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Freitag, 21.09.2018
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EU verbietet drei Neonicotinoide

Bienenschädliche Spritzmittel dürfen nicht mehr im Freiland eingesetzt werden

Jetzt ist es amtlich: Die EU-Kommission hat den Freiland-Einsatz von drei Neonicotinoiden verboten – weil diese Insektizide bienenschädlich sind. Die gegen Pflanzenschädlinge eingesetzten Mittel Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam dürfen deshalb künftig in der EU nicht mehr auf Felder ausgebracht werden. Landwirte und Agrarindustrie müssen nun nach Alternativen suchen, die nicht womöglich noch mehr Schaden anrichten – keine ganz leichte Aufgabe.
Eine gute Nachricht für die Bienen: Die EU verbietet den Freiland-Einsatz von drei bienenschädlichen Neonicotinoiden.

Eine gute Nachricht für die Bienen: Die EU verbietet den Freiland-Einsatz von drei bienenschädlichen Neonicotinoiden.

Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide stehen seit längerem im Verdacht, für Bienen schädlich zu sein. Studien belegen, dass diese in der Landwirtschaft oft eingesetzten Insektizide das Nervensystem und die Abwehr von Honigbienen, Hummeln und anderen Hautflüglern schädigen. Sie verlieren dadurch die Orientierung und Wespen werden sogar geruchsblind. Gleichzeitig wirken die Neonicotinoide auf die Bienen anziehend wie eine Droge, wie Forscher herausfanden.

Verbot für drei Neonicotinoide


Seit 2013 hat die EU deshalb den Einsatz der drei Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam vorübergehend stark eingeschränkt. Im März 2018 bestätigte dann ein Gutachten der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), dass diese drei Neonicotinoide für Wild- und Honigbienen schädlich sind, wenn sie im Freiland ausgebracht werden.

Jetzt hat der zuständige Ausschuss der EU-Kommission auf Basis dieser Bewertung eine Entscheidung getroffen: Bei der Abstimmung über die zukünftige Verwendung der drei Neonicotinoide in der EU sprach sich eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten für ein Verbot aus. Damit ist künftig der Freiland-Einsatz von Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam in der EU untersagt. In Gewächshäusern bleibt die Anwendung dagegen erlaubt.


Ein erster Schritt


"Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa", kommentierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner das Freilandverbot der drei Neonicotinoide. Positiv bewerten auch viele Wissenschaftler die Entscheidung der EU-Kommission: "Die Entscheidung ist eine logische Konsequenz aus dem, was uns wissenschaftliche Studien zu den Wirkungen der Neonicotinoide sagen", sagt Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle.

Allerdings sehen viele Forscher in diesem Verbot nur einen ersten Schritt, denn um das Sterben der Bienen und der Insekten insgesamt zu stoppen, seien weitere Maßnahmen nötig: "Insgesamt sind Neonicotinoide nur ein Steinchen im Mosaik der Gründe für den Rückgang von Insekten und Vögeln", betont Christoph Schäfers vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Ökologie. In der Landwirtschaft sei generell ein Umsteuern notwendig.

Was sind die Alternativen?


Das Problem: Für die Landwirte gibt es nur wenig geeignete und ähnlich gut erforschte Alternativen zu den drei verbotenen Spritzmitteln. Zwei weitere Neonicotinoide - Thiacloprid und Acetamiprid – wirken weniger effektiv gegen Pflanzenschädlinge und stehen zudem ebenfalls im Verdacht, für Bienen giftig zu sein. Ähnliches gilt für einige Insektizide aus anderen Wirkstoffgruppen. Zudem sind die Schadinsekten gegen ältere Mittel oft schon resistent geworden.


"Die weggefallenen Neonicotinoide allein durch häufigere Spritzungen anderer Wirkstoffe zu ersetzen, ist deshalb keine langfristige Lösung", kommentiert Horst-Henning Steinmann von der Universität Göttingen. "Wenn die Landwirte nicht mit leeren Händen dastehen wollen, müssen sie sich schnellstens wieder mit Ackerbauverfahren befassen, die den Insektenbefall mindern. Das sind Fruchtfolgen, angepasste Saattermine, Randstreifen und mechanische Verfahren." Ähnlich sehen es seine Fachkollegen Settele und Schäfers. Auch sie halten ein grundsätzliches Umsteuern für notwendig.

Sinnvolle Methoden wären nach Ansicht der Forscher eine Abkehr von Monokulturen und eine kleinräumigere, vielfältige Anbauweise. Auch eine konsequente Nutzung von Fruchtfolgen, sowie der Einsatz von biologischer Schädlingsbekämpfung seien hilfreich, um den Schädlingsbefall auch ohne intensives Spritzen zu verringern. Ob und wie schnell sich die Bauern auf diese Veränderungen einlassen werden, bleibt allerdings abzuwarten.
(SMC, EU-Kommission, 27.04.2018 - NPO)
 
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