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Freitag, 21.09.2018
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Tiere beobachten aus dem All

Antenne für tierisches Sensornetzwerk ist auf dem Weg zur Internationalen Raumstation

Tierische Bewegungen im Blick: Eine Antenne auf der Internationalen Raumstation ISS soll künftig dabei helfen, weltweite Wanderungsbewegungen von Tieren zu erforschen. An Vögeln, Fledermäusen und Co angebrachte Sender funken dafür unter anderem GPS-Daten an die ISS, die an einem einzigen Tag bis zu 80 Prozent der Erdoberfläche im Blick hat. Forscher erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die Lebensweise der Tiere – aber auch über das Klima oder die Ausbreitung von Krankheiten.
Forscher untersuchen künftig von der Raumstation ISS aus globale Wanderungsbewegungen von Tieren.

Forscher untersuchen künftig von der Raumstation ISS aus globale Wanderungsbewegungen von Tieren.

Tiere sind immer in Bewegung: Egal ob sie riesige Reviere durchstreifen, tausende Kilometer auf dem Weg in ihre Winterquartier zurücklegen oder ihrer Beute nachwandern – würde man all die Routen, die die Lebewesen auf unserem Planeten zurücklegen, nachzeichnen, ergäbe sich ein dichtes, unübersichtliches Wegenetz. Genau dieses Netz wollen Forscher künftig aus dem All kartieren.

Mit dem Equipment für dieses russisch-deutsche Projekt ist am Dienstag eine russische Sojus-Kapsel zur internationalen Raumstation ISS aufgebrochen. Sie soll heute um 11:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit dort ankommen. "Der Raumfrachter hat etwa 2.500 Kilogramm Gepäck an Bord, wovon auf Icarus – das technisch modernste Projekt zur globalen Tierbeobachtung aus dem All – etwa 200 Kilo entfallen", erklärt Johannes Weppler, Projektleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bonn.

Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie mit einem Storch, der einen Icarus-Sender trägt.

Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie mit einem Storch, der einen Icarus-Sender trägt.

Tiere funken zur ISS


Bei der zur ISS gebrachten Ladung handelt es sich um drei bis zu zwei Meter lange Empfangs- und eine Sendeantenne. Ein dazugehöriger Computer war bereits im Oktober zur Raumstation transportiert worden. Mit dem System sollen künftig globale Wanderbewegungen von Tieren erforscht werden.


Winzige, weniger als fünf Gramm leichte, an den Tieren angebrachte Sender sammeln Informationen über deren Verhalten und funken sie zur ISS. Dabei werden GPS- und Beschleunigungsdaten, aber auch Daten aus der Umwelt erfasst. "Eingetragen in eine Datenbank sollen sie dabei helfen, Tiere zu schützen, unser Klima und die Ausbreitung von Krankheiten besser zu verstehen sowie nachhaltigere Landwirtschaft zu betreiben", erklärt Weppler. Auch Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Tierwanderungen und der Nahrungssicherheit in kritischen Regionen könnten die Daten liefern.

So funktioniert das Tierbeobachtungssystem Icarus.

So funktioniert das Tierbeobachtungssystem Icarus.

80 Prozent der Erde im Blick


Der Clou: Die Icarus-Antenne empfängt Signale aus einem 30 mal 800 Kilometer großen Gebiet. Weil sich die Flugbahn der ISS jedoch bei jeder Erdumrundung um 2.500 Kilometer nach Westen verschiebt, decken die Empfangsantennen an einem einzigen Tag bis zu 80 Prozent der Erdoberfläche ab und ermöglichen so einen einmalig umfassenden Blick auf das Geschehen auf unserem Planeten. Insgesamt kann die Antenne Daten von mehr als fünfzehn Millionen Sendern empfangen, die sich irgendwo auf der Erde bewegen.

Losgehen könnte es bereits Anfang August. Dann sollen die Kosmonauten Oleg Artemjew und Sergei Prokopjew die Antenne bei einem Außenbordeinsatz montieren. Läuft in der folgenden zweimonatigen Testphase alles glatt, kann das System im Herbst seinen wissenschaftlichen Betrieb aufnehmen.


Von Zugvögeln bis zu Jaguaren


Weltweit werden dann 150 Forschungsprojekte Wanderungsbewegungen unterschiedlicher Tiere untersuchen – darunter Meeresschildkröten, Jaguare, Fledermäuse und Zugvögel. Auch Martin Wikelski und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen fiebern diesem Moment bereits entgegen und haben bis dahin noch viel zu tun.

"Ab Juni 2018 werden wir an 35 Orten in Deutschland zunächst Amseln mit unseren Minisendern ausstatten. So wollen wir herausfinden, wo sie leben, wohin sie fliegen, wo sie sterben, und wie wir unsere Vögel beschützen können", erklärt der Forscher.
(Max-Planck-Gesellschaft/ Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, 15.02.2018 - DAL)
 
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