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Dienstag, 20.11.2018
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Russland von Olympia ausgeschlossen - Welche Hintergründe haben die Doping-Vorwürfe?

Olympische Winterspiele

2018 ist es wieder soweit – am 9. Februar starten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Der Austragungsort für die XXIII. Olympischen Winterspiele in Südkorea hatte sich gegen München und Annecy durchgesetzt. Bis zum 25. Februar 2018 treten in Pyeongchang Sportler aus 87 Nationen an. Bis 5. Dezember 2017 waren es noch 88 Länder, die Sportler nach Pyeongchang hätten schicken dürfen. Was ist an diesem Dezember-Dienstag passiert? In einer wahrscheinlich historischen Entscheidung hat sich das IOC (Internationales Olympisches Komitee; Comité International Olympique; International Olympic Committee) unter seinem Präsidenten Thomas Bach zum Ausschluss des russischen NOK (Nationales Olympisches Komitee) entschlossen.

Die Folge: Russische Sportler sind – zumindest unter ihrer Nationalflagge – nicht für die XXIII. Olympischen Winterspiele startberechtigt. Die Entscheidung ist ein Paukenschlag, den russische Medien in den Tagen nach dem Bekanntwerden heftig kritisiert haben. Das IOC schließt russische Sportler allerdings nicht komplett aus. Athleten können unter bestimmten Bedingungen in Pyeongchang an den Start gehen. Voraussetzung ist, dass sie unter neutraler Flagge an den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Was hat zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees geführt? Der Ausschluss eines ganzen Nationalkaders von den Spielen ist in dieser Größenordnung in der Vergangenheit jedenfalls beispiellos.

Welche Hintergründe haben die Doping-Vorwürfe?


Wie konnte es dazu kommen, dass das Olympische Komitee eine Nation von den Winterspielen ausschließt? Die Vorgeschichte zu dieser denkwürdigen Entscheidung reicht mehrere Jahre zurück. Es geht um Doping in einem Ausmaß, dass nicht nur einzelne Sportler erfasst. Stein des Anstoßes waren die Olympischen Winterspiele 2014. Ausgetragen im russischen Sotschi, haben die Erfolge der russischen Sportler die Spiele zu einem Erfolg für Russland werden lassen.
  • 2014 – Erste Dopingvorwürfe werden bekannt
    Ende 2014 tauchten in einem Bericht der ARD erste Hinweise auf groß angelegtes Doping des russischen Kaders im Zusammenhang mit den Winterspielen auf. Nach den Medienberichten wurden seitens der WADA eigene Ermittlungen eingeleitet.

    Im Fokus stand zuerst der russische Leichtathletikverband (ARAF). Aufgrund der bekannt gewordenen Dopingpraktiken wurde der Verband vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF; International Association of Athletics Federations) suspendiert. Dieser Schritt bedeutete den Ausschluss russischer Leichtathleten für die Olympischen Sommerspiele 2016.
  • McLaren-Untersuchungen untermauern Staatsdoping
    Die für den Ausschluss des russischen NOK ausschlaggebenden McLaren-Untersuchungen belegten Manipulationen von Dopingproben, mit denen russische Sportler geschützt werden sollten. Gleichzeitig seien die Maßnahmen von oberster Stelle – dem Sportministerium und dem FSB – gesteuert worden. Vor diesem Hintergrund ist gegenüber Russland der Vorwurf des Staatsdopings laut geworden. Während das IOC im Rahmen der Olympischen Sommerspiele – in den Augen einiger Kritiker – nicht hart genug mit dem NOK umgegangen ist, entschied sich das Internationale Paralympische Komitee auf Basis des 1. McLaren-Reports für den Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft.
  • Ausschluss und aberkannte Weltmeisterschaft
    Der Ausschluss von Athleten bei internationalen Wettkämpfen war bislang nicht die einzige Reaktion auf die bekannt gewordenen Vorwürfe. Basierend auf den McLaren-Untersuchungen hat der Internationale Bob und Skeleton Verband (International Bobsleigh & Skeleton Federation) Russland die Austragung der 62. Bob-Weltmeisterschaft und der Skeleton-Weltmeisterschaft 2017 entzogen und nach Königsee neu vergeben.

    Der Ausschluss des russischen Nationalen Olympischen Komitees ist damit nur das vorläufig letzte Kapital einer Entwicklung, die Ende 2014 ihren Anfang nahm. Athleten aus Russland, die an den Spielen 2018 teilnehmen wollen, müssen sauber sein. Gestartet werden darf nur unter neutraler Flagge und mit neutralen Trikots.

    Für einige Sportler geht es im Zusammenhang mit der Dopingaffäre nicht nur um die Olympiateilnahme. Bisher wurden rund zwei Dutzend lebenslange Sperren für russische Athleten ausgesprochen. Deren Verfahren liegen aktuell beim Obersten Sportgerichtshof (CAS).

Doping ist kein neues Phänomen


Staatsdoping ist keine Erfindung Russlands. In den Jahren nach dem politischen Umbruch in Deutschland und der Wiedervereinigung ist bekannt geworden, wie stark beispielsweise die DDR auf leistungssteigernde Substanzen setzte. Oft sind es aber einzelne Sportler, die sich mithilfe verschiedene Wirkstoffe einen Vorsprung verschaffen wollen. Welche Substanzen eingesetzt werden, unterscheidet sich sehr stark.

