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Donnerstag, 22.02.2018
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Indien: Schwemme illegaler Antibiotika

Selbst multinationale Konzerne produzieren und verkaufen nicht zugelassene Präparate

Fataler Trend: In Indien werden jedes Jahr Millionen illegaler Antibiotika verkauft. Unter den Kombinations-Präparaten mit zwei oder mehr Wirkstoffen genügen 64 Prozent nicht einmal den nationalen Zulassungsbestimmungen, nur fünf Präparate wären in Europa oder den USA legal, wie eine Analyse enthüllt. Diese Zahlen könnten erklären, warum gerade in Indien besonders viele multiresistente Erreger entstehen.
In Indien werden Millionen illegaler, unzureichender Antibiotika produziert und verkauft.

In Indien werden Millionen illegaler, unzureichender Antibiotika produziert und verkauft.

Indien gehört zu den Ländern mit den höchsten Raten von Antibiotika-Resistenzen weltweit. Viele Stämme gängiger bakterieller Krankheitserreger sind dort bereits gegen mehrere Klassen gängiger Antibiotika resistent. Durch Fernreisende und die Übertragung auf Flughäfen gelangen diese multiresistenten Bakterien immer wieder auch nach Europa und in andere Regionen der Erde.

Umstrittene Kombi-Präparate


Warum gerade Indien eine solche Brutstätte resistenter Erreger ist, könnte eine Studie von Patricia McGettigan von der Queen Mary University of London und ihren Kollegen erklären. Sie haben untersucht, wie viele und welche Antibiotikapräparate von 2007 bis 2012 in Indien verkauft wurden – und wie viele dieser Präparate den Zulassungsvorschriften Indiens, der USA oder Europas entsprechen.

Die Auswertung der Marktstatistiken ergab, dass in Indien besonders viele Antibiotika als Kombinationspräparate verkauft werden: Dort sind 86 Einzelpräparate, aber 118 aus zwei oder mehr antibiotischen Wirkstoffen zusammengestellten Mittel auf dem Markt. Solche Mittel sind umstritten, weil sie die Bildung von Resistenzen begünstigen können. Zum Vergleich: In Großbritannien und den USA gibt es gerade einmal fünf solcher Kombi-Präparate.


Mehr als die Hälfte ist illegal


Besorgniserregend dabei: Von den 118 Kombi-Präparaten entsprachen 64 Prozent nicht den nationalen Zulassungsbestimmungen - sie waren schlicht illegal. Allein im Jahr 2011/2012 wurden in Indien rund 300 Millionen solcher illegalen Medikamente verkauft, wie die Auswertungen ergaben. Häufig enthielten sie entweder zu wenig Wirkstoff oder aber eine ungeeignete Kombination verschiedener Antibiotika.

Nur fünf der Kombi-Arzneimittel genügten den Bestimmungen der USA oder Großbritanniens – und das, obwohl immerhin 53 der 118 Wirkstoffkombinationen von multinationalen Konzernen produziert werden. "Wie erklären die multinationalen Konzerne die Tatsache, dass sie in Indien massenhaft Produkte verkaufen, die in ihrem eigenen Land nicht zugelassen wären und teilweise selbst in Indien nicht den Vorschriften genügen", fragt McGettigan.

"Das muss unterbunden werden"


Zwar sieht die Lage bei den in Indien verkauften Einzelpräparaten etwas besser aus: Hier entsprachen 93 Prozent den örtlichen Zulassungs-Richtlinien. Doch angesichts der Tatsache, dass in Indien illegale Kombi-Präparate ein Drittel aller verkauften Antibiotika ausmachen, sehen die Forscher Grund für Besorgnis. "Der Verkauf unkontrollierte, nicht zugelassener Antibiotika unterminiert alle Bemühungen, die grassierende Ausbreitungen von Resistenzen einzudämmen", betont McGettigan.

Hier müsse dringend gegengesteuert werden: "Regierungen und Kontrollbehörden müssen die nötigen Schritte unternehmen, um die Produktion und den Verkauf von illegalen, nicht zugelassenen Medikamenten zu unterbinden und die Handlungen multinationaler Konzerne besser zu kontrollieren", so Allyson Pollock von der Newcastle University. (British Journal of Clinical Pharmacology, 2018; doi: 10.1111/bcp.13503)
(Wiley, 05.02.2018 - NPO)
 
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