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Sonntag, 21.01.2018
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Krimi-Fans sind keine besseren Verbrecher

Den berüchtigten "CSI-Effekt" gibt es offenbar nicht

Forensische Serien als Verbrechensschule? Wer regelmäßig TV-Serien wie CSI schaut, wird dadurch wohl doch nicht zwangsläufig zum besseren Kriminellen. Gleich mehrere Untersuchungen widerlegen nun den seit Jahren kursierenden Mythos des sogenannten "CSI-Effekts". Demnach gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum solcher Serien und den Fähigkeiten, ein Verbrechen zu begehen und Spuren am Tatort zu verwischen.
Verdächtige Spuren: Das Schauen von TV-Krimis macht Menschen nicht zu "besseren" Kriminellen.

Verdächtige Spuren: Das Schauen von TV-Krimis macht Menschen nicht zu "besseren" Kriminellen.

"CSI-Effekt" – so wird das Phänomen bezeichnet, wonach forensische TV-Serien wie "CSI" den Zuschauer beeinflussen. Erkenntnisse aus der "Crime Scene Investigation", also der Tatortermittlung im Film, könnten sich demnach im realen Leben niederschlagen. Im schlimmsten Fall, so die Befürchtung, lernen potenzielle Verbrecher, wie sie eine Tat am besten vertuschen.

Es wurden aber auch Bedenken geäußert, dass Mitglieder von US-Schwurgerichten durch die Darstellung im Film überhöhte Erwartungen an die Ermittlungsergebnisse haben könnten und in der Folge die Zahl der Freisprüche steigt. Allerdings: Ob es diesen Effekt tatsächlich gibt, ist bisher nie untersucht worden. "Die Behauptung solcher Zusammenhänge oder Auswirkungen stand jahrelang im Raum, ohne dass es irgendwelche Studien dazu gegeben hätte", sagt Andreas Baranowski von der Universität Mainz.

Spuren verwischen für die Wissenschaft


Der Psychologe und seine Kollegen wollten das ändern und haben nun insgesamt vier Untersuchungen durchgeführt, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Krimi-Fans bessere Verbrecher wären. Dafür schauten sich die Forscher zunächst Statistiken aus den Datenbanken von BKA und FBI an und verglichen die Rate der Verbrechensaufklärung in den Jahren vor dem Start der US-Serie CSI mit jener danach. Dann befragten sie 24 verurteilte Kriminelle in Gefängnissen nach ihrer Meinung zu solchen Serien und danach, ob sie diese für hilfreich erachten, um einer Strafverfolgung zu entgehen.


Experiment zum CSI-Effekt: Dieser Tatort musste von den Probanden gereinigt werden

Experiment zum CSI-Effekt: Dieser Tatort musste von den Probanden gereinigt werden

In einem dritten Schritt ließen sie Zuschauer von CSI-Serien in die Rolle von Kriminellen schlüpfen und bei einem fiktiven Tatort Spuren verwischen. Als Kontrollgruppe dienten Probanden, die im Alltag solche Serien nicht schauen. Einen ähnlichen Test führten die Wissenschaftler mit 120 Studienteilnehmern für ihre vierte Untersuchung durch. Diesmal spielten sie das Verbrechen allerdings mithilfe eines Puppenhauses nach.

Kein Zusammenhang


Sämtliche Ergebnisse zeigten: Zwischen dem Konsum von forensischen Serien und den Fähigkeiten, ein Verbrechen zu begehen, besteht offenbar doch kein Zusammenhang. Vielmehr sind andere Faktoren ausschlaggebend. So schnitten im vierten Versuchsteil beispielsweise Männer besser ab als Frauen, jüngere Teilnehmer besser als ältere und höher gebildete besser als weniger gebildete Probanden. Versuchspersonen aus technischen Berufen schienen bei der Verbrechensvertuschung ebenfalls gewisse Vorteile zu haben.

In Sachen CSI-Effekt gibt es folglich Entwarnung: "Wir können jetzt die Mythen widerlegen, die seit 20 Jahren in den Medien und anderen Schriften kursieren, und mit relativ großer Sicherheit behaupten, dass Leute, die CSI oder vergleichbare Serien schauen, nicht besser darin sind, ihre Spuren zu verwischen, als andere Menschen auch", konstatiert Baranowski. (International Journal of Law, Crime and Justice, 2017; doi: 10.1016/j.ijlcj.2017.10.001)
(Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 03.01.2018 - DAL)
 
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