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Donnerstag, 14.12.2017
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Amazonas-Bäume als Methanschleudern

Pflanzen in Überschwemmungsgebieten setzen so viel Klimagas frei wie alle Ozeane der Erde

Unterschätzte Emissionsquelle: Die in den Überschwemmungsgebieten des Amazonas wachsenden Bäume setzen mehr von dem Treibhausgas Methan frei als gedacht. Mit rund 20 Millionen Tonnen jährlich entspricht die Menge dem Methanausstoß aller Ozeane der Welt zusammen. Überraschend auch: Die Stämme der Pflanzen fungieren als eine Art Schornstein, der das im Boden produzierte Klimagas in die Atmosphäre befördert. Ein Grund, die Bäume zu verdammen, sei das aber nicht, wie die Forscher betonen.
Der Regenwald in der Amazonasregion steht in einigen Gebieten das ganze Jahr über meterhoch unter Wasser.

Der Regenwald in der Amazonasregion steht in einigen Gebieten das ganze Jahr über meterhoch unter Wasser.

Methan ist bekanntermaßen ein potentes Treibhausgas: Seine Treibhauswirkung ist rund 30-mal so hoch wie die von Kohlendioxid. Das Klimagas entsteht bei der Erdgasgewinnung, beim Reisanbau und bei der Viehzucht. Doch neben dem Methan-Ausstoß aus menschlichen Aktivitäten gibt es auch natürliche Quellen - darunter Feuchtgebiete und Sümpfe.

Hier entsteht das Gas, wenn kleine Mikroorganismen im Boden organisches Material unter Ausschluss von Sauerstoff zersetzen - und wird dann nach und nach über die Wasseroberfläche freigesetzt. Im großen Stil passiert dies zum Beispiel in den weitläufigen Überschwemmungsgebieten rund um den Amazonas in Südamerika. Doch wie viel Methan wird dadurch genau in die Atmosphäre gepufft?

Rätselhafte Diskrepanz


Auf diese Frage gab es bisher nur widersprüchliche Antworten: "Das was Satellitenaufnahmen und Modellberechnungen nahelegten, passte nicht mit den tatsächlich gemessenen Emissionen über der Wasseroberfläche zusammen", berichten Sunitha Pangala von der Open University in Milton Keynes und ihre Kollegen.


Auf der Suche nach des Rätsels Lösung kam den Wissenschaftlern eine Idee: Könnte es sein, dass das Klimagas nicht nur direkt über das Wasser entweicht - sondern womöglich auch in großen Mengen von den darin wachsenden Bäumen freigesetzt wird? Um diese Hypothese zu überprüfen, dokumentierten sie bei mehr als 2.300 Bäumen an dreizehn quer über das Amazonasbecken verteilten Stellen die über die Baumstämme freiwerdenden Gasemissionen.

Unterschätzte Quelle


Die Ergebnisse zeigen: Offenbar sind die Bäume als Quelle des Methan-Ausstoßes bislang drastisch unterschätzt worden. Aufgrund ihrer Messungen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die in den Überschwemmungsgebieten rund um den Amazonas wachsenden Bäume jedes Jahr zwischen 15,1 und 21,2 Millionen Tonnen Methan emittieren - so viel wie alle Ozeane der Erde zusammen. Der Methan-Ausstoß der Weltmeere liegt bei rund 18 Millionen Tonnen.

Wie das Team berichtet, fungieren die Pflanzen dabei als eine Art Schornstein, der das im Boden produzierte Treibhausgas in die Atmosphäre befördert. Dank dieser Schornstein-Funktion seien die Bäume die dominierende Methanquelle in der Region. "Unsere Ergebnisse offenbaren die große Bedeutung der Stammoberfläche für die Freisetzung von Klimagas in den Feuchtgebieten des Amazonas", schreiben Pangala und ihre Kollegen.

"Natürlicher Prozess"


Menschliche Aktivitäten wie der Bau von Dämmen könnten dieses Phänomen in Zukunft weiter verstärken. Denn je höher der Wasserstand, desto besser sind die Bedingungen für die anaerobe Methanproduktion. Trotzdem betonen die Wissenschaftler: Die Amazonas-Bäume seien nicht die Quelle des Treibhausgases, über die wir uns Sorgen machen sollten. "Wir wollen damit nicht sagen, dass die Bäume schlecht für die Umwelt sind. Das ist ein natürlicher Prozess, so funktionieren Wälder einfach", konstatieren sie.

"Die über die Amazonas-Bäume freiwerdenden Emissionen sind noch immer nur halb so hoch wie jene aus menschlichen Aktivitäten. Dazu gehören etwa Emissionen aus der Abfallwirtschaft, der Fleischindustrie und der fossilen Brennstoffgewinnung. Es sind diese Emissionen, die wir reduzieren müssen", schließt das Team. (Nature, 2017; doi: 10.1038/nature24639)
(Open University, 06.12.2017 - DAL)
 
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