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Donnerstag, 19.01.2017
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Prionen „suchen“ entzündetes Gewebe

Krankheitserreger in allen Organen nachweisbar

Forscher der Universitäten Göttingen und Zürich haben in einer neuen Studie nachgewiesen, dass sich bei Prionerkrankungen in allen Organen massiv Prionen ansammeln. Auch in Niere, Bauchspeicheldrüse und Leber fanden sie Ansammlungen der Krankheitserreger, wenn bei diesen Organen vorher eine Entzündung ausgelöst worden war. Die Organe galten bislang als "prionfreie" Gewebe.
Prion

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Bislang gingen Mediziner davon aus, dass es nach der Aufnahme von infektiösen Prionen nur in Organen wie den Lymphknoten und der Milz zu einer Vermehrung der Erreger kommt. Die Forscher aus Göttingen, Zürich, London und Yale konnten jetzt in ihren Experimenten zeigen, dass diese Lehrmeinung nicht mehr gültig ist, wenn Entzündungen vorliegen.

In Tierversuchen mit Mäusen wurden fünf Entzündungsmodelle in drei Organen durchgespielt: Niere, Bauchspeicheldrüse und Leber. Das Ergebnis war überraschend: Nach einer experimentell ausgelösten Entzündung konnten in allen Organen massive Prionen-Ansammlungen nachgewiesen werden. "Die Prionen wandern bevorzugt dorthin, wo sie entzündetes Gewebe finden", erläutert Privatdozent Marco Prinz das Ergebnis.

Die Forscherinnen und Forscher schließen daraus, dass die gegenwärtige Risiko-Klassifikation nur dann gültig ist, wenn das betroffene Tier zwar mit Prionen infiziert ist, ansonsten jedoch gesund ist. Falls eine zusätzliche Entzündung vorhanden ist - sei es durch einen Virus, ein Bakterium oder eine Autoimmunerkrankung - erweitert sich das Spektrum der prionenhaltigen Organe wesentlich. Nach Ansicht des Göttinger Privatdozent Marco Prinz, ist es daher wichtig, "die mit Mäusen gewonnenen Erkenntnisse in einem nächsten Schritt bei landwirtschaftlichen Nutztieren wie Schafen und Rindern zu überprüfen".


Die Wissenschaftler wollen jetzt weitere Schnittstellen zwischen Lymphorganen und Gehirn bei Prionerkrankungen untersuchen.

Unheilbare Prionenerkrankungen


Prionenerkrankungen sind bis heute unheilbar. Typisch für den Krankheitsverlauf sind Bewegungsstörungen, die sich sehr rasch entwickeln, sowie eine fortschreitende Demenz, die durch einen Nervenzellverlust hervorgerufen wird.

Als häufigste Infektionsform bei den meisten Prionerkrankungen gilt die orale Aufnahme von infizierten Stoffen. Wie bei der so genannten "Bovinen Spongiformen Enzephalopathie" (BSE) beim Rind oder "Scrapie" beim Schaf wird auch bei der neuen Variante der "Creutzfeld-Jakob Erkrankung" (vCJD) die Infektion wahrscheinlich durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch hervorgerufen.

Die Wissenschaftler aus Göttingen und Zürich berichten über ihre Ergebnisse in der "online-Express-Ausgabe" des Wissenschaftsmagazins "Science". Beteiligt an den Forschungen waren außerdem Immunbiologen der Yale University School of Medicine, New Haven, USA, und der Abteilung für Neurodegenerative Erkrankungen am Institut für Neurologie der Medical Research Council Prion Unit, Großbritannien.
(idw - Universität Göttingen, 24.01.2005 - DLO)
 
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