entdeckt: In Zukunft könnte ein Bluttest Schwangeren verraten, wie hoch ihr Risiko für eine Frühgeburt ist. Denn Forscher haben herausgefunden: Anhand von bestimmten, im Blut zirkulierenden RNA-Schnipseln lässt sich der weitere Schwangerschaftsverlauf erstaunlich gut prognostizieren. Ob ein Kind zu früh auf die Welt kommt oder nicht – das beantwortet die Auswertung dieser Signale demnach mit einer Genauigkeit von rund 80 Prozent.
Frühgeborene sind bei der Geburt noch nicht vollständig entwickelt.

Frühgeborene sind bei der Geburt noch nicht vollständig entwickelt.

Knapp zehn Prozent aller Babys kommen in Deutschland vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt – und gelten damit als "Frühchen". Diese Säuglinge sind für ein Leben außerhalb des Mutterleibs eigentlich noch nicht reif genug. Dass sie die schützende Gebärmutter trotzdem vorzeitig verlassen, dafür können viele unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein.

So fördern unter anderem seelische Belastungen der Mutter, Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, Umwelteinflüsse wie Feinstaub oder Erkrankungen wie Diabetes das Risiko für eine Frühgeburt. Auch bei Schwangeren, die bereits eine vorzeitige Geburt hatten, ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Frühgeburt hoch.

Suche nach Biomarkern


Trotz dieser bekannten Faktoren ist eine genaue Prognose schwierig: Es gibt derzeit keinen medizinischen Test, der die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt verlässlich vorhersagen kann. Um dies zu ändern, forschen Wissenschaftler schon länger nach möglichen Biomarkern. Ein Team um Thuy Ngo von der Stanford University ist dabei nun einen wichtigen Schritt vorangekommen.


Für ihre Studie untersuchten die Forscher Blutproben von 38 amerikanischen Frauen, die alle ein erhöhtes Risiko für eine vorzeitige Geburt hatten – entweder, weil sie bereits früh Wehen hatten oder schon einmal eine Frühgeburt. 15 dieser Schwangeren brachten ihr Kind später tatsächlich zu früh zur Welt, die anderen 23 gebaren rund um den errechneten Geburtstermin. Würden sich die Unterschiede im Schwangerschaftsverlauf aus dem im zweiten oder dritten Trimester abgegebenen Blut ablesen lassen?

Verräterische RNA-Signale


Bei der Analyse der Proben konzentrierten sich die Wissenschaftler auf freie, im Blut zirkulierende Schnipsel von RNA-Molekülen. "Anhand dieser RNA können wir Rückschlüsse auf die Genaktivität ziehen", erklärt Mitautor David Stevenson. "Bestimmte Veränderungen der Genaktivität sind für eine normale Schwangerschaft typisch. Abweichungen von diesen Mustern könnten daher ein Hinweis auf Störungen und ungesunde Bedingungen sein."

Tatsächlich zeigte sich: Die RNA-Signale von sieben Genen der Mutter und der Plazenta lassen Rückschlüsse auf den weiteren Schwangerschaftsverlauf zu. So konnten die Forscher anhand der Konzentration dieser RNA-Schnipsel mit einer Genauigkeit von 75 bis 80 Prozent bestimmen, welche Frau ihr Kind vorzeitig zur Welt gebracht hatte.


Wann ist der Geburtstermin?


Doch die im Blut zirkulierenden RNA-Schnipsel eignen sich nicht nur zur Risikovorhersage, wie das Team bei einer zweiten Untersuchung mit 31 gesunden Schwangeren aus Dänemark feststellte: Die RNA-Signale einer Gruppe von neun Genen ermöglichen auch eine ziemlich gute Berechnung des exakten Geburtstermins.

Die Methode ist den Forschern zufolge so genau wie eine Ultraschalluntersuchung und hat einen entscheidenden Vorteil: Während ein Ultraschall aufwändige Geräte erfordert und dementsprechend teuer ist, wäre ein Bluttest deutlich kostengünstiger. Davon könnten vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer profitieren.

Weitere Studien nötig


"Das sind vielversprechende Ergebnisse für die Pränatalmedizin", konstatieren die Wissenschaftler. Sie betonen aber auch: Bevor ein solcher Bluttest in die Praxis eingeführt werden kann, müssen größere klinische Studien die nun entdeckten Zusammenhänge zunächst bestätigen. (Science, 2018; doi: 10.1126/science.aar3819)
(AAAS/ March of Dimes Foundation/ Stanford Medicine, 11.06.2018 - DAL)
 
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