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Freitag, 21.09.2018
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Schadet Triclosan dem Darm?

Allgegenwärtiges Desinfektionsmittel fördert womöglich Darmentzündungen und Krebs

Schädlicher Nebeneffekt: Das umstrittene Desinfektionsmittel Triclosan schadet offenbar auch der Darmgesundheit - zumindest bei Mäusen. Eine Studie zeigt: Schon geringe Dosen des antimikrobiellen Wirkstoffs können bei Nagern nach kurzer Zeit zu Entzündungen im Dickdarm führen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen verschlimmern. Außerdem beschleunigte die Substanz im Experiment das Wachstum von Darmtumoren. Die Forscher fordern nun, diesen Zusammenhang künftig genauer zu untersuchen.
Der in vielen Alltagsprodukten enthaltene Wirkstoff Triclosan könnte der Darmgesundheit schaden.

Der in vielen Alltagsprodukten enthaltene Wirkstoff Triclosan könnte der Darmgesundheit schaden.

Das Desinfektionsmittel Triclosan wurde ursprünglich für die Anwendung in der Medizin entwickelt. Heute ist der antimikrobielle Wirkstoff aber auch in vielen Alltagsprodukten enthalten - zum Beispiel in Flüssigseifen, Deodorants und Zahnpasta. Auch in Küchenbrettern und Textilien kommt die Substanz als Keim-Bremse zum Einsatz. Das Problem: Triclosan steht inzwischen in Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein.

Im Tierversuch löst der Wirkstoff Leberschäden und -krebs sowie Muskelschwäche aus. Außerdem kann er Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien fördern. Ärzte fordern deshalb bereits ein Verbot von Triclosan in Alltagsprodukten. Ein neues Argument dafür könnten nun Wissenschaftler um Haixia Yang von der University of Massachusetts in Amherst liefern. Denn sie haben einen weiteren möglichen Nebeneffekt der allgegenwärtigen Substanz entdeckt.

Auch in Deutschland darf das umstrittene Triclosan Produkten wie Zahnpasta beigemischt werden.

Auch in Deutschland darf das umstrittene Triclosan Produkten wie Zahnpasta beigemischt werden.

Entzündeter Darm


Für ihre Studie untersuchten die Forscher, wie Triclosan auf die Darmgesundheit von Mäusen wirkt. Dafür verabreichten sie den Nagern drei Wochen lang Futter mit jeweils unterschiedlichen Triclosangehalten. Es zeigte sich: Nahmen die Mäuse Triclosanmengen auf, die den üblicherweise auch beim Menschen im Blut nachweisbaren Konzentrationen entsprachen, erkrankten sie häufiger als Kontrolltiere an systemischen Entzündungen sowie Entzündungen des Dickdarms.


Bei Nagern mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung verschlimmerte die Aufnahme der Substanz die Symptome des Leidens noch. Dieser Effekt blieb selbst dann bestehen, wenn die Tiere das Triclosan nur in ganz niedrigen Dosierungen gefüttert bekamen. Auch bei Mäusen mit Dickdarmkrebs wirkte sich das Desinfektionsmittel negativ auf den Krankheitsverlauf aus, wie das Team berichtet. Demnach beschleunigte sich dadurch das Tumorwachstum und mehr Tiere starben.

Veränderte Bakteriengemeinschaft


Verantwortlich für diese Folgen könnten Veränderungen der Darmflora sein. So stellten die Wissenschaftler fest: Triclosan scheint die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft zu beeinflussen und sich negativ auf die mikrobielle Artenvielfalt auszuwirken. Interessanterweise hatte die Substanz in einem Mausmodell mit Nagern ohne Darmmikrobiom keinerlei gesundheitsschädlichen Effekte. Dies legt dem Team zufolge nahe, dass die Darmflora entscheidend für die beobachteten Nebenwirkungen ist.

"Unsere Ergebnisse deuten erstmals daraufhin, dass sich Triclosan womöglich auch negativ auf die Darmgesundheit auswirkt", konstatiert Yangs Kollege Guodong Zhang. Für Menschen mit Darmkrebs oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa könnte dieser Zusammenhang von besonderer Bedeutung sein: "Möglicherweise sollten Patienten versuchen, die Belastung mit der Substanz so gering wie möglich zu halten", so Zhang.


"Strenger regulieren"


Zwar lassen sich die Resultate nicht so einfach von der Maus auf den Menschen übertragen. "Die Arbeit legt aber in jedem Fall nahe, dass die Effekte von Triclosan auf die menschliche Gesundheit in Zukunft genauer erforscht werden sollten", kommentiert das Fachmagazin "Science Translational Medicine" die Ergebnisse der Studie.

Die Autoren selbst sehen das ähnlich: "Weil diese Substanz so weit verbreitet ist, ist es dringend notwendig, ihren Einfluss auf den Darm detailliert zu untersuchen - und ihren Einsatz gegebenenfalls strenger zu regulieren", schließen sie. (Science Translational Medicine, 2018; doi: 10.1126/scitranslmed.aan4116)
(AAAS/ Translational Medicine, 31.05.2018 - DAL)
 
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