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Sonntag, 23.09.2018
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Zecken saugten tatsächlich Dinoblut

An Dinosaurier-Feder geklammertes Zeckenfossil belegt urzeitlichen Parasitismus

Auf frischer Tat ertappt: Urzeitliche Zecken saugten tatsächlich schon das Blut der Dinosaurier – das belegen nun gleich mehrere Funde in 99 Millionen Jahre altem Bernstein. In einem Klumpen entdeckten Paläontologen eine Zecke, die noch im Tod an die Feder eines gefiederten Dinosauriers geklammert war. In weiteren Bernsteinstück fanden sie eine mit Blut vollgesogene Zecke sowie zwei mit den Haaren eines Nestparasiten eingeschlossene Exemplare.
Im Bernstein konserviert: Diese 99 Millionen Jahre alte Zecke klammert sich noch im Tode an die Feder eines Dinosauriers.

Im Bernstein konserviert: Diese 99 Millionen Jahre alte Zecke klammert sich noch im Tode an die Feder eines Dinosauriers.

Bernstein ist wie eine Zeitkapsel, denn das urzeitliche Baumharz konserviert in ihm eingeschlossene Tiere oder Pflanzen über Jahrmillionen hinweg. Besonders spannende Einblicke in die Lebenswelt der Vergangenheit liefert der Bernstein unter anderem dann, wenn er Parasiten wie beispielsweise mit Blut vollgesogene Stechmücken oder Zecken konserviert. Aus solchen extrem seltenen Funden weiß man, dass es schon vor rund 100 Millionen Jahren Zecken gab – zur Zeit der Dinosaurier.

Mit der Dinofeder in den Tod


Doch ob die Zecken damals tatsächlich das Blut von Dinosauriern saugten, blieb bisher unklar – es fehlte an eindeutigen Beweisen. Jetzt aber haben Enrique Peñalver vom Institut für Geologie und Mineralien Spaniens (IGME) in Madrid und seine Kollegen erstmals einen eindeutigen Beweis dafür gefunden, dass die kreidezeitlichen Zecken gefiederte Dinosaurier als Wirte nutzten.

Der Fund besteht aus einem 99 Millionen Jahre alten Stück Bernstein, in dem eine urzeitliche Schildzecke eingeschlossen ist. Diese der Art Cornupalpatum burmanicum zugeordnete Zecke klammert sich noch im Tod mit einem ihrer Beine an eine Feder. Das Spannende daran: Aus der Form und Struktur dieser Feder schließen die Forscher, dass sie von einem gefiederten Raubsaurier stammen muss.


In gleich mehrern Bernsteinklumpen haben die Forscher kreidezeitliche Zecken entdeckt.

In gleich mehrern Bernsteinklumpen haben die Forscher kreidezeitliche Zecken entdeckt.

Gefiederte Raubsaurier als Wirt


"Wir können zwar nicht genau sagen, welche Art von Dinosauriern diese Zecke als Wirt hatte, aber das Alter des Bernsteins bestätigt uns, dass diese Feder keinem modernen Vogel gehörte", sagt Koautor Ricardo Pérez-de la Fuente von der Oxford University. Er und seine Kollegen vermuten, dass diese Feder einem Theropoden gehörte. Diese Gruppe von Dinosauriern umfasste in der Kreidezeit sowohl flugunfähige gefiederte Raubsaurier als auch vogelähnliche Arten, die schon fliegen konnten.

Aus der Position von Feder und Zecken im Bernstein schließen die Paläontologen, dass der Blutsauger damals mitsamt Feder von seinem Wirtstier heruntergefallen sein muss. Deshalb sehen sie darin einen ersten direkten Beleg dafür, dass urzeitliche Zecken bereits Dinosaurier parasitierten und ihre Blut saugten.

"Dracula"-Zecken mit Mitbewohnern


Und es gibt sogar noch mehr Belege: In Bernsteinstücken aus der gleichen Zeit haben die Forscher mehrere Exemplare einer weiteren, zuvor unbekannten Zeckenart entdeckt. Sie tauften sie Deinocroton draculi – "Draculas Schreckenszecke". Das Spannende daran: Zwei dieser Zecken wurden gemeinsam mit den Borsten eines Speckkäfers im Baumharz eingeschlossen – und damit einem typischen Mitbewohner von Vogel- und Federdinosaurier-Nestern.


Zwei gemeinsam in einem Bernstein konservierte Zecken der Art Deinocroton draculi

Zwei gemeinsam in einem Bernstein konservierte Zecken der Art Deinocroton draculi

Die Larven dieser Käfer ernähren sich von Federn, Hautschuppen und anderen organischen Resten, die von den Nestbewohnern abfallen. "Das ungewöhnliche Auftreten von gleich zwei verschiedenen Ektoparasiten in einem Bernsteinstück lässt sich am ehesten dadurch erklären, dass auch die Zeckenart in den Nestern ihrer Wirte lebte", sagen die Forscher. Dort hatte der Blutsauger leichten Zugang zu den Jungtieren der gefiederten Dinosaurier und ihren Eltern.

Mitsamt Blutmahlzeit konserviert


Spannend auch: In einem Bernsteinstück haben die Forscher sogar eine vollgesogene Deinocroton-Zecke entdeckt. Der Hinterleib des Blutsaugers ist durch seine letzte Blutmahlzeit um das Achtfache angeschwollen. "Leider ist es nicht möglich, die Zusammensetzung des Blutes im Inneren dieser Zecke zu bestimmen", erklärt Xavier Declos von der Universität Barcelona. "Denn die Zecke war nicht vollständig vom Bernstein umschlossen." Ob es sich um Dinosaurierblut handelt, bleibt daher offen.

Dennoch: Zusammengenommen sind diese fossilen Zecken der erste klare Beweis dafür, dass die Blutsauger der Kreidezeit gefiederte Dinosaurier unter ihren Wirten hatten. "Diese Funde belegen, dass die parasitische Beziehung, die heute Zecken und Vögel verbindet, auch schon bei den Vorfahren dieser Tiergruppen existierte ", konstatieren die Wissenschaftler. "Diese Parasit-Wirtsbeziehung besteht schon seit mindestens 99 Millionen Jahren."

Mit ihren Wirten ausgestorben


Während jedoch die Schildzecken bis in die heutige Zeit überlebten – unter anderem in Form des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus), starb die Stammeslinie der Deinocroton-Zecken mit dem Ende der Kreidezeit aus. "Möglicherweise waren diese Zecken stark auf ihre jeweiligen Wirte spezialisiert und verschwanden deshalb zusammen mit den gefiederten Dinosauriern", mutmaßen Peñalver und seine Kollegen. (Nature Communications, 2017; doi: 10.1038/s41467-017-01550-z)
(University of Oxford, 13.12.2017 - NPO)
 
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