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Mittwoch, 18.10.2017
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Warum Frauen großzügiger sind

Gehirne verarbeiten egoistisches und prosoziales Verhalten bei den Geschlechtern unterschiedlich

Großzügigkeit wird belohnt: Frauen verhalten sich tendenziell prosozialer als Männer. Warum das so ist, haben Forscher nun herausgefunden. Ihre Experimente zeigen: Weibliche und männliche Gehirne verarbeiten soziales und egoistisches Verhalten völlig unterschiedlich. Während bei Frauen Großzügigkeit eine vergleichsweise starke Reaktion des Belohnungssystems hervorruft, belohnt das Männergehirn offenbar eher egoistisches Verhalten.
Frauengehirne belohnen Großzügigkeit, Männergehirne egoistisches Verhalten.

Frauengehirne belohnen Großzügigkeit, Männergehirne egoistisches Verhalten.

Typisch Mann, typisch Frau: Klischees über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es viele - und in manchen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist "das" männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Dennoch finden Wissenschaftler immer wieder Indizien für geschlechtsspezifische Besonderheiten in Verhalten und Biologie. So scheinen Männer und Frauen beispielsweise unterschiedlich auf Stress und negative Gefühle zu reagieren.

Auch in Sachen Narzissmus, Kooperationsverhalten und Großzügigkeit gibt es offenbar Unterschiede. Demnach sind Männer tendenziell narzisstischer - und Frauen großzügiger als das andere Geschlecht: Die Damenwelt verhält sich uneigennütziger und hat mehr Sinn für Gerechtigkeit, wie Studien wiederholt gezeigt haben. So verteilen Frauen in experimentellen Spielen etwa Geldbeträge deutlich großzügiger als männliche Teilnehmer.

Egoistisch oder sozial?


Doch wie lässt sich dieser Unterschied erklären? Um das herauszufinden, haben Alexander Soutschek von der Universität Zürich und seine Kollegen Verhaltensexperimente mit knapp 30 Männern und 30 Frauen durchgeführt. Im Versuch mussten sich die Probanden im Rahmen eines Spiels für eine von zwei Strategien entscheiden: Entweder sie waren egoistisch und erspielten nur Geld für sich oder sie spielten prosozial und teilten mit anderen.


Während der Spielerunde blickten die Forscher einigen Teilnehmern mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) ins Gehirn. Insbesondere fokussierten sie sich dabei auf das sogenannte Stratium. Dieses Hirnareal ist für die Bewertungs- und Belohnungsverarbeitung zuständig und immer dann aktiv, wenn wir Entscheidungen fällen müssen.

Gehirne reagieren unterschiedlich


Es zeigte sich: Männer- und Frauengehirne scheinen egoistisches und soziales Verhalten völlig unterschiedlich zu verarbeiten. So wurde bei den Frauen das Stratium stärker aktiviert, wenn sie sich prosozial verhielten. Bei den Männern reagierte es dagegen intensiver, wenn sie egoistische Entscheidungen trafen.

"Das Belohnungssystem von Frauen reagiert also stärker auf großzügige Entscheidungen als jenes von Männern", fasst Soutschek zusammen. Konkret bedeutet das: Das weibliche Gehirn schüttet als Reaktion auf prosoziales Verhalten vermehrt Botenstoffe aus, die ein Wohlgefühl vermitteln - bei Männern ist es genau anders herum. Das scheint zu erklären, warum Frauen lieber teilen und Männer tendenziell lieber alles für sich behalten.

Umgekehrter Effekt


In einem weiteren Experiment gingen die Wissenschaftler diesem Zusammenhang durch die Gabe von Medikamenten nach: Sie verabreichten den Teilnehmern die Substanz Amisulprid, die den als Glückshormon bekannten Neurotransmitter Dopamin hemmt und auf diese Weise das Belohnungssystem stört.

Das überraschende Ergebnis: Unter Medikamenteneinfluss verhielten sich im Gegensatz zum ersten Experiment plötzlich die Frauen egoistischer und die Männer prosozialer. "Dieser Befund zeigt, dass das Belohnungssystem von Frauen und Männern auch pharmakologisch unterschiedlich auf Großzügigkeit reagiert", sagt Soutschek.

Folge kultureller Prägung?


Zwar belegen die Ergebnisse der Forscher, dass sich die geschlechtsspezifischen Verhaltensunterschiede in Sachen Großzügigkeit auch auf physiologischer Ebene nachweisen lassen. Die Ursachen dafür sind aber weiter unklar. Denn Soutschek zufolge bedeuten sie nicht, dass diese Unterschiede angeboren oder evolutionär bedingt sind. Sie könnten auch durch Kultur und Erziehung geprägt sein, glaubt der Wissenschaftler. Immerhin ist bekannt, dass die Belohnungs- und Lernsysteme im Gehirn eng zusammenarbeiten.

Zudem belegen Studien, dass prosoziales Verhalten bei Mädchen eher mit Lob belohnt wird als bei Jungen. "Sie lernen, eher eine Belohnung für prosoziales als für egoistisches Verhalten zu erwarten. Der Geschlechterunterschied, den wir in unseren Studien beobachtet haben, lässt sich in diesem Sinne am besten durch die unterschiedlichen kulturellen Erwartungen an Männer und Frauen erklären", schließt Soutschek. (Natur Human Behaviour, 2017; doi: 10.1038/s41562-017-0226-y)
(Universität Zürich, 10.10.2017 - DAL)
 
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