• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 19.07.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Allergietest für Pferde

Auch Pferde produzieren IgE-Antikörper bei allergischen Reaktionen

Asthma, Ekzeme und Husten: Auch Pferde leiden unter Allergien – und ihr Immunsystem reagiert dabei genauso wie das unsrige, wie ein neu entwickelter Allergietest für Pferde belegt. Forscher haben damit erstmals nachgewiesen, dass auch Pferde bei Allergien spezifische IgE-Antikörper produzieren. Am häufigsten reagieren die Vierbeiner dabei auf Erlenpollen, bestimmte Gräser und Buchweizen – ein Proteinlieferant, der in vielen Pferde-Leckerlis enthalten ist.
Pferde leiden auch unter Allergien - und wie bei uns produziert ihr Immunsystem dabei IgE-Antikörper

Pferde leiden auch unter Allergien - und wie bei uns produziert ihr Immunsystem dabei IgE-Antikörper

Die Geschichte von Mensch und Pferd ist eng verknüpft. Seit ihrer Domestikation vor rund 5.5000 Jahren haben die Vierbeiner die Entwicklung unserer Kultur entscheidend mitgeprägt. Umgekehrt wurden durch unseren züchterischen Einfluss aus den einstigen Wildpferden die heutige Vielfalt der Pferderassen. Die einst scheuen Fluchttiere haben inzwischen längst gelernt, nicht nur auf unsere Hilfen zu reagieren, sie verstehen sogar unsere Gesichtsausdrücke und bitten uns sogar gezielt um Hilfe.

Auch Pferde bekommen Asthma, Ekzeme und Husten


Jetzt haben Erika Jensen-Jarolim von der Universität Wien und ihr Team eine weitere Gemeinsamkeit von Pferd und Mensch entdeckt. "Unsere besten Freunde sind uns noch ähnlicher als wir vielleicht dachten, das trifft auch auf das Immunsystem zu", erklärt die Forscherin. Schon länger ist bekannt, dass auch Pferde an allergieähnlichen Reaktionen leiden können. Sie entwickeln Hautauschläge, chronischen Husten oder sogar eine Art Asthma.

"Die gleichen Allergene, die beim Menschen Allergien auslösen, darunter Pollen oder Lebensmittel, sind auch bei den Tieren relevant", so die Wissenschaftler. Unklar war allerdings bisher, ob dahinter auch immunologisch die gleichen Prozesse stecken. Bei uns Menschen spielen dafür die Ausschüttung von entzündungsfördernden Histaminen und vor allem die Produktion der sogenannte IgE-Antikörper eine entscheidende Rolle.


Allergietest auf einem Chip


Ob dies auch bei Pferden so ist und auch welche Stoffe die Vierbeiner sensibel reagieren, haben die Wissenschaftler mit einem speziellen Allergietest für Pferde untersucht. Sie entwickelten dafür einen Labor-Chip weiter, der bereits zum Nachweis von Allergien bei Mensch und einigen Tieren angewendet wird. Der auf die Pferde angepasste Testchip enthielt 131 verschiedene Allergene mit Reagenzien, die auf die Präsenz der jeweils passenden IgE-Antikörper mit Farbwechsel reagieren.

Sind die für das Allergen spezifischen IgE-Antikörper vorhanden, schütten die Mastzellen bei jedem Kontakt Histamine aus.

Sind die für das Allergen spezifischen IgE-Antikörper vorhanden, schütten die Mastzellen bei jedem Kontakt Histamine aus.

Für ihre Studie entnahmen die Forscher 51 Pferden verschiedener Rassen aus Europa und Japan Blutproben. Ein Großteil der Tiere litt unter allergietypischen Symptomen wie Ekzemen, Asthma oder Husten. Das Serum der Pferde wurde dann auf den Allergie-Testchip gegeben und so auf allergische Reaktionen geprüft.

IgE-Antikörper als Allergieanzeiger


Und tatsächlich: Der Allergietest funktionierte. Wie der Mensch entwickeln offenbar auch Pferde eine überschießende Antikörper-Antwort auf bestimmte Allergene. Die Forscher konnten eindeutig feststellen, gegen welche Substanzen die Tiere IgE-Antikörper gebildet hatten. Der neue Testchip erlaubt es demnach, auch bei den Pferden eine Allergie zu diagnostizieren. Damit könnten künftig Allergien bei Pferden einfacher und schneller erkannt werden.


Interessanterweise traten im Test erhöhte IgE-Werte auch bei den Pferden auf, die äußerlich keine Anzeichen für eine Allergie zeigten. "Das spricht dafür, dass diese Tiere für das Allergen sensibilisiert sind, ohne dass klinische Symptome auftreten", so die Forscher. Ob und wie stark die Immunreaktion tatsächlich der Auslöser von Husten, Asthma oder Ausschlägen bei den betroffenen Pferden ist, muss nun noch in weiteren Studien erforscht werden.

"Unsere Ergebnisse sind aber in jedem Fall, ähnlich wie der IgE-Test beim menschlichen Allergiker, ein starker Hinweis darauf, in welche Richtung man weiter diagnostisch suchen muss", sagt Jensen-Jarolim.

Das Hundszahngras (Cynodon dactylon) wächst inzwischen auf vielen Weiden, kann aber bei Pferden offenbar Allergien auslösen.

Das Hundszahngras (Cynodon dactylon) wächst inzwischen auf vielen Weiden, kann aber bei Pferden offenbar Allergien auslösen.

Reaktion auf Erle, Gras und Buchweizen


Die Studie lieferte auch Einblick darin, auf welche Substanzen Pferde besonders häufig allergisch reagieren. Die meisten Reaktionen fanden die Wissenschaftler bei Erlenpollen – möglicherweise weil diese Baumart häufig in der Nähe der Koppeln zu finden ist. Am zweithäufigsten reagierten die Pferde allergisch auf Pollen des Hundszahngrases (Cynodon dactylon). Diese ursprünglich aus Asien stammende Grasart ist heute auf vielen Weiden zu finden.

"Das interessanteste Ergebnis aber ist die hohe Prävalenz von IgE gegen ein Buchweizen-Allergen", berichten die Forscher. Immerhin 37 der 51 getesteten Pferde reagierten darauf allergisch. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich der häufige Kontakt der Pferde mit diesem Pseudo-Getreide. "Buchweizen kommt sehr oft in Pferde-Goodies und Pferde-Müsli vor", erklärt Jensen-Jarolim. Zudem wird der proteinreiche Buchweizen in Mitteleuropa auch angebaut.

Wenn ein Pferd Allergie-Symptome mit unklarer Ursache zeigt, könnte es sich daher lohnen, mit einer Buchweizen-Eliminationsdiät zu überprüfen, ob sich die Symptome bessern, so der Rat der Wissenschaftler. (Allergy, 2018; doi: 10.1111/all.13417)
(Medizinische Universität Wien, 01.03.2018 - NPO)
 
Printer IconShare Icon