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Sonntag, 19.08.2018
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Schimpansen haben sauberere Betten als wir

Schlafnester enthalten kaum Haut- und Fäkalbakterien oder Parasiten

Von wegen primitive Verwandte: Zumindest in puncto Hygiene haben Schimpansen uns offenbar einiges voraus. Denn ihre Schlafnester enthalten kaum Bakterien von ihrer Haut oder aus Fäkalien und so gut wie gar keine Parasiten – anders als bei unseren Betten. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass die Menschenaffen ihre Nester aus Blättern und Zweigen täglich neu bauen. Sie beziehen im Gegensatz zu uns ihr Bett sozusagen täglich neu.
Schimpansen schlafen in selbstgebauten Nestern aus Zweigen und Blättern – und diese sind überraschend hygienisch.

Schimpansen schlafen in selbstgebauten Nestern aus Zweigen und Blättern – und diese sind überraschend hygienisch.

Unsere Wohnungen und Häuser bieten nicht nur uns Schutz, in ihnen hat sich auch eine reiche Vielfalt an verborgenen Mitbewohnern etabliert. Studien zeigen, dass wir im Schnitt mit 100 verschiedenen Arten von Insekten, Spinnen und Krebstierchen zusammenleben. Die unzähligen Bakterien und Pilze im Hausstaub verraten sogar ziemlich genau, wer in einer Wohnung wohnt. Denn ein Großteil von ihnen stammt von unserer Haut oder aus Fäkalien.

Hygienecheck in Schlafnestern


Doch wie sieht es mit den "Mitbewohnern" unserer engsten Verwandten aus, den Schimpansen? Diese Menschenaffen errichten zwar keine Häuser, dafür aber bauen sie jeden Abend ein Schlafnest auf einem Baum. "Diese Nester sind komplexe Strukturen mit einer stabilen Basis aus verwobenen Zweigen und einer Matratze aus Blättern", erklären Megan Thoemmes von der North Carolina State University und ihre Kollegen.

Ähnlich wie unsere Behausungen bieten die Schlafnester den Schimpansen Schutz vor Feinden und Wetter und die Tiere halten sich über viele Stunden darin auf. Würde sich in diesen Nestern, ähnlich wie in unseren Betten und Wohnungen, eine typische Bakteriengemeinschaft und Arthropodenfauna finden? Um das zu testen, haben die Forscher 41 benutzte Schimpansennester in einem Waldgebiet in Tansania auf Bakterien und Arthropoden untersucht.


Forscherin beim Probennehmen am Schimpansennest

Forscherin beim Probennehmen am Schimpansennest

Überraschend wenig "Mitbewohner"


Das überraschende Ergebnis: Die Schimpansennester waren deutlich hygienischer und sauberer als erwartet. Die Forscher fanden kaum bakterielle "Mitbewohner", die von der Haut der Tiere oder aus deren Kot stammten. "Mikroorganismen von den Körpern der Schimpansen fehlten fast komplett, das war schon überraschend", so Thoemmes. Sie machten nur knapp 2,5 Prozent der Mikroben aus – und damit etwa genauso viel wie in der weiteren Umgebung der Nester.

Selbst das Corynebacterium, die häufigste Mikrobe auf der Haut von Mensch und Schimpansen, war in keinem der Nester zu finden. Im menschlichen Hausstaub dagegen gehört sie zu den dominanten Arten. Stattdessen spiegelten die Mikroorganismen im Blätternest die Artenvielfalt wieder, die sich auch natürlicherweise auf dem Boden und auf Bäumen und Blättern findet, wie die Wissenschaftler erklären.

Parasiten Mangelware


Erstaunlich auch: "Wir hatten erwartet, eine signifikante Zahl von parasitischen Arthropoden in den Nestern zu finden – aber das war nicht der Fall", sagt Thoemmes. "In allen Nestern, die wir untersucht haben, fanden wir nur vier Ektoparasiten – und damit meine ich vier Einzeltiere, nicht vier Arten." Keine dieser Arten war zudem dafür bekannt, speziell Menschenaffen oder Schimpansen zu befallen.


Ein junger Schimpanse baut sich sein Schlafnest


Nach Ansicht der Forscher demonstrieren diese Ergebnisse, dass unsere frühen Vorfahren mit der Änderung ihrer Lebensgewohnheiten zwar kulturelle Fortschritte machten, aber auch einige Nachteile in Kauf nehmen mussten. "Als sie begannen, wiederholt an den gleichen Orten zu schlafen, brachte dies auch einen stärkeren Befall mit den Spezies mit sich, die an unserem Körper und in unseren Häusern leben", so Thoemmes und ihre Kollegen. "In dieser Hinsicht machten unsere Bemühungen, uns eine sauberere Umgebung zu erschaffen, diese sogar weniger optimal." (Royal Society Open Science, 2018; doi: 10.1098/rsos.180382)
(North Carolina State University, 16.05.2018 - NPO)
 
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