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Sonntag, 25.02.2018
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Rätsel der USS Hunley gelöst

Besatzung des Südstaaten-U-Boots starb durch die Schockwelle ihrer eigenen Waffe

Mysteriöser Tod: Nach gut 150 Jahren haben Forscher endlich herausgefunden, warum die Besatzung der Hunley starb – des U-Boots, das im Jahr 1864 zum ersten Mal erfolgreich ein feindliches Schiff versenkte. Weil die acht Männer scheinbar unversehrt im Wrack gefunden wurden, blieb ihre Todesursache rätselhaft. Jetzt zeigt sich: Die Männer starben durch die Schockwelle ihres eigenen Torpedos. Ein Lungentrauma führte damals instantan zum Tod.
Das Wrack der H.L.Hunley in einem Konservierungsbad. Wie ihre achtköpfige Besatzung starb, war ein Rätsel – bis jetzt.

Das Wrack der H.L.Hunley in einem Konservierungsbad. Wie ihre achtköpfige Besatzung starb, war ein Rätsel – bis jetzt.

Die zwölf Meter lange H. L. Hunley war eines von mehreren U-Booten, das die Südstaaten im US-Bürgerkrieg gegen Schiffe der Nordstaaten einsetzen. Das Unterseeboot bestand zwar schon aus Eisen, wurde aber mit Muskelkraft betrieben: Im Innenraum des torpedoförmigen Rumpfes bewegten die Männer sieben Handkurbeln, mit denen der Antriebspropeller an Heck bewegt wurde. Ein achtes Besatzungsmitglied bediente die Steuerruder.

Ein Pyrrhus-Sieg für die Hunley


Berühmt wurde die Hunley am 27. Februar 1864: Um die Seeblockade von Charleston durch die Schiffe der Nordstaaten zu durchbrechen, griff das U-Boot das dampfgetriebene Kanonenboot Housatronic an. Es rammte seinen an einem fünf Meter langen Stab befestigten Schwarzpulver-Sprengsatz in die Bordwand des Dampfschiffes, bis dieser Spierentorpedo explodierte.

Das Nordstaaten-Boot sank – und die Hunley wurde damit zu, ersten U-Boot der Geschichte, das ein Schiff versenkt hatte. Doch die Besatzung hatte keine Chance, sich darüber zu freuen: Das U-Boot mitsamt der acht Mann an Bord sank direkt nach der Explosion. Es gab keine Überlebenden. Warum, blieb selbst nach Hebung der Hunley im Jahr 1995 rätselhaft.


Woran starb die Besatzung?


Als Forscher das U-Bot Wrack öffneten, bot sich ihnen ein schockierender Anblick: Die Überreste der Besatzung saßen scheinbar unversehrt noch an ihren Handkurbeln. Offensichtlich hatten sie beim Sinken ihres Unterseeboots keinerlei Anstalten gemacht, sich oder das Boot zu retten. Doch auch Hinweise auf Knochenbrüche oder andere Verletzungen fehlten. Warum aber waren diese Männer gestorben?

Zeitgenössisches Ölgemälde der Hunley vor ihrem Einsatz.

Zeitgenössisches Ölgemälde der Hunley vor ihrem Einsatz.

Einige Forscher vermuteten, dass die Männer erstickt waren, andere hielten ein Ertrinken für wahrscheinlicher – möglicherweise nachdem ein Kanonenschuss der Housatronic die Bordwand des U-Boots durchschlagen hatte. Doch die Ingenieurin Rachel Lance von der Duke University hält dies für unwahrscheinlich. Ihrer Ansicht nach spricht alles dafür, dass die Männer bereits tot waren, bevor das U-Boot leckschlug oder den Grund erreichte.

"Wenn jemand überlebt hätte, dann hätten sie versucht, den Ballast abzuwerfen, sie hätten die Lenzpumpen bedient oder versucht, aus der Luke auszusteigen – aber nichts von alledem geschah", so Lance.

Explosionen im Testbecken


Die Forscherin hat daher den Untergang der Hunley und die mögliche Todesursache der Besatzung noch einmal genauer untersucht. Ihr Verdacht: Die Schockwelle der Torpedoexplosion könnte die Männer getötet haben. Um diese Hypothese zu prüfen, setzte sie ein rund zwei Meter langes, mit Sensoren bestücktes Modell der Hunley in einem Testbecken ähnlichen Explosionen aus, wie sie damals beim Versenken der Housatronic aufgetreten waren.

Der Torpedo der Hunley war an einem fünf Meter langen Stab angebracht. Die Explosion der gut 60 Kilogramm Schwarzpulver verursachte eine Schockwelle, die auch die U-Boot- Besatzung tötete.

Der Torpedo der Hunley war an einem fünf Meter langen Stab angebracht. Die Explosion der gut 60 Kilogramm Schwarzpulver verursachte eine Schockwelle, die auch die U-Boot- Besatzung tötete.

"Wenn sich Explosionen unter Wasser ereignen, dann breiten sich die Schock- und Druckwellen effizienter und weiter aus als in der Luft", erklärt Lance. "Weil die Hunley ihren Torpedo an einem leicht abwärts geneigten Stab hielt, wäre sie den sich kreisförmig ausbreitenden Schockwellen von allen Seiten ausgesetzt gewesen." Die Wucht der Explosion reichte zwar nicht aus, um die Bordwand der Hunley zu beschädigen, das Innere des U-Boots jedoch war dennoch einer starken Druckwelle ausgesetzt.

Tod durch Lungentrauma


Die Experimente enthüllten: Der Druck der Explosion war stark genug, um bei der Besatzung ein fatales Lungentrauma zu verursachen. Dabei führt die durch den Brustkorb rasende Schockwelle zu starken Druckunterschieden im Gewebe, die die Lungenbläschen und Bronchien zerreißen. "Man stirbt sofort daran, ohne dass Spuren am Skelett sichtbar sind", erklärt Lance. Auch das Gehirn der Männer könnte durch ein solches Gewebetrauma geschädigt worden sein.

Nach Ansicht der Forscherin könnte dies erklären, warum die Besatzung sich beim Sinken der Hunley nicht einmal mehr von ihren Sitzen erhoben hatte: Sie waren bereits Sekunden nach der Explosion ihres Torpedos tot. "Diese Todesursache durch Lungentrauma passt perfekt zum Fehlen von Skelettverletzungen und den Positionen der Besatzung an ihren Gefechtsstationen", sagt Lance.

"Das Sinken der Hunley und der Tod seiner Besatzung waren lange Zeit eines der großen Rätsel der amerikanischen Geschichte", so Lance. "Jetzt ihre Todesursache herauszufinden, erlaubt es und endlich, dieses Rätsel zu lösen." (PloS ONE,2017; doi: 10.1371/journal.pone.0182244)
(Duke University, 24.08.2017 - NPO)
 
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