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Samstag, 18.11.2017
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Dem Kaffee wird’s zu heiß

Bis zu 88 Prozent weniger geeignete Anbauflächen in Mittelamerika bis 2050

Düstere Zeiten für Kaffee-Liebhaber: Der Klimawandel könnte dem Kaffeeanbau in Mittelamerika erheblich schaden. Denn im größten Anbaugebiet der Erde werden die für Kaffee geeigneten Flächen bis 2050 voraussichtlich um bis zu 88 Prozent zurückgehen, wie Forscher prognostizieren. Der Grund: In vielen Gebieten wird es dem Kaffee zu heiß und trocken, zudem gehen die Bestäuberinsekten zurück. Besonders davon betroffen sind Nicaragua, Honduras und Venezuela, so die Prognose.
Ein Farmer pflückt Kaffeebeeren in Kolumbien. Durch den Klimawandel könnten die geeigneten Anbauflächen für Kaffee bis 2050 drastisch schrumpfen.

Ein Farmer pflückt Kaffeebeeren in Kolumbien. Durch den Klimawandel könnten die geeigneten Anbauflächen für Kaffee bis 2050 drastisch schrumpfen.

Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke weltweit und für viele ärmere Länder einer ihrer wichtigsten Exportartikel. Doch Kaffeepflanzen sind anspruchsvoll: Um zu gedeihen, benötigen sie ein gleichmäßig warmes Klima, reichlich Regen und geschützte halbschattige Standorte. Geeignete Anbauflächen gibt es heute vor allem in Mittelamerika und dem Norden Südamerikas, aber auch in einigen Regionen Asiens und in Äthiopien.

Doch mit der globalen Erwärmung wird sich auch das Klima in den Kaffee-Anbaugebieten verändern. Schon jetzt verzeichnen Brasilien und Vietnam klimabedingte Ernteeinbußen, in Äthiopien - der Urheimat des Arabica-Kaffees – könnten bis zum Ende des Jahrhunderts 60 Prozent der bisherigen Anbauflächen unbrauchbar werden. Der wilde Arabica-Kaffee könnte in 70 Jahren sogar ganz ausgestorben sein.

Welche Zukunft blüht dem mittelamerikanischen Kaffee?


Welche Folgen den Kaffeebauern in Mittelamerika bevorstehen könnten, haben nun Pablo Imbach vom Internationalen Zentrum für tropische Landwirtschaft in Hanoi und seine Kollegen untersucht. Brasilien und Mittelamerika zusammen bilden die größte Kaffeeanbau- und Exportregion der Welt. Rund 80 Prozent des weltweit gehandelten Arabica-Kaffees stammt von dort, wie die Forscher erklären.


Für ihre Studie haben sie untersucht, wie sich Niederschlag und Temperatur in den Anbaugebieten Mittelamerikas bis 2050 entwickeln werden und wo dadurch künftig kein Kaffee nicht mehr gedeihen kann. Zusätzlich ermittelten sie, wie der Klimawandel die Präsenz von bestäubenden Wildbienen in dieser Region verändert. "Denn wenn es Bienen in den Plantagen gibt, dann steigt die Produktivität und auch das Gewicht der Kaffeebeeren", erklärt Imbach.

Trocknende Kaffeefrüchte auf einer Kaffeeplantage in Panama

Trocknende Kaffeefrüchte auf einer Kaffeeplantage in Panama

Rückgang um bis zu 88 Prozent


Das Ergebnis: Für den Kaffeeanbau in Mittelamerika sieht es nicht gut aus. Denn die meisten heutigen Anbaugebiete werden bis 2050 nicht mehr für Kaffeepflanzen geeignet sein. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die für den Kaffeeanbau geeigneten Flächen je nach Klimaszenario um 73 bis 88 Prozent schrumpfen werden", berichten die Forscher. Bei etwa der Hälfte der betroffenen Gebiete verstärkt ein Rückgang der Bestäuberbienen die negativen Klimaeffekte noch.

Besonders stark betroffen sind Nicaragua, Honduras und Venezuela, weil dort der meiste Kaffee im wärmeren Flachland angebaut wird. Deutlich glimpflicher könnte dagegen die gebirgigeren Anbauregionen Mexikos, Guatemalas, Kolumbiens und Costa Ricas davonkommen, wie die Forscher berichten. Hier können die Plantagen zumindest teilweise noch in höhere und damit kühlere und regenreichere Lagen ausweichen.

Waldschutz hilft Bienen und dem Kaffee


Doch die Kaffeebauern können durchaus etwas tun, um zumindest teilweise gegenzusteuern. Eine der wichtigsten Maßnahmen: der Erhalt der Tropenwälder in unmittelbar Nachbarschaft der Kaffeeplantagen. Denn der nahe Wald bietet bestäubenden Wildbienen einen Rückzugsraum und Nahrung für die Zeit, wenn der Kaffee nicht blüht. Dadurch kommen in Waldnähe mehr Bienenarten vor und das fördert das Gedeihen der Kaffeepflanzen und den Ertrag, wie die Forscher erklären.

In einigen Gebieten könnte eine gezielte Förderung der Bienenpopulationen dadurch sogar die Einbußen durch den Klimawandel wettmachen. "Die gekoppelten Effekte des Klimawandels auf Kaffeewachstum und Bestäubung zu kennen, kann daher helfen, die Bewirtschaftungsmaßnahmen entsprechend zu optimieren", konstatieren die Wissenschaftler. (Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2017; doi: 10.1073/pnas.1617940114)
(PNAS, 12.09.2017 - NPO)
 
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