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Mittwoch, 25.04.2018
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Alaska: Klimawandel verdoppelt Schneefall

Drastische Zunahme durch klimatischen Ferneffekt der globalen Erwärmung

Paradoxer Effekt: Durch den Klimawandel verstärkt sich der Schneefall in Alaska drastisch. In den Bergen des Denali-Massivs hat sich die Schneemenge seit 1840 mehr als verdoppelt - es schneit dort so viel wie nie zuvor in den letzten 1200 Jahren, wie Eisbohrkerne jetzt belegen. Ursache dafür ist eine skurrile Klima- Fernwirkung: Der wärmere tropische Pazifik verstärkt ein Tiefdruckgebiet über den Aleuten – und das bringt im Winter milde feuchte Luft nach Alaska.
Im Denali-Gebiet Alaskas hat sich der Schneefall seit 1840 mehr als verdoppelt – ein nur scheinbar paradoxer Effekt des Klimawandels.

Im Denali-Gebiet Alaskas hat sich der Schneefall seit 1840 mehr als verdoppelt – ein nur scheinbar paradoxer Effekt des Klimawandels.

Egal ob Alpen, Anden oder Himalaya: Für die meisten Bergregionen der Erde bedeutet der Klimawandel weniger Schnee und Eis. Und auch in der Arktis herrscht vielerorts eher Tauwetter als Schneegestöber. Umso paradoxer erscheinen Messdaten, die Wetterstationen entlang der Küste von Alaska in den letzten 60 Jahren ermittelt haben: Sie registrierten seit 1950 eine immer stärkere Zunahme der winterlichen Schneefälle, teilweise um bis zu 65 Prozent.

Eisbohrkerne als Schneefall-Archiv


Wie ist dies zu erklären? Das haben sich auch Erich Osterberg vom Dartmouth College in New Hampshire und seine Kollegen gefragt. Das Problem dabei: Die Zeitreihen der Wetterstationen sind nicht lang genug, um eine natürliche Klimaschwankung auszuschließen. Immerhin gibt es einige wiederkehrende Klimazyklen, die im Laufe einiger Jahrzehnte das Klima Alaskas beeinflussen können.

Um zu klären, ob die Schneefall-Zunahmen ungewöhnlich sind oder nicht, haben die Forscher daher zwei Eisbohrkerne vom Gipfelplateau des Mount Hunter im Denali-Nationalpark als "Klimazeugen" herangezogen. Ihre Eisschichten reichen bis zu 1200 Jahre in die Vergangenheit zurück und verraten ähnlich wie die Jahresringe eines Baumes anhand ihrer Dicke, wie viel Schnee jeweils im Winter und Sommer gefallen ist.


Aus den Eisbohrkernen ermittelte Schneefallmengen im Denaligebiet, der Ausschnitt zeigt die Winterschneefälle (blau) und den Sommerschnee (rot) seit 1867.

Aus den Eisbohrkernen ermittelte Schneefallmengen im Denaligebiet, der Ausschnitt zeigt die Winterschneefälle (blau) und den Sommerschnee (rot) seit 1867.

"Wir waren geschockt!"


Das überraschende Ergebnis: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der winterliche Schneefall im Denali-Gebiet mehr als verdoppelt – er stieg um 117 Prozent. Und selbst im Sommer schneit es um 49 Prozent mehr. "Wir waren geschockt, als wir sahen, wie stark der Schneefall zugenommen hat", berichtet Osterberg. "Wir haben unsere Ergebnisse daraufhin mehrfach überprüft, um ganz sicher zu sein, dass diese Resultate stimmen."

Doch es blieb dabei. Der Schneefall hat nicht nur drastisch zugenommen, dieser Trend verstärkt sich auch immer mehr: "Die Steigerungsraten von 1950 bis 2013 waren die höchsten der gesamten letzten 1.200 Jahre", konstatieren die Forscher. Diese drastische Zunahme gehe weit über natürliche Schwankungen hinaus.

Lokale Erwärmung allein erklärt es nicht


Doch was ist die Ursache? Eine mögliche Erklärung wären die höheren Lufttemperaturen in Alaska: Weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, nehmen Niederschläge durch den Klimawandel zu. Dieser Effekt sorgt für schon jetzt für mehr Starkregen und Superstürme wie Harvey. Pro Grad Erwärmung rechnen Klimaforscher mit rund zwei Prozent mehr Regen oder Schnee weltweit.


Doch Zentralalaska hat sich seit 1950 nur um zwei bis drei Grad erwärmt – das ist viel zu wenig, um die Verdopplung der winterlichen Schneefälle zu erklären, wie die Wissenschaftler betonen. Ihr Verdacht stattdessen: Das für Alaska wetterbestimmende Tiefdruckgebiet über den Aleuten könnte sich verstärkt haben. Denn dieses Tief ist dafür bekannt, milde, feuchte Luft nach Alaska zu leiten – und damit beste Voraussetzungen für ergiebigen Schneefall, aber auch Stürm zu schaffen.

Zwischen den Temperaturen im tropischen Pazifik und der Stärke des Aleuten-Tiefs sowie dem Schneefall im Denali-Gebiet besteht eine enge Verknüpfung.

Zwischen den Temperaturen im tropischen Pazifik und der Stärke des Aleuten-Tiefs sowie dem Schneefall im Denali-Gebiet besteht eine enge Verknüpfung.

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Tropische Fernwirkung


Und tatsächlich: Die Analyse von Wetterdaten ergab, dass das Aleuten-Tief in den letzten gut hundert Jahren stärker geworden ist – und immer dann, wenn dies der Fall war, gab es im Denali-Gebiet einen schneereichen Winter. "Es gab eine signifikante Korrelation zwischen schneereicheren Wintern im Eisbohrkern und einem stärkeren Aleuten-Tief", berichten die Forscher.

Das Spannende daran: Die Ursache für das verstärkte Tief liegt nicht in der Polarregion, sondern tausende Kilometer weiter südlich. "Studien der atmosphärischen Dynamik zeigen, dass eine wärmere Meerestemperatur vor allem im westlichen tropischen Pazifik und im indischen Ozean der plausibelste Weg sind, um das Aleuten-Tief zu verstärken ", erklären Osterberg und seine Kollegen. Und genau eine solche Erwärmung hat es durch den Klimawandel gegeben.

"Doppelschlag des Klimawandels"


Das bedeutet: Die Erwärmung der tropischen Meere verändert nicht nur das Klima vor Ort, sondern beeinflusst sogar den Schneefall in einer so weit entfernten Region wie Alaska. "Damit haben wir einen echten Doppelschlag des Klimawandels", so Osterberg. "Wir Wissenschaftler stellen immer wieder fest, dass der Klimawandel auf der regionalen Ebene voller Überraschungen steckt." (Scientific Reports, 2017; doi: 10.1038/s41598-017-18022-5)
(Dartmouth College, 29.12.2017 - NPO)
 
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