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Montag, 24.09.2018
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Fördern Fertiggerichte Krebs?

Hochverarbeitete Lebensmittel könnten das Risiko für Tumorerkrankungen steigern

Risiko Tiefkühlpizza: Wer regelmäßig Fertiggerichte und andere hochverarbeitete Lebensmittel verzehrt, erkrankt womöglich häufiger an Krebs. Darauf weist nun erstmals eine Beobachtungsstudie mit mehr als 100.000 Teilnehmern hin. Demnach steigt mit einem höheren Anteil solcher Produkte in der Ernährung das individuelle Erkrankungsrisiko signifikant an. Ob hier jedoch tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist noch unklar.
Unsere Liebe zu Fertigpizza und Co könnte uns anfällig für Krebs machen.

Unsere Liebe zu Fertigpizza und Co könnte uns anfällig für Krebs machen.

Ob Limonade, Knuspermüsli, Formfleisch, Tiefkühlpizza oder andere Fertiggerichte: Bei all diesen Produkten handelt es sich um hochverarbeitete Lebensmittel. Sie schmecken lecker und stehen oft ohne viel Arbeit auf dem Tisch. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sie inzwischen einen Großteil unserer westlichen Ernährungsweise ausmachen.

Das Problem: In hochverarbeiteten Produkten steckt wenig Natur, dafür aber umso mehr Industrie. Ihren Geschmack erhalten die meisten dieser Lebensmittel durch künstliche Zusatzstoffe, viel Zucker, Salz und Fett. Gesund ist das nicht. So gilt es heute als erwiesen, dass Fertigpizza und Co maßgeblich dazu beitragen, dass die Menschen immer dicker und kränker werden. Studien legen Zusammenhänge mit Übergewicht, schlechten Cholesterinwerten sowie hohem Blutdruck nahe - einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle.

Ernährung im Blick


Doch fördert die Liebe zur Industrieware auch das Risiko für Krebs? Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler um Thibault Fiolet von der Sorbonne Universität in Paris nun Daten von 104.980 gesunden Franzosen ausgewertet - davon 22 Prozent Männer und 78 Prozent Frauen.


Die Probanden waren im Schnitt 43 Jahre alt und gaben für die Untersuchung mithilfe eines Online-Fragebogens an, wie oft sie im Alltag bestimmte Lebensmittel verzehrten. Insgesamt fragten die Forscher 3.300 Produkte ab. Zudem behielten sie über einen Zeitraum von fünf Jahren die Gesundheitsakten der Teilnehmer im Blick: Wer von ihnen würde an einem Tumorleiden erkranken?

Erhöhtes Risiko


Die Auswertung offenbarte, dass es womöglich tatsächlich eine Verbindung zwischen der Ernährung und dem individuellen Krebsrisiko gibt. Wessen täglicher Speiseplan zehn Prozent mehr hochverarbeitete Produkte enthielt, dessen Erkrankungsrisiko stieg um insgesamt zwölf Prozent an. Für Brustkrebs allein erhöhte sich das Risiko um elf Prozent, wie das Team berichtet. Diese Ergebnisse blieben auch dann noch statistisch signifikant, nachdem andere Einflussgrößen wie Alter und Geschlecht, die Familiengeschichte, Rauchen und Sport herausgerechnet worden waren.

Des Weiteren zeigte sich: Weniger stark verarbeitete Lebensmittel wie Dosengemüse schienen das Krebsrisiko nicht zu beeinflussen. Wer sich hauptsächlich von frischen oder kaum verarbeiteten Produkten wie Obst, Gemüse, Reis, Fisch und Milch ernährte, bei dem sank das Risiko sogar, an Krebs generell und an Brustkrebs zu erkranken.


Kausaler Zusammenhang?


"Damit liefert die Studie einen ersten Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen hochverarbeiteten Lebensmitteln und Krebs", kommentieren die nicht an der Untersuchung beteiligten Martin Lajous und Adriana Monge vom National Institute of Public Health in Mexiko. Allerdings: Wie die Autoren selbst betonen, handelt es sich bei der Untersuchung um eine Beobachtungsstudie, die keine Rückschlüsse auf eine Ursache-Wirkung-Beziehung erlaubt.

Ob industriell verarbeitete Produkte tatsächlich Krebs fördern können, ist demnach längst nicht abschließend geklärt. "Wir sind noch weit davon entfernt, die Auswirkungen hochverarbeiteter Lebensmittel auf unsere Gesundheit umfassend zu verstehen", schreiben Lajous und Monge. In Zukunft gilt es daher, diesen Zusammenhang weiter zu erforschen - und dabei auch zu klären, welche Inhaltsstoffe in den Produkten möglicherweise für eine Erhöhung des Krebsrisikos verantwortlich sein könnten. (BMJ, 2018; doi: 10.1136/bmj.k322)
(BMJ, 15.02.2018 - DAL)
 
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