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Montag, 23.04.2018
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Die Physik hinter explodierenden Eiern

Warum gehen in der Mikrowelle erwärmte Eier in die Luft – und ist das schädlich fürs Gehör?

Ach du dickes Ei: Wegen eines kuriosen Vorfalls in einem Restaurant haben sich Forscher nun mit explodierenden Eiern beschäftigt. Demnach besteht durchaus das Risiko, dass gekochte und nochmals in der Mikrowelle erwärmte Eier außerhalb des Küchengeräts in die Luft gehen – und dadurch Restaurantbesucher gefährden. Theoretisch können Betroffene durch den Knall sogar Hörschäden davontragen. Diese Gefahr ist jedoch eher gering, wie die Experimente zeigten.
Gemeingefährlich (?): Explodiertes Ei

Gemeingefährlich (?): Explodiertes Ei

Im Prinzip sind Mikrowellen eine praktische Sache: Mit ihrer Hilfe lassen sich Speisen schnell und unkompliziert erwärmen. Die Küchenhelfer sind daher nicht nur bei Kochmuffeln, sondern auch bei Profis in Restaurants beliebt. Doch es gibt einen Haken: Offenbar kann der Betrieb einer Mikrowelle gemeingefährlich werden – zum Beispiel, wenn das Essen während oder nach dem Erhitzungsvorgang plötzlich explodiert.

So ist es vor einiger Zeit in einem Speiselokal in den USA geschehen: Ein Gast hatte dort ein hartgekochtes Ei serviert bekommen, das zuvor in einer Mikrowelle nochmals erwärmt worden war. Als dieser genussvoll zubeißen wollte, passierte es: Das Ei explodierte in seinem Mund. Der Betroffene gab in einem Rechtsstreit an, durch die Explosion nicht nur Verbrennungen im Mundraum davongetragen zu haben. Auch sein Gehör hatte angeblich gelitten.

Das Mikrowellen-Experiment


Doch kann das wirklich sein? Um den Vorgang zu klären, musste wissenschaftliche Expertise her. Und so wurden die Akustikexperten Anthony Nash und Lauren von Blohn von den Charles M. Salter Associates damit beauftragt zu untersuchen, warum ein hartes, in der Mikrowelle erwärmtes Ei explodiert und welche Folgen das haben kann.


Dafür erhitzten die Wissenschaftler unter streng kontrollierten Bedingungen insgesamt fast hundert hartgekochte, geschälte Eier drei Minuten lang in einem Wasserbad in der Mikrowelle. Dann holten sie die Eier aus dem Wasser, legten sie auf den Boden und piksten mit einem scharfen Gegenstand hinein.

Gefahr für die Ohren?


Das Ergebnis: Nur rund ein Drittel der Eier ging außerhalb der Mikrowelle in die Luft – und hätte somit eine Gefahr für einen hypothetischen Restaurantbesucher darstellen können. Aus 30 Zentimetern Entfernung lag die Lautstärke, die von diesem Vorgang ausging, den Messungen der Forscher zufolge in den Spitzen zwischen 86 und 133 Dezibel.

Zum Vergleich: Die Schmerzschwelle des Gehörs liegt bei rund 130 Dezibel. Wer gern in Diskotheken oder auf Rockkonzerte geht, setzt sich regelmäßig einem Lärmpegel von über 100 Dezibel aus. Zu einem Knalltrauma und damit dauerhaften Hörschäden kann es ab 135 bis 150 Dezibel kommen.


"Wie Eier-Roulette"


Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass das Eidotter nach dem Erhitzungsvorgang jeweils viel heißer war als das umgebende Wasser. Sie vermuten: Womöglich verfestigt sich durch die Mikrowellen die Protein-Matrix des Dotters, sodass darin winzige Wassertaschen eingeschlossen werden. Dieses Wasser erhitze sich schließlich über die normale Kochtemperatur hinaus. Steche oder beiße dann jemand in das Ei hinein, werden die superheißen Taschen zerstört – und es kommt zu einer explosionsartigen Kettenreaktion, so die Theorie.

Vielleicht werden US-amerikanische Mikrowellen-Hersteller angesichts dieser Ergebnisse in ihren Gebrauchsanweisungen künftig nicht nur vor Verbrennungen, sondern auch vor Hörschäden warnen. "Das Risiko, dass ein Ei explodiert und dabei das Gehör von jemandem schädigt, ist allerdings eher gering", betont Nash. "Es ist ein bisschen so wie Eier-Roulette zu spielen". (Acoustical Society of America, 174th Meeting 2017; Abstract: 3aAA1)
(American Institute of Physics, 27.12.2017 - DAL)
 
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