• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 19.10.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Musik ist die universellste Sprache

Unsere Lieder folgen weltweit ähnlichen Mustern – trotz aller kulturellen Unterschiede

Universeller Code: Ob es sich bei einem Lied um eine Wiegenmelodie oder ein Tanzstück handelt, erkennen Menschen intuitiv – selbst dann, wenn die Musik aus einem völlig fremden Kulturkreis stammt. Demnach scheinen unsere Lieder weltweit ähnlichen Mustern zu folgen und einen universellen Zusammenhang zwischen Form und Funktion aufzuweisen. Sie können deshalb auch universell "verstanden" werden, wie Forscher berichten.
Musik: eine Sprache, die jeder versteht

Musik: eine Sprache, die jeder versteht

Musik ist tief in unserer Geschichte und unserer Natur verankert. Weltweit gibt es kaum eine Kultur, die keine Musik kennt. Selbst unsere frühesten Vorfahren waren bereits musikalisch: Sie trommelten und sangen wahrscheinlich bei Ritualen, Festen oder alltäglichen Arbeiten. Womöglich hatten schon die gemeinsamen Ahnen des Menschen und des Schimpansen eine musikalische Ader. Denn auch unsere engsten Verwandten mögen Musik.

Wie sehr die Musik mit dem Mensch-Sein verbunden ist, offenbart sich auch noch an etwas Anderem: Bereits ungeborene Kinder im Mutterleib reagieren auf melodische Töne. Der Sinn für Musik scheint uns angeboren, kurzum ein wahrer Ur-Instinkt zu sein. Musik ist demnach etwas universell Menschliches. Doch zeigt sich dieses Universelle auch noch in der heutigen Zeit – oder ist es vor allem die Kultur, die die Musik und das individuelle Musikerleben entscheidend prägt?

Fremde Musik auf dem Ohr


Um das herauszufinden, haben Samuel Mehr von der Harvard University in Cambridge und seine Kollegen 750 Menschen aus 60 unterschiedlichen Ländern zum Musikhören eingeladen. Dabei spielten sie ihnen Stücke aus allen möglichen Kulturkreisen der Erde vor – darunter lokale Jäger-und-Sammlergesellschaften, Hirtenvölker und indigene Bauerngemeinschaften.


Die Teilnehmer bekamen jeweils nur vierzehn Sekunden lange Ausschnitte der Lieder vorgespielt. Würden sie trotz dieses kurzen Eindrucks und der für ihre Ohren vollkommen fremden Klänge erkennen, welche Funktion das jeweilige Stück in seiner Kultur erfüllte? Ob es ein Schlaflied, ein Liebeslied, ein Stück zum Tanzen oder zum Heilen von Krankheiten oder noch etwas ganz Anderes war?

Grundlegende Gemeinsamkeiten


Insgesamt nutzten die Forscher 26.000 unterschiedliche Musikausschnitte und werteten 150.000 Eindrücke aus. Das Ergebnis: Tatsächlich gelang es den Probanden in der Regel ziemlich gut, vom Gehörten auf die Funktion des Stückes zu schließen – und zwar über alle Kulturen hinweg. Besonders treffsicher waren sie dabei bei Wiegenliedern und Tanzstücken.

Für die Forscher ist das ein Beleg dafür, dass es einen universellen Zusammenhang zwischen der Form und der Funktion von Musik gibt. "Unsere gemeinsame Natur führt offenbar dazu, dass unsere Lieder grundlegenden Mustern folgen, die alle kulturellen Unterschiede überspannen", sagt Mehrs Kollege Manvir Singh.


Wahrhaft universell


"Das legt nahe, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen ganz ähnlich auf bestimmte ästhetische Reize reagieren – sowohl psychisch als auch in ihrem Verhalten", ergänzt der Wissenschaftler. Musik scheine demnach wirklich eine wahrhaft universelle Sprache zu sein.

Um dieses Phänomen weiter zu untersuchen, wollen die Forscher in einem nächsten Schritt nun das gleiche Experiment mit völlig isoliert lebenden Menschen durchführen – Menschen, die noch nie eine andere Musik gehört haben als die ihrer eigenen Kultur. (Current Biology, 2018; doi: 10.1016/j.cub.2017.12.042)
(Cell Press, 26.01.2018 - DAL)
 
Printer IconShare Icon