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Freitag, 20.10.2017
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Atomkraftwerke: Schwere Mängel in Frankreich und Belgien

Abklingbecken mit radioaktiven Brennstäben sind offenbar nicht ausreichend geschützt

Brisante Informationen: Französische und belgische Atomkraftwerke weisen offenbar gravierende Sicherheitsmängel auf. Das ergab eine aktuelle Studie im Auftrag von Greenpeace Frankeich. Demnach sind vor allem die Abklingbecken mit den hochradioaktiven abgebrannten Brennstäben meist nur unzureichend geschützt. Die Ergebnisse sind dabei laut Angaben von Greenpeace so brisant, dass sie zunächst nur französischen Behörden die Details erfahren haben.
Der französische Uralt-Reaktor Fessenheim liegt nur einen Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und ist als Pannenmeiler berüchtigt.

Der französische Uralt-Reaktor Fessenheim liegt nur einen Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und ist als Pannenmeiler berüchtigt.

Welche Gefahr von Atomkraftwerken ausgehen kann, hat sich spätestens bei den Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima gezeigt. Eigentlich wäre zu erwarten, dass die europäischen Kraftwerksbetreiber daraus ihre Lehren gezogen haben – offenbar ein Fehlschluss.

Experten überprüfen Nachbarkraftwerke


Immer wieder enthüllen Studien gravierende Sicherheitsmängel oder nicht umgesetzte Nachrüstungs-Auflagen. In letzter Zeit besonders im Fokus der Kritik sind dabei die grenznahen Atomkraftwerke Doel und Tihange in Belgien sowie Fessenheim und Cattenom in Frankreich.

Wie es mit der Sicherheit von sieben belgischen und aller 58 französischen Meiler aussieht, haben nun sieben unabhängige Sicherheitsexperten im Auftrag von Greenpeace Frankreich überprüft. Dabei analysierten die Wissenschaftler die Informationen, die zu diesen Anlagen in offiziellen, veröffentlichten Dokumenten und Prüfberichten zugänglich sind.


Zu brisant für die Öffentlichkeit?


Die Ergebnisse sind offenbar so brisant, dass die Forscher sie nicht öffentlich machen wollen. Sie wurden gestern in Paris zunächst den französischen Behörden vorgelegt. "Wir wollen das Risiko für die Bevölkerung nicht noch größer machen, als es ohnehin schon ist. Jetzt müssen die Behörden für die Sicherheit der Menschen sorgen", sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace in Deutschland.

Fast leeres Abklingbecken in einem italienischen Atomkraftwerk

Fast leeres Abklingbecken in einem italienischen Atomkraftwerk

Immerhin dies ist bisher bekannt: Es gibt bei vielen der französischen und belgischen Atomkraftwerke offenbar gravierende Mängel bei der Sicherheit der Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente. Obwohl in ihnen hoch radioaktive Strahlung anfällt, sind sie bisher kaum geschützt. Die Sicherheitskonzepte der Atomreaktoren konzentrieren sich stattdessen überwiegend auf den Reaktor.

Gefahrenpunkt Abklingbecken


Doch spätestens seit dem Atomunfall von Fukushima ist klar, wie groß die Gefahr ist, die von den Abklingbecken ausgehen kann. Fallen die Becken mit den ausgebrannten Brennelementen trocken oder läuft Kühlwasser aus, werden große Mengen Radioaktivität freigesetzt. In Fukushima konnte ein solches Trockenfallen wegen der ausgefallenen Kühlung nur knapp verhindert werden. Wäre dies nicht gelungen, hätten bis zu 50 Millionen Menschen im Großraum Tokio evakuiert werden müssen.

Laut der aktuellen Greenpeace-Studie scheinen auch die Abklingbecken in Belgien und Frankreich nur unzureichend gegen solche Ernstfälle und das Austreten von Radioaktivität geschützt. "Statt mit viel Geld und Aufwand an oft uralten AKW herumzudoktern, müssen Frankreich und Belgien endlich den Ausstieg aus der Risikotechnologie einleiten", sagt Smital. "Die untersuchten Atommeiler gefährden Menschen in ganz Europa."

Risiken auch in Deutschland


Dass auch in Deutschland bei der Sicherheit der Abklingbecken einiges im Argen liegt, hatte bereits 2013 eine Studie des BUND ergeben. So liegen diese Becken im Atomkraftwerk Grundremmingen wie in Fukushima außerhalb des Sicherheitsbehälters. "Sollte es zu einem Verdampfen des Kühlmittels oder gar zu einer Schmelze der Brennelemente kommen, gibt es keine wirkliche Barriere für das Entweichen der radioaktiven Stoffe", hieß es damals in der Studie.

Ein bei einer Sicherheitsüberprüfung nach Fukushima erstellter Aktionsplan sah zudem vor, die Wasserzufuhr und Stromversorgung der Abklingbecken so aufzurüsten, dass sie auch im Notfall funktionieren, ohne dass potenzielle verseuchte Räume oder Gelände betreten werden müssen. Doch spätere Untersuchungen ergaben, dass bei keiner Anlage die Nachbesserungen umgesetzt worden waren.
(Greenpeace , 11.10.2017 - NPO)
 
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