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Montag, 19.02.2018
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Neues Antibiotikum entdeckt

Aus Bodenbakterien isolierte Wirkstoffklasse wirkt sogar gegen MRSA

Neue Waffe gegen Krankheitserreger: Forscher haben eine neuartige Klasse von Antibiotika entdeckt. Die Wirkstoffe stammen aus einem Bodenbakterium und sind hochwirksam gegen viele resistente Keime – darunter sogar der berüchtigte Krankenhauskeim MRSA. Zudem scheinen die Substanzen nur wenig anfällig gegenüber einer schnellen Resistenzbildung zu sein, wie das Team im Fachmagazin "Nature Microbiology" berichtet.
Der methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) ist einer von vielen gegen Antibiotika resistenten Keimen.

Der methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) ist einer von vielen gegen Antibiotika resistenten Keimen.

Die einst besten Waffen der Medizin gegen bakterielle Erreger werden zunehmend stumpf: Das Problem der Antibiotika-Resistenzen greift immer weiter um sich. Viele Bakterien, darunter der Krankenhauskeim MRSA, sind inzwischen sogar schon gegen mehrere Wirkstoffklassen immun. Angesichts dieser Entwicklung rief die Weltgesundheitsorganisation im vergangenen Jahr noch einmal eindringlich zur Erforschung von Alternativen auf.

Tatsächlich hat die Suche nach einer Lösung für das Problem der resistenten Erreger mittlerweile an Fahrt gewonnen. Weltweit fahnden Wissenschaftler unter anderem in der Natur nach potenziellen neuen Wirkstoffen – schließlich wurden auch die heute gängigen Antibiotika ursprünglich aus Schimmelpilzen und anderen Bodenmikroben isoliert.

Wirksam gegen gram-positive Bakterien


Auf diese Ursprünge haben sich auch Sean Brady von der Rockefeller University in New York und seine Kollegen zurückbesonnen. Sie reisten quer durch die USA und nahmen dabei mehr als tausend Bodenproben, die sie anschließend auf Bakterien untersuchten. Viele dieser Mikroorganismen nutzen antibiotische Wirkstoffe, um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen. Würde die DNA der bakteriellen Bodenbewohner nützliche Waffen gegen schwer behandelbare Infektionen enthalten?


Tatsächlich identifizierten die Forscher bei den Erbgutanalysen eine Gruppe von Genen, die für interessante Substanzen codieren: sogenannte Malacidine. Diese Stoffe erwiesen sich in ersten Experimenten als hochwirksam gegen etliche gram-positive Bakterien. Sie greifen die Erreger an, indem sie sogenannte Lipid II-Moleküle attackieren, die für den Aufbau der Zellwand notwendig sind – offenbar mit deutlicher Durchschlagskraft.

Wenig anfällig für Resistenzen


So können es die Malacidine sogar mit multiresistenten Erregern wie dem methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, kurz MRSA, aufnehmen. Dieser gefürchtete Keim verursacht unter anderem schwere Infektionen der Haut. Bei Versuchen mit erkrankten Ratten heilte die Haut durch die Gabe des neuartigen Mittels vollständig aus.

Die Antibiotikaklasse der Malacidine könnte demnach ein vielversprechender Kandidat für neue Therapeutika sein. Ein Pluspunkt dabei: Dass sich gegen diesen Wirkstoff schnell Resistenzen entwickeln, ist dem Team zufolge nicht zu befürchten. Denn offenbar fällt es Bakterien schwer, eine Immunität gegen die Angriffsstrategie der Malacidine aufzubauen, wie weitere Untersuchungen zeigten. (Nature Microbiology, 2018; doi: 10.1038/s41564-018-0110-1)
(The Rockefeller University, 13.02.2018 - DAL)
 
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