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Samstag, 25.11.2017
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Rhein: Renaturierung bringt Artenvielfalt zurück

Langzeitstudie dokumentiert Erfolg von Projekt in den Niederlanden

Die Natur ist zurück: Der niederländische Teil des Rheins ist in den vergangenen Jahren umfassend renaturiert worden. Ein erfolgreiches Projekt, wie nun eine Studie zeigt: Demnach ist seit der 1995 begonnenen Renaturierung nicht nur das Hochwasser-Risiko deutlich zurückgegangen. Auch viele Tier- und Pflanzenarten sind wieder da - ein Gewinn für Mensch und Natur, der den Forschern zufolge auch andernorts dringend nötig ist.
Lange Zeit war der Rhein in den Niederlanden von Industrie geprägt - jetzt kehrt die Natur zurück.

Lange Zeit war der Rhein in den Niederlanden von Industrie geprägt - jetzt kehrt die Natur zurück.

Als bedeutende Wasserstraße wurde der Rhein in der Vergangenheit immer wieder begradigt und in ein enges Bett gezwängt. Dadurch hat sich die Fließgeschwindigkeit stark erhöht und die an den Strom angrenzenden Auenlandschaften sind nach und nach trocken gefallen - mit schwerwiegenden Folgen für Mensch und Natur.

Denn die abwechslungsreichen Landschaften entlang des Rheins boten einst eine große Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume und beheimateten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Diese Biodiversität ist durch die Begradigungen massiv zurückgegangen. Hinzu kommt, dass die Auen normalerweise als natürliche Überflutungsflächen von Flüssen fungieren. Eingepfercht in ein künstliches Bett kann das Wasser dagegen nicht mehr dorthin ausweichen. Dadurch steigt das Risiko für Hochwasser-Katastrophen.

Überschwemmte Auenwälder bieten unter anderem Bibern und laichenden Fischen einen optimalen Lebensraum.

Überschwemmte Auenwälder bieten unter anderem Bibern und laichenden Fischen einen optimalen Lebensraum.

Zurück zur natürlichen Form


Inzwischen hat in manchen Regionen daher ein Umdenken stattgefunden: Kostspielige Renaturierungsmaßnahmen sollen dem Rhein seine natürliche Form zurückgeben. Während es in Deutschland bisher lediglich einige wenige begrenzte Projekte dieser Art gibt, ist der Strom in seinem Mündungsland, den Niederlanden, seit 1995 bereits im großen Stil renaturiert worden. Zuvor hatten zwei verheerende Rhein-Hochwasser einen Notstand an Nederrijn, Waal und IJssel ausgelöst.


Dass sich dieses Projekt gelohnt hat, zeigt nun eine Langzeitstudie von niederländischen Forschern. Menno Straatsma von der Universität Utrecht und seine Kollegen haben nicht nur untersucht, wie sich das Hochwasser-Risiko in den vergangenen Jahren verändert hat. Mithilfe von Daten aus der Nationalen Datenbank für Flora und Fauna analysierten sie auch, ob sich die Artenvielfalt entlang des renaturierten Rheins zwischen 1993 und 2014 gewandelt hat. Dafür werteten sie rund zwei Millionen dokumentierte Sichtungen verschiedener Spezies aus.

Ein Storch und ein Reiher nutzen die Landschaft rund um einen der neu entstandenden kleinen Seitenarme des ehemals begradigten Stroms.

Ein Storch und ein Reiher nutzen die Landschaft rund um einen der neu entstandenden kleinen Seitenarme des ehemals begradigten Stroms.

Tiere und Pflanzen kommen zurück


Das Ergebnis stimmt hoffnungsvoll: Denn das vorrangige Ziel des Projekts, die Gefahr von Hochwassern zu minimieren, konnte durch die Renaturierung erreicht werden. Gleichzeitig kamen aber auch viele Tiere und Pflanzen zurück. So ist in 137 von 179 untersuchten Auengebieten, die nun wieder ihre Funktion als natürliche Überschwemmungsflächen erfüllen, die Biodiversität seit der Renaturierung merklich gestiegen. Am größten war dabei der Zuwachs von Vögeln und Säugetieren, wie die Wissenschaftler berichten.

"Unsere Untersuchung zeigt, dass kostenintensive Fluss-Renaturierungsprojekte in mehrfacher Hinsicht Nutzen bringen", schreibt das Team. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Damit sich die Tier- und Pflanzenwelt der Auen vollständig erholt, reicht die Wiederherstellung der Lebensräume in diesen Gebieten den Forschern zufolge allein nicht aus. Denn viele Spezies seien sowohl innerhalb als auch außerhalb der Auenlandschaften weiterhin zahlreichen Stressoren ausgesetzt - zum Beispiel durch Luftverschmutzung und den Klimawandel.

Bitte nachmachen!


Angesichts der besorgniserregenden Zustände vieler Flussdeltas und Auen weltweit plädieren Straatsma und seine Kollegen nun dafür, Projekte wie das in den Niederlanden auch andernorts rasch umzusetzen und so dem Rückgang von geschützten und bedrohten Arten entgegenzutreten: "Renaturierungsmaßnahmen haben ein großes Potenzial, neue Lebensräume für gefährdete Tierarten zu schaffen und die Artenvielfalt allgemein zu erhöhen", schließen sie. (Science Advances, 2017; doi: 10.1126/sciadv.1602762)
(Science Advances, 09.11.2017 - DAL)
 
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