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Mittwoch, 26.09.2018
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Hepatitis: Tödliche Pandemie

Virale Hepatitis tötet jährlich mehr Menschen als Aids, Malaria oder Tuberkulose

Verborgener Killer: Weltweit sterben mehr Menschen an einer viralen Hepatitis als an Tuberkulose, Aids oder Malaria, wie eine neue Studie enthüllt. Allein im Jahr 2016 gingen 1,34 Millionen Todesfälle auf Kosten dieser leberzerstörenden Infektion. Das Tückische daran: Betroffene merken oft jahrelang nichts davon, weil sich Symptome erst bemerkbar machen, wenn sich eine Leberzirrhose oder Leberkrebs entwickelt haben.
Hepatitis B-Viren unter dem Elektronenmikroskop

Hepatitis B-Viren unter dem Elektronenmikroskop

Die virale Hepatitis ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben mehr als 325 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-Infektion, jedes Jahr stecken sich allein mit Hepatitis C 1,7 Millionen Menschen neu an. Das Fatale daran: Die fünf bisher bekannten Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündungen und zerstören im Laufe der Zeit das Lebergewebe. Dadurch können Leberzirrhosen und Leberkrebs entstehen – und zum Tode führen.

1,34 Millionen Todesopfer pro Jahr


Welche Folgen die schleichende globale Hepatitis-Epidemie hat, verdeutlicht nun die aktuelle Global Burden of Disease-Studie. Nach dieser starben allein im Jahr 2016 weltweit 1,34 Millionen Menschen an den Folgen einer viralen Hepatitis. Typische Todesursachen sind dabei eine von den Viren verursachten Leberzirrhose, akutes Leberversagen durch Gelbsucht oder Leberkrebs.

Damit fordert diese Infektionskrankheit mehr Todesopfer als große globale "Killer" wie Aids oder Malaria. Der Studie nach starben 2016 1,2 Millionen Menschen an Tuberkulose, eine Million an Aids und 719.000 an Malaria. "Es ist skandalös, aber nicht überraschend, dass die Hepatitis diese Krankheiten überholt hat", sagt Charles Gore, Präsident der World Hepatitis Alliance. "Der Grund liegt vor allem an der fehlenden politischen Priorität und dem Fehlen eines globalen Finanzierungsmechanismus."


Hohe Dunkelziffer und oft ungenügende Behandlung


Das Problem: Gegen einige Hepatitisformen gibt es bis heute keine effektive Behandlung, bei anderen fehlt ein Impfstoff. Viele Menschen in ärmeren Ländern haben zudem gar keinen Zugang zu den bisher verfügbaren Therapien oder Impfungen. Die WHO hat sich daher zum Ziel gesetzt, 90 Prozent der Menschen bis zum Jahr 2030 auf Hepatitis zu testen und Therapien für mindestens 80 Prozent der mit HBV und HCV infizierten Menschen bereitstellen und einsetzen.

Impfen lassen kann man sich gegen die meist nur akut verlaufende Hepatitis A und die chronisch werdende Hepatitis B, gegen die ebenfalls schleichende Hepatitis C dagegen nicht. Dafür gibt es gegen HCV eine gut wirkende Therapie, bei HBV müssen Betroffenen dagegen lebenslang Medikamente nehmen, um die Leberentzündung zu unterdrücken.

Ein weiteres Problem: Viele Menschen merken nicht, dass sie infiziert sind. Denn Betroffene bekommen meist nur bei Akutformen HAV und HEV die klassische "Gelbsucht". Die anderen drei Viren können nach Infektion zunächst symptomlos bleiben oder nur unspezifische Grippesymptome auslösen. Nach Angaben der Forscher sind sich nur fünf Prozent der weltweit Betroffenen ihrer Infektion bewusst. Auch Ärzte erkennen die Krankheit nicht immer.


Das ABC der Hepatitis-Erreger


Die fünf bisher bekannten Viren verursachen akute oder chronische Leberentzündungen. Ob sie aber Spätfolgen nach sich ziehen und wie man sich anstecken kann, ist sehr unterschiedlich. Hepatitis A und Hepatitis E werden vor allem durch kontaminiertes Essen oder Wasser übertragen. Beide Infektionen lösen eine akute, teilweise schwerwiegende Gelbsucht aus, werden aber nicht chronisch.

Hepatitis B wird dagegen durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Sperma übertragen, ist dabei aber rund hundertmal infektiöser als HIV. Die Infektion verläuft meist symptomlos und heilt oft von alleine aus. In fünf bis zehn Prozent der Fälle aber kann sie chronisch werden. In Deutschland sind rund 500.000 Menschen an HBV erkrankt, obwohl es eine Impfung gibt.

Hepatitis D tritt als Koinfektion mit HBV auf und wird ebenfalls durch Blut übertagen. Sie ist die schwerwiegendste unter den chronischen Hepatitis-Varianten, weil sie sehr schnell zu einer Leberzirrhose führt. Die Impfung gegen HBV ist aber auch gegen dieses Virus wirksam.

Hepatitis C wird fast nur über das Blut übertragen – beispielsweise durch verseuchte Injektionsnadeln, oder vor 1990 durch kontaminierte Blutgerinnungsfaktoren. Auch diese Infektion verläuft meist symptomlos, sie wird aber in 80 Prozent der Fälle chronisch und kann dann zu Leberzirrhose und Leberkrebsführen. In Deutschland sind bis zu 800.000 Menschen infiziert, weltweit sind es 71 Millionen.
(World Hepatitis Alliance, 15.09.2017 - NPO)
 
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