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Samstag, 25.11.2017
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Schadet Perchlorat dem ungeborenen Kind?

Auf die Schilddrüse wirkende Umweltchemikalie stört den Hormonhaushalt werdender Mütter

Gehemmte Schilddrüsenfunktion: Über kontaminierte Lebensmittel kann das auf die Schilddrüse wirkende Perchlorat in unseren Körper gelangen. Eine Studie bei schwangeren Frauen aus England zeigt nun: Je größer die alltägliche Belastung mit der Chemikalie ist, desto weniger des Schilddrüsenhormons T4 produzieren die werdenden Mütter. Ausgerechnet dieses Hormon ist jedoch für eine normale Hirnentwicklung des Kindes von großer Bedeutung.
Produziert die Mutter zu wenig des Schilddrüsenhormons T4, wirkt sich das möglicherweise negativ auf die geistige Entwicklung des Fötus aus.

Produziert die Mutter zu wenig des Schilddrüsenhormons T4, wirkt sich das möglicherweise negativ auf die geistige Entwicklung des Fötus aus.

Perchlorat ist ein Stoff, der entsteht, wenn UV-Licht auf chlorhaltige Verbindungen in der Atmosphäre trifft. Über den Regen und absinkenden Staub gelangt die Chemikalie dann unter anderem in Gewässer. In Wüstenregionen wie Chile reichert sich Perchlorat zudem durch Staub im Boden an. Dann findet sich dieser Stoff beispielsweise als Verunreinigung in Chilesalpeter, einem für die Düngemittel-Herstellung abgebauten Material. Doch auch der Mensch stellt Perchlorat her - zum Beispiel zur Verwendung in Industriechemikalien, Arzneimitteln und Feuerwerkskörpern.

Das Problem: Über Düngemittel oder kontaminiertes Wasser, das zur Bewässerung genutzt wird, kann die Chemikalie auch in Pflanzen und damit in Lebensmittel übergehen. Über Obst und Gemüse gelangt das Perchlorat dann in unseren Körper. Dort kann es in höheren Mengen die Iod-Aufnahme hemmen und dadurch den Stoffwechsel der Schilddrüse beeinträchtigen.

Wichtig für die geistige Entwicklung


Für werdende Mütter könnte eine solche Belastung besonders bedenklich sein. Denn Schilddrüsenhormone wie das Tetrajodthyronin (T4) beeinflussen nicht nur die Gesundheit der Frauen - sondern auch die Entwicklung des ungeborenen Kindes. So ist T4 etwa für die Hirnentwicklung des Fötus von großer Bedeutung. Die Befürchtung: Durch Perchlorat könnten die Schwangeren weniger von diesem Hormon produzieren und das Baby dadurch womöglich geistige Defizite davontragen.


Ob die Mengen an Perchlorat, denen werdende Mütter im Alltag ausgesetzt sind, sich bereits merklich auf ihren Hormonhaushalt auswirken, war bislang jedoch unklar. Wissenschaftler um Bridget Knight von der University of Exeter haben das nun exemplarisch bei 308 gesunden, schwangeren Frauen aus dem Südwesten Englands untersucht. Zu diesem Zweck analysierten sie Urin- und Blutproben der Probandinnen.

Hormonspiegel sinkt


Tatsächlich zeigte sich ein deutlicher Effekt: Je mehr Perchlorat die Forscher im Urin der werdenden Mütter fanden, desto niedriger war die Konzentration des Schilddrüsenhormons T4 in ihrem Blut. Demnach scheint der Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln, Wasser und Co den Hormonhaushalt spürbar beeinflussen zu können.

"Unsere Studie bestätigt, dass viele Menschen der Umweltchemikalie Perchlorat jeden Tag ausgesetzt sind - mit möglicherweise schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen", sagt Knights Kollege Bijay Vaidya. Zwar müssten die Ergebnisse durch weitere Untersuchungen untermauert werden. Trotzdem sollten die Bevölkerung und insbesondere anfällige Gruppen wie Schwangere besser vor dem Kontakt mit Perchlorat geschützt werden, wie das Team betont.

Weitere Forschung nötig


"Gerade in der Schwangerschaft ist ein optimaler Hormonhausalt wichtig, um eine normale Entwicklung des Fötus sicherzustellen und spätere negative Auswirkungen für die Kinder zu vermeiden", sagt Vaidya. Hinzu komme: Wie sich der Perchlorat-Kontakt darüber hinaus auf gesunde, nicht schwangere Menschen auswirke, sei noch völlig unklar und müsse dringend erforscht werden, schließt das Team. (Society for Endocrinology Annual Conference, 2017)
(Society for Endocrinology, 07.11.2017 - DAL)
 
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