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Samstag, 25.11.2017
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Glyphosat: Fällt heute die Entscheidung?

EU soll heute über die weitere Zulassung des umstrittenen Pestizids abstimmen

Darf das Herbizid Glyphosat in der EU weiter gespritzt werden? Die Entscheidung darüber könnte heute fallen. Denn im EU-Expertenausschuss soll darüber abgestimmt werden, ob die Zulassung für Glyphosat verlängert wird. Allerdings: Auch unter den Mitgliedstaaten herrscht keine Einigkeit darüber, wie schädlich das Spritzmittel ist und ob es weiterhin verwendet werden sollte. Selbst über die Dauer der möglichen Neuzulassung wird noch gestritten.
UPDATE 26.10.: Die Abstimmmung im zuständigen EU-Ausschuss wurde erneut verschoben. Bis zum 15. Dezember muss jedoch eine Entscheidung gefällt werden. Es bleibt daher spannend.

Das Herbizid Glyphosat wird auf rund einem Drittel der deutschen Äcker eingesetzt

Das Herbizid Glyphosat wird auf rund einem Drittel der deutschen Äcker eingesetzt

Kaum ein anderes Pestizid ist so umstritten wie das Glyphosat. Das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel wurde von der Weltgesundheitsorganisation als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft, die beiden EU-Behörden für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und Chemikalien (ECHA) sahen dagegen keinen Grund für Besorgnis.

Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat wiederholt Gutachten erstellt und bei der EU eingereicht, die Glyphosat bei korrektem Einsatz für unbedenklich erklären. Weil das Institut dabei jedoch ganze Passagen wörtlich aus Unterlagen des Herstellers Monsanto übernommen hat, werfen Kritiker dem BfR Industrienähe vor und bezweifeln, dass wirklich eine unabhängige Bewertung stattgefunden hat.


Glyphosat im Bier und Urin


Klar ist jedoch trotz aller Debatten, dass Glyphosat längst Einzug in unsere Nahrungskette gehalten hat. So haben Tests bereits Rückstände von Glyphosat in 14 gängigen deutschen Bieren nachgewiesen – wenn auch in geringen Mengen. Auch in Wattestäbchen und sogar im Urin von Testpersonen wurde bereits Glyphosat gefunden.

Die anhaltenden Diskussionen um das Glyphosat haben inzwischen auch in der deutschen Bevölkerung Skepsis geweckt: Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des NABU sind 59 Prozent der Deutschen für ein sofortiges Zulassungsende. Insgesamt 74 Prozent der Befragten wären sogar bereit, einen höheren Preis für ihre Lebensmittel zu zahlen, wenn sie dafür sicher sein könnten, dass in der Landwirtschaft kein Glyphosat verwendet wird.

Ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht, bleibt strittig

Ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht, bleibt strittig

Kompromiss-Vorschlag vom EU-Parlament


Heute, am 25. Oktober 2017 sollen nun die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten im Expertenausschuss über die Zulassungsverlängerung des Glyphosats entscheiden. Bereits im Vorfeld hat auch das EU-Parlament über dieses Thema diskutiert und einen Antrag verabschiedet, nach dem das umstrittene Pestizid zunächst nur bis 2020 zugelassen werden soll – auch um die vielen noch strittigen Fragen zu klären. Zudem forderten die Abgeordneten, die Anwendung durch Privatleute und im öffentlichen Raum ganz zu verbieten.

Auch Naturschutzverbände protestieren gegen die Wiederzulassung des Glyphosats. "Der jetzige Verordnungsentwurf seitens der EU-Kommission missachtet das Vorsorgeprinzip und ist unvereinbar mit dem Schutz unserer Gesundheit und natürlichen Lebensgrundlagen", kritisiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Angesichts des alarmierenden Insektensterbens und des Rückgangs von Feldvögeln müsse endlich ein Umsteuern in der Landwirtschaft stattfinden.

Fällt heute die Entscheidung?


Ob die EU-Kommission und die Vertreter der EU-Mitgliedsländer dem Antrag des EU-Parlaments folgen, ist jedoch offen. Denn bisher wurde im Expertenausschuss immer über eine Zulassung des Glyphosats für weitere zehn Jahre verhandelt. Hinzu kommt, dass auch unter den EU-Staaten keine Einigkeit in der Glyphosat-Frage herrscht. So hat Frankreich bereits im Vorfeld angekündigt, nur dann für eine weitere Zulassung zu stimmen, wenn diese auf drei, maximal fünf Jahre befristet wird.

Einen Dissens gibt es auch innerhalb der deutschen Bundesregierung: Während das Umweltministerium unter Barbara Hendricks gegen die Zulassungsverlängerung des Pestizids ist, ist das Landwirtschaftsministerium dafür. Sollte es zur Abstimmung kommen, wird sich Deutschland daher enthalten müssen.

Doch ob die Entscheidung heute überhaupt fällt, ist alles andere als sicher. Denn als möglich gilt auch, dass die Abstimmung ein weiteres Mal verschoben wird – weil es keine eindeutigen Mehrheiten gibt.
(EU, NABU, BMU, 25.10.2017 - NPO)
 
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