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Donnerstag, 24.05.2018
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Ozean: Größte "Todeszone" der Erde wächst

Sauerstoffmangel im Golf von Oman ist schlimmer als bisher angenommen

Luftmangel im Ozean: Das Wasser in Teilen des Arabischen Meeres ist noch sauerstoffärmer als bislang befürchtet. Diese größte "Todeszone" der Ozeane ist in den letzten Jahrzehnten noch weiter gewachsen, wie nun Messungen mit autonomen Robotergleitern enthüllen. Auf einer Fläche von der Größe Österreichs ist unterhalb von 350 Metern nahezu kein Sauerstoff mehr im Wasser vorhanden und selbst darüber herrscht Mangel, wie die Forscher berichten.
Messungen mit autonomen Gleitern enthüllen, dass die sauerstoffarme Todeszone im Golf von Oman noch größer und lebensfeindlicher ist als bisher angenommen.

Messungen mit autonomen Gleitern enthüllen, dass die sauerstoffarme Todeszone im Golf von Oman noch größer und lebensfeindlicher ist als bisher angenommen.

Den Ozeanen geht die Luft aus: Vor allem in Küstennähe und am Grund der Meere breiten sich sauerstoffarme "Todeszonen" aus – Gebiete, in denen das Meerwasser zu wenig Sauerstoff für das Überleben von Meerestieren enthält. Ausgelöst durch die Erwärmung der Ozeane und Überdüngung finden sich solche Sauerstoffminimumzonen inzwischen im Schwarzen Meer, im Indischen Ozean, vor der US-Küste, aber auch in der Ostsee und im Atlantik.

Weltweit sind solche Sauerstoffminimumzonen in den letzten 50 Jahren um das Vierfache gewachsen. "Sie sind eine sich anbahnende Katastrophe, die durch den Klimawandel, Abwässer und Düngemittel weiter verschlimmert werden", sagt Bastien Queste von der University of East Anglia.

Problemfall Arabisches Meer


Eine der größten und dicksten Todeszonen der Ozeane liegt im Arabischen Meer. Hier registrierten Forscher schon in den 1990er Jahren stellenweise Sauerstoffgehalte von weniger als drei Mikromol pro Kilogramm in Wassertiefen unterhalb von 450 Metern – und damit fast anoxische Bedingungen. "Bisher wusste aber niemand, wie schlimm die Lage dort inzwischen tatsächlich ist, weil Piraterie und Konflikte in dieser Region es zu gefährlich machten, dort Daten zu sammeln", erklärt Queste.


Eine Lösung haben die Forscher nun in Form zweier autonomer Unterseegleiter gefunden. Diese torpedoförmigen Messroboter durchkreuzten acht Monate lang das Arabische Meer und den Golf von Oman, den nordwestlichsten und am stärksten vom Sauerstoffmangel betroffenen Teil dieses Meeresgebiets. Ihre Messdaten zu Wassertemperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt sendeten die Gleiter täglich über Satellit an die Wissenschaftler.

Dies Todeszone im Arabischen Meer konzentriert sich im Golf von Oman

Dies Todeszone im Arabischen Meer konzentriert sich im Golf von Oman

Sauerstoffgehalt weiter gesunken


Das Ergebnis: "Unsere Daten zeigen, dass die Situation noch schlimmer ist als befürchtet", sagt Queste. "Die Todeszone ist enorm und wächst immer weiter." In einem Gebiet von der Größe Österreichs konnten die Gleiter unterhalb von 350 Metern Wassertiefe kaum mehr Sauerstoff nachweisen. Die Werte lagen bei durchschnittlich 1,1 Mikromol pro Kilogramm und damit im fast komplett anoxischen Bereich.

Sogar im oberflächennahen Wasser des Golfs von Oman hat der Sauerstoffgehalt des Wassers messbar abgenommen, wie die Forscher berichten. Schon in Tiefen bis 150 Meter sanken die Werte auf 60 Mikromol pro Kilogramm – dies entspricht bereits sauerstoffarmen Bedingungen. In mittleren Tiefen zwischen 150 und 350 Metern schwankt der Sauerstoffgehalt dagegen je nach Jahreszeit: Im Winter strömt vermehrt sauerstoffreicheres Wasser aus dem Persischen Golf ein und bessert die Bedingungen, im Sommer dagegen herrscht auch in diesem Meeresbereich Sauerstoffmangel.


"Der Ozean erstickt"


"Wir haben hier ein reales Umweltproblem, denn Fische, andere Meerestiere und Meerespflanzen brauchen Sauerstoff, sie können hier nicht mehr überleben. Der Ozean erstickt", sagt Queste. Die wenigen verbliebenen Fische werden vor allem im Sommer in der immer dünner werdenden Schicht mit sauerstoffreicherem Wasser zusammengedrängt. "Auch für die Menschen der Region hat dies verheerende Folgen, denn sie sind für Nahrung und Arbeit vom Ozean abhängig."

Hinzu kommt, dass die sauerstoffarmen Todeszonen den Klimawandel weiter anheizen. Wie Meeresforscher im letzten Jahr feststellten, setzen selbst kleinere Sauerstoffminimumzonen überraschend viel Lachgas frei. "Das Distickstoffmonoxid (N2O) ist ein potentes Treibhausgas: Es wirkt 300-Mal stärker als Kohlendioxid", erklärt Queste.

Bisher allerdings wurde der Lachgas-Beitrag der Todeszone im Arabischen Meer in Klimamodellen nicht berücksichtigt. Es fehlte schlicht an verlässlichen Daten. Die Gleiter-Messungen haben nun mehr Klarheit geschaffen, wenngleich die Ergebnisse wenig erbaulich sind. (Geophysical Research Letters, 2018)
(University of East Anglia, 30.04.2018 - NPO)
 
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