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Donnerstag, 14.12.2017
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Neue Schätze aus Tutanchamuns Grab

Verzierte Goldbleche offenbaren überraschende Verbindung nach Vorderasien

Beigabe mit fremden Motiven: Archäologen haben bisher unbekannte Schätze aus dem Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun untersucht. Mehr als 90 Jahre nach ihrer Entdeckung setzten sie unzählige in einer Kiste gelagerte Fragmente zu 100 annähernd vollständigen Goldblechen zusammen. Das Interessante: Die dekorativen Beschläge weisen Motive aus dem Vorderen Orient auf ‒ Darstellungen, die der ägyptischen Kunst eigentlich fremd sind.
Goldblech mit Tierkampfmotiv nach vorder-asiatischen Vorbildern

Goldblech mit Tierkampfmotiv nach vorder-asiatischen Vorbildern

Seit sein Grab 1922 nahezu unberührt gefunden wurde, ist Tutanchamun der berühmteste Pharao der ägyptischen Antike. Vor allem die eindrucksvollen Grabbeigaben ‒ darunter eine goldene Totenmaske, Alabaster-Vasen und ein Dolch aus Meteoriten-Metall ‒ sorgen bis heute für Faszination. Manche Funde aus der letzten Ruhestätte des Kinderpharaos hat die Öffentlichkeit bisher jedoch noch gar nicht zu Gesicht bekommen.

Ein Archäologenteam um Peter Pfälzner von der Universität Tübingen hat sich nun einem solchen bisher unbekannten Schatz gewidmet: Die Wissenschaftler untersuchten zum ersten Mal verzierte Goldblechbeschläge aus Tutanchamuns Grab. Diese hatten sich bisher im Magazin des Ägyptischen Museums in Kairo befunden, aufbewahrt noch in derselben Kiste, in der sie ihr Entdecker Howard Carter vor über 90 Jahren verstaut hatte.

Nach dem spektakulären Fund von Howard Carter wurden die Goldbleche in dieser Kiste verstaut und 2013 erstmals untersucht.

Nach dem spektakulären Fund von Howard Carter wurden die Goldbleche in dieser Kiste verstaut und 2013 erstmals untersucht.

Orientalisch beeinflusste Motive


Die Funde wurden damals in unrestauriertem Zustand fotografiert und danach nie wieder ausgepackt ‒ bis sie den deutschen Forschern in die Hände fielen. Sie setzten aus den goldenen Fragmenten in der Kiste in jahrelanger Kleinarbeit 100 annährend vollständige Goldbleche zusammen: Vermutlich handelt es sich um dekorative Beschläge von Bogenkästen, Köchern und Zaumzeug.


Für eine besondere Überraschung sorgten die Motive auf den Blechen. Denn neben ägyptischen Darstellungen entdeckten die Archäologen auch orientalisch beeinflusste Motive. Dazu zählen zum Beispiel Darstellungen von Tierkämpfen und Ziegen am Lebensbaum, die der ägyptischen Kunst eigentlich fremd sind. Sie müssen aus dem Vorderen Orient nach Ägypten gekommen sein.

Fragmente aus dem Grabfund: Am Ende konnten 100 vollständige Goldbleche zusammengesetzt werden.

Fragmente aus dem Grabfund: Am Ende konnten 100 vollständige Goldbleche zusammengesetzt werden.

Importiert oder inspiriert?


"Vermutlich gelangten diese Motive, die einstmals in Mesopotamien entwickelt wurden, über Syrien in den Mittelmeerraum und nach Ägypten", erklärt Pfälzner. "Dies zeigt erneut die große Rolle, die das alte Syrien für die Kulturvermittlung in der Bronzezeit spielte." Wie das Team berichtet, wurden ähnliche Goldbleche mit thematisch vergleichbaren Darstellungen interessanter Weise in der Gruft der syrischen Königsstadt Qatna gefunden. Das Grab stammt aus der Zeit um 1340 vor Christus und ist damit nur wenig älter als das Grab des Tutanchamun.

Unklar ist, woher die Bleche mit den fremden Motiven stammen: "Chemische Analysen ergaben, dass die Goldbleche mit ägyptischen Motiven und die mit fremden Motiven aus unterschiedlich zusammengesetztem Goldmaterial hergestellt wurden. Dies muss allerdings nicht bedeuten, dass die Stücke importiert wurden", sagt Pfälzner. Genauso gut könnten demnach auch unterschiedliche lokale Werkstätten für die Produktion in verschiedenen Stilen verantwortlich gewesen sein ‒ und eine der Werkstätten orientierte sich offensichtlich an vorderasiatischen Vorbildern.

Mit der Arbeit der Wissenschaftler ist die Aufarbeitung der Objekte aus Ägyptens berühmtestem Grabfund nun abgeschlossen ‒ fast 100 Jahre nach seiner Entdeckung. Die Goldbleche sollen künftig im neuen Grand Egyptian Museum nahe den Pyramiden von Gizeh gezeigt werden.
(Universität Tübingen, 20.11.2017 - DAL)
 
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