Welche Dopingfälle sind in den letzten Jahrzehnten besonders aufgefallen? Teilweise liegen die Vergehen einzelner Sportler bereits Jahre zurück und werden trotzdem aufgedeckt. Ein Beispiel hierfür findet sich einer früheren „Lieblingssportart“ der Deutschen – dem Straßenradsport.
  • Der Fall Lance Armstrong: Der Radprofi aus den USA wurde besonders aufgrund seiner sieben Siege bei der Tour de France und der Tatsache bekannt, dass er diese Erfolge nach seiner Krebstherapie erreichte. Die Erfolge im Straßenradsport wurden bereits früh von ersten Gerüchte um Doping begleitet. Allerdings konnte Lance Armstrong dies auf dem Höhepunkt des Erfolgs nie nachgewiesen. Erst 2010 mehrten sich die Indizien – auch aufgrund von Aussagen aus dem Umfeld des Radprofis. 2012 wurde Lance Armstrong schließlich – rückwirkend ab 1998 – gesperrt. Damit verlor der Athlet auch seine sieben Titel, die er in den Jahren bis 2005 hatte gewinnen können. 2013 gestand Lance Armstrong öffentlich den Einsatz verbotener Substanzen.
  • Johann Mühlegg: Der 1970 in Bayern geborene Ski-Langläufer hat sowohl bei den Junioren als auch bei den Erwachsenen Erfolge im Weltcup und bei Weltmeisterschaften feiern können. Allerdings wurde die sportliche Karriere durch die Spiritualität des Sportlers beeinflusst in deren Folge es sogar zum Bruch mit dem deutschen Verband kam. 2002 startete Mühlegg für Spanien und holte über 30-km-Freistil und 10-km-Verfolgung jeweils Gold. Im 50-km-Lauf siegte der Athlet ebenfalls. Allerdings war eine vorher abgegebene Probe positiv – was letztlich zur Sperre und Aberkennung der Medaillen führen sollte.
  • Tom Simpson: Der Brite Tom Simpson ist im Zusammenhang mit Doping ein spektakulärer wie dramatischer Fall – weil der Sportler die Einnahme der Substanzen nicht überlebt hat. Tom Simpson war Radfahrer und nahm 1967 an der Tour de France teil. Besonders bekannt ist die Affäre aufgrund der Tatsache geworden, dass Simpson beim Aufstieg auf den Mont Ventoux am 13. Juli 1967 kollabierte und noch auf der Strecke verstarb. Später konnten im Blut des Radsportlers sowohl Alkohol als auch Aufputschmittel nachgewiesen werden.
  • Der Festina-Skandal: 1998 legte sich schlagartig ein Schatten auf den Radsport. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Dopingskandals war die Mannschaft Festina. Nachdem bei Betreuer Willy Voet Dopingsubstanzen gefunden wurden, kam es zu Razzien. Unter anderem Richard Virenque und Alex Zülle wurde im Zuge des Skandals Doping vorgeworfen. Neben Festina wurde im Zuge des Dopingskandals auch die Mannschaft TVM-Farm Frites von der Tour de France 1998 ausgeschlossen.


Der Radsport wurde in der Vergangenheit schon häufiger von Doping-Skandalen heimgesucht – dies hat dem Ruf der Sportart geschadet.

Der Radsport wurde in der Vergangenheit schon häufiger von Doping-Skandalen heimgesucht – dies hat dem Ruf der Sportart geschadet.

Wie wird versucht, gegen Doping vorzugehen?


Doping ist ein Phänomen, das sich nicht auf einzelne Sportarten beschränkt. Prädestiniert sind zwar Ausdauersportler, ein Nachhelfen mithilfe verbotener Substanzen wird auch in anderen Sportarten – auch im Reitsport – immer wieder nachgewiesen.

Maßnahmen gegen Doping umfassen in erster Linie umfangreiche Tests, denen sich Sportler unterziehen müssen. Analysiert werden neben Urinproben auch Blutproben. Hierdurch lassen sich beispielsweise Dopingverfahren nachweisen, welche mit Eigenblut durchgeführt werden. In den letzten Jahren gewinnen in einigen Sportarten allerdings auch technische Manipulationen an Bedeutung.

Sogenanntes Motor-Doping beruht darauf, dass in den Rahmen von Fahrrädern Hilfsmotoren eingebaut werden. Mit deren Hilfe steht dem Fahrer im entscheidenden Moment mehr „Kraft“ zur Verfügung – um sich gegen die Konkurrenz einen Vorteil zu verschaffen.

Fazit: Doping bleibt ein Problem im Sport


Der Ausschluss des russischen Verbands bei den Winterspielen ist ein Paukenschlag in der gesamten Sportwelt. Einigen Experten geht dies jedoch noch nicht weit genug. Auch wenn der Ausschluss als richtiges Signal zu verstehen ist – einzelne Sportler wird es nicht davon abhalten, sich auch künftig einen Vorteil zu verschaffen. Strafen sind am Ende nur eine Maßnahme gegen Doping. Wirkungsvoll gegen diese „Hilfsmittel“ wird sich auf lange Sicht nur vorgehen lassen, wenn die Anreize hierzu wegfallen. Solange Sportler durch Doping auf hohe finanzielle Anreize hoffen können, wird auch die verbotene Leistungssteigerung ein Problem bleiben. Es ist abzuwarten, ob sich das gesamte System auf Dauer einer nachhaltigen Änderung unterziehen kann oder ob weiterhin nur Symptome kuriert werden.
(Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Autor Daniel Theiss., 14.12.2017 - )
 
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