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Mittwoch, 26.09.2018
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Meeressaurier-Fossil in Niedersachsen entdeckt

130 Millionen Jahre altes Reptil ist einer der besterhaltenen Plesiosaurier Europas

Spektakulärer Fund: In einer alten Tongrube in Niedersachen haben Fossiliensammler die Relikte eines 130 Millionen Jahre alten Meeressauriers entdeckt. Der acht Meter lange Plesiosaurier besaß einen extrem langen Hals und zu Paddeln umgewandelte Beine. Er lebte wahrscheinlich räuberisch und bewohnte das flache Kreidezeitmeer, dass zu jener Zeit die Region im heutigen Norden Deutschlands bedeckte.
So könnte der acht Meter lange Plesiosaurier Lagenanectes richterae zu Lebzeiten ausgesehen haben.

So könnte der acht Meter lange Plesiosaurier Lagenanectes richterae zu Lebzeiten ausgesehen haben.

Wenn es um Fundorte von Saurierfossilien geht, gilt Deutschland landläufig nicht gerade als Eldorado – doch das täuscht. Auch hierzulande lebten vor Millionen von Jahren sowohl Dinos als auch Meeressaurier. So wurden in Münchehagen ei Hannover gleich mehrere Dinosaurierfährten entdeckt, im westfälischen Höxter fanden Paläontologen das fast vollständige Skelett eines vier Meter langen Plesiosauriers.

Fossilfund in einer Tongrube


Wie sich nun zeigt, haben Fossiliensammler einen weiteren, noch größeren Vertreter dieser Meeressaurier-Gruppe in der ehemaligen Tongrube Moorberg bei Sarstedt in Niedersachsen gefunden. Die Sammler entdeckten die Überreste bereits 1934, diese blieben dann aber jahrzehntelang in den Archiven der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und des Landesmuseums Hannover.

Jetzt haben Paläontologen um Sven Sachs vom Naturkunde-Museum Bielefeld das Fossil mit modernsten Methoden näher analysiert und festgestellt: Das Saurierskelett ist mehr als 130 Millionen Jahre alt und gehört einer bisher unbekannten Art der Plesiosaurier an. Er wurde daher Lagenanectes richterae getauft – vom lateinischen Namen der Leine – Lagena – und nectes – "schwimmen".

Skelettteile und Silhouette von Lagenanectes richterae

Skelettteile und Silhouette von Lagenanectes richterae

Bewohner eines urzeitlichen Flachmeeres


"Auch wenn sein Name frei als 'Leine-Schwimmer' übersetzt werden kann, schwamm Lagenanectes sicherlich niemals in diesem Fluss, der in der Kreidezeit noch nicht existierte", erklärt der Hamburger Paläontologe Jahn Hornung. "Vielmehr bewohnte er ein warmes, flaches Meer, das den Norden Deutschlands vor etwa 132 Millionen Jahren bedeckte." Die Gliedmaßen des Sauriers waren zu vier Paddeln umgewandelt, mit denen die Tiere sich im Wasser ähnlich wie Meeresschildkröten fortbewegten.


Obwohl unvollständig, gehört das Skelett von Lagenanectes zu den am besten erhaltenen Funden eines Plesiosauriers aus der unteren Kreidezeit Europas. "Seine Verwandtschaftsverhältnisse zeigen, dass Lagenanectes einer der ursprünglichsten Vertreter der Familie der Elasmosauriden war, die sich durch immens lange Hälse auszeichneten", berichtet Benjamin Kear von der Universität Uppsala in Schweden. Im Extremfall besaßen sie bis zu 75 Halswirbel – mehr als jedes andere Wirbeltier.

Der Plesiosaurier war ein Fleischfresser, wie sein Kiefer belegt. Hier eine Schädelrekonstruktion.

Der Plesiosaurier war ein Fleischfresser, wie sein Kiefer belegt. Hier eine Schädelrekonstruktion.

Seitenzähne und Beulen im Kiefer


Erhalten geblieben sind von dem Fossil große Teile des Schädels, der Wirbelsäule und der Gliedmaßen eines ausgewachsenen Tieres. Der Hals von Lagenanectes ist zwar unvollständig. Vergleiche mit verwandten Arten zeigen jedoch, dass er etwa 40 bis 50 Wirbel gehabt haben dürfte. "Ein besonderer Glücksfall war es, dass der vordere Teil des Unterkiefers geborgen wurde, da sich hier einzigartige Merkmale befinden", erklärt Hornung.

Zu diesen Besonderheiten des Meeressauriers gehören Zähne, die im vorderen Unterkiefer nicht wie gewöhnlich auf der Oberseite, sondern seitlich im Kiefer saßen, sowie ein verstärktes Kinn
mit markanten Beulen auf der Unterseite. Im Oberkiefer zeigt Lagenanectes wie einige seiner Verwandten markante Vertiefungen, die der Aufnahme von Druck- oder Elektrorezeptoren gedient haben könnten, die dabei halfen die Beute zu orten.


"Eine weitere Besonderheit sind krankheitsbedingte Knochenveränderungen im Übergangsbereich vom Kopf zum Hals, die durch eine Entzündung, wahrscheinlich infolge einer bakteriellen Infektion, hervorgerufen worden sein könnten", berichtet Sachs. "Eine solche Infektion könnte etwa die Folge eines Bisses gewesen sein. Diese Entzündung hat möglicherweise zum Tod des Tieres beigetragen."
(Niedersächsisches Landesmueum Hannover, 31.08.2017 - NPO)
 
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