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Donnerstag, 14.12.2017
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Zuckerindustrie manipulierte Forschung

Branche hielt jahrzehntelang Studienergebnisse zu negativen Gesundheitsfolgen zurück

Gezielte Manipulation: Die amerikanische Zuckerindustrie hat offenbar jahrzehntelang unbequeme Studienergebnisse unter Verschluss gehalten. Eine Auswertung interner Dokumente zeigt: Eine in den 1960er Jahren von der Branche selbst geförderte Untersuchung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Haushaltszucker wurde gestoppt, als erste Resultate einen Zusammenhang mit Herzleiden und Tumorerkrankungen nahelegten. Die Ergebnisse sind bis heute nicht veröffentlicht worden.
Zuviel Zucker ist ungesund - doch die Zuckerlobby will uns etwas anderes weismachen.

Zuviel Zucker ist ungesund - doch die Zuckerlobby will uns etwas anderes weismachen.

Zucker schmeckt allen - egal ob in Getränken, Fast Food oder Süßigkeiten. Doch der süße Stoff ist alles andere als gesund. Zuviel davon erhöht das Risiko für Karies, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um die Gesundheitskassen vor den Folgekosten zu bewahren, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Regierungen daher schon lange, spezielle Steuern auf zuckerhaltige Produkte zu erheben. Und tatsächlich führen immer mehr Länder und Städte zum Beispiel Lenkungssteuern auf Limonaden ein oder beschränken zulässige Bechergrößen.

Der Zuckerindustrie gefällt das zunehmend schlechte Image des Süßungsmittels naturgemäß gar nicht. Sie wehrt sich vehement gegen das "Zucker-Bashing" und versucht, den süßen Stoff in ein positives Licht zu rücken. Dabei geht die Branche offenbar seit Jahrzehnten wiederholt mit mehr als fragwürdigen Methoden zu Werk, wie eine Untersuchung von Wissenschaftlern um Cristin Kearns von der University of California in San Francisco nun eindrücklich belegt.

Unerwünschte Studienergebnisse


Die Forscher haben interne Dokumente der US-amerikanischen Zuckerindustrie ausgewertet und festgestellt: Die Branche hat jahrzehntelang Studienergebnisse zurückgehalten, die übermäßigen Zuckerkonsum in Verbindung mit Herzleiden und Tumorerkrankungen bringen. Alles begann mit einer Untersuchung mit dem geheimnisvollen Namen "Projekt 259".


Die amerikanische Stiftung für Zuckerforschung, aus der später der amerikanische Verband der Zuckerindustrie hervorging, hatte dieses Projekt 1968 ins Leben gerufen, um an Ratten die Effekte von Haushaltszucker und Stärke auf die Herzgesundheit und den Stoffwechsel zu untersuchen. Doch was die von der Stiftung geförderten Wissenschaftler herausfanden, passte der Branche offenbar nicht.

Nie veröffentlicht


"Die vorläufigen Ergebnisse legten nahe, dass sich Saccharose anders auf den Stoffwechsel auswirkte als Stärke", sagt Kearns. Demnach schien der Zucker die Fettwerte im Blut negativ zu beeinflussen und auf diese Weise Herzerkrankungen zu fördern. "Außerdem stellte sich heraus, dass Saccharose auch bei der Entstehung von Blasenkrebs eine Rolle spielen könnte", berichtet die Forscherin.

In internen Dokumenten beschrieb die Stiftung die Ergebnisse im September 1969 als "einen der ersten Belege für einen biologischen Unterschied zwischen mit Saccharose und Stärke ernährten Ratten". Doch die Öffentlichkeit sollte davon nichts mitbekommen - und so strich die Stiftung kurz vor Vollendung des Projekts die weiteren Forschungsgelder. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler wurden zudem nie veröffentlicht.

Nicht die erste Manipulation


Wie Kearns und ihre Kollegen betonen, gab es in den 1960er Jahren eine heftige wissenschaftliche Debatte darüber, ob der Industriezucker sogenannte Triglyceride im Blut stärker ansteigen lässt als Mehrfachzucker wie Stärke. "Projekt 259" hätte diese These untermauern und auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zu dem Diskurs liefern können.

Doch die Zuckerstiftung wusste das zu verhindern - und manipulierte die öffentliche Meinungsbildung damit nicht zum ersten Mal. So fanden die Forscher um Kearns bei früheren Untersuchungen bereits heraus, dass die Stiftung schon im Jahr 1967 einen Übersichtsartikel in Auftrag gab, der nur ein Ziel hatte: Den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und tödlichen Herzerkrankungen herunterzuspielen.

"Vorgehen wie die Tabakindustrie"


An dem fragwürdigen Vorgehen der US- Zuckerindustrie hat sich bis heute nichts geändert. Erst im vergangenen Jahr kritisierte der Verband der Branche eine Mausstudie, die einen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Tumorwachstum herstellte, als unglaubwürdig. Dabei weiß der Verband seit mindestens 50 Jahren von einem ebensolchen Zusammenhang. Schließlich kam die damals von der Branche selbst geförderte und dann zurückgehaltene Untersuchung zu einem ganz ähnlichen Ergebnis.

"Diese Form der Manipulation ist vergleichbar mit dem, was die Tabakindustrie macht", sagt Mitautor Stanton Glantz. Die aktuellen Ergebnisse zeigten einmal mehr, dass von der Zuckerindustrie geförderte Studien keine verlässlichen Quellen seien. "Unsere Untersuchung liefert einen weiteren Beleg von vielen für die Beeinflussung der Wissenschaft durch die Industrie", schließt das Team. (PLOS Biology, 2017; doi: 10.1371/journal.pbio.2003460)
(PLOS, 22.11.2017 - DAL)
 
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