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Samstag, 18.08.2018
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Archaeopteryx: Darwinfinken des Jura?

Ältestes Exemplar enthüllt überraschende Vielfalt der Solnhofener Urvögel

Versteinerte Evolution: Ein erst vor Kurzem entdecktes Fossil des Archaeopteryx liefert überraschende Einblicke in die Vielfalt dieser Urvögel. Denn dieses bislang älteste Archaeopteryx-Exemplar besitzt einige zuvor unbekannte und noch sehr ursprüngliche Merkmale. Sie sprechen dafür, dass diese Urvögel vor 150 Millionen Jahren eine ähnliche Variationsbreite besaßen wie heute die Darwinfinken der Galapagos-Inseln.
Lebendrekonstruktion des Urvogel Archaeopteryx im Flug

Lebendrekonstruktion des Urvogel Archaeopteryx im Flug

Der rund 150 Millionen Jahre alte Archaeopteryx ist eines der berühmtesten Fossilien der Welt – und eine Ikone der Evolutionstheorie. Denn als er im Jahr 1860 im Kalkstein von Solnhofen entdeckt wurde, hatte Charles Darwin gerade erst seine "Entstehung der Arten" veröffentlicht. Der Archaeopteryx mit seiner Mischung aus Reptilien – und Vogelmerkmalen stützte seine Theorie. Allerdings: Die genaue Position des Archaeopteryx im Stammbaum der Vögel und Dinosaurier ist bis heute umstritten.

Wirklich alles Archaeopteryxe?


Nahezu alles, was wir heute über den Archaeopteryx wissen, stammt aus Analysen der rund ein Dutzend Exemplare, die bisher in Süddeutschland gefunden wurden – der letzte von ihnen erst 2010. Weil sich diese Exemplare sehr ähnlich sehen, schien dabei klar, dass alle zur Gattung Archaeopteryx gehören. In den letzten Jahren jedoch haben Funde sehr ähnlicher gefiederter Dinosaurier und Urvögel in China daran Zweifel geweckt.

Und tatsächlich: Erst vor Kurzem entlarvte eine Nachanalyse des sogenannten Haarlemer Exemplars dieses als Fehlzuordnung. Denn statt um einen Archaeopteryx handelt es sich bei diesem Fossil um einen vogelähnlichen Dinosaurier, der bislang nur aus China bekannt war. Statt zwölf gibt es damit nur noch elf Archaeopteryx-Exemplare - und auch beim neunten Fossil gibt es noch Zweifel.

Das zuletzt entdeckte, elfte Exemplar des Urvogels Archaeopteryx ist gleichzeitig das älteste.

Das zuletzt entdeckte, elfte Exemplar des Urvogels Archaeopteryx ist gleichzeitig das älteste.

Ursprüngliche Merkmale


Jetzt haben Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München und seine Kollegen das zuletzt gefundene Exemplar des Archaeopteryx genauer untersucht – und dabei Überraschendes festgestellt. Denn dieses erst 2010 entdeckte Fossil ist nicht nur ein echter Archaeopteryx, sondern sogar der geologisch älteste von allen. Er lebte fast eine Million Jahre vor seinem jüngsten bekannten Artgenossen.


Das Spannende daran: Dieses sehr alte Archaeopteryx-Exemplar hat viele Merkmale, die noch sehr ursprünglich sind – und die man bisher von Archaeopteryx nicht kannte. "Sie zeigen unter anderem, wie ähnlich der Urvogel in vielen Merkmalen den fortschrittlichen Raubsauriern ist", sagt Rauhut. Das Wissen um diese internen Unterschiede macht es künftig leichter, echte Archaeopteryx-Fossilien von ähnlichen Urvögeln zu unterscheiden.

Darwinfinken des Jura


Noch spannender aber: Die große Spannbreite der Merkmale spricht dafür, dass die Gattung Archaeopteryx deutlich variantenreicher war als bislang gedacht. "Auffällig ist insbesondere die starke Variation in der Bezahnung und somit möglicherweise im Nahrungserwerb – keine zwei Exemplare zeigen das exakt selbe Muster", berichtet Rauhut. "Dies erinnert an die berühmten Darwinfinken und ihre Variation in der Schnabelform."

Nach Ansicht der Paläontologen könnte der Archaeopteryx seine Vielfalt auf ähnliche Weise entwickelt haben wie Millionen Jahre nach ihm die Finken der Galapagos-Inseln. Denn auch der Urvogel lebte in einer von Inseln und Lagunen geprägten Landschaft: Das Solnhofener Gebiet war im Jura von einem flachen, subtropischen Meer bedeckt.


"Vielleicht hatte sich der Urvogel nach seiner Ankunft im Solnhofener Archipel auf den verschiedenen Inseln rasch in zahlreiche spezialisierte Arten aufgespalten und stellt somit sozusagen einen jurassischen Darwinfinken dar", sagt Rauhut. "Das aber ist im Moment noch eine spekulative Hypothese." (PeerJ, 20ß18; doi: 10.7717/peerj.4191)
(Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns, 29.01.2018 - NPO)
 
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