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Mittwoch, 18.10.2017
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US-Golfküste: Todeszone so groß wie nie

Nährstoffeintrag des Mississippi verschlimmert Sauerstoffzehrung im Golf von Mexiko

US-Forscher schlagen Alarm: Die sauerstoffarme "Todeszone" im Golf von Mexiko ist in diesem Sommer so groß wie noch nie zuvor. Sie reicht von der Mississippi-Mündung bis nach Texas und umfasst 26.000 Quadratkilometer. Besonders besorgniserregend: Viele Bereiche dieser Todeszone sind inzwischen komplett sauerstofffrei. Die Sauerstoff-Minimumzone reicht zudem am Ostrand relativ weit Richtung Wasseroberfläche.
Die sauerstoffarme Todeszone im Golf von Mexiko ist in diesem Sommer so groß wie nie zuvor.

Die sauerstoffarme Todeszone im Golf von Mexiko ist in diesem Sommer so groß wie nie zuvor.

Sie breiten sich immer mehr aus: In fast allen Ozeanen gibt es inzwischen sauerstoffarme "Todeszonen" – Bereiche in tieferen Wasserschichten, in denen der Sauerstoffgehalt für Fische und andere Meerestiere zu niedrig zum Überleben ist. Solche Sauerstoff-Minimumzonen finden sich inzwischen im Indischen Ozean, im Schwarzen Meer, in der Ostsee, im Golf von Mexiko und sogar mitten im Atlantik. Ursache solcher Todeszonen ist oft eine Kombination von Überdüngung und warmen Temperaturen.

So große wie nie zuvor


Jetzt schlagen Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Alarm: Die Todeszone vor der Südküste der USA im Golf von Mexiko ist in diesem Sommer so groß wie noch nie. Bei Messfahrten mit einem Forschungsschiff in der letzten Juliwoche registrierten sie eine Ausdehnung der Sauerstoff-Minimumzone von hochgerechnet 26.131 Quadratkilometer.

"Dies ist die größte jemals gemessene Ausdehnung", so Nancy Rabalais von der Louisiana State University. Der bisherige Durchschnitt liege bei rund 15.000 Quadratkilometern. In diesem Sommer jedoch zieht sich die Sauerstoff-Minimumzone wie ein breites Band fast die gesamte US-Golfküste entlang. Sie reicht von der Mündung des Mississippi im Osten bis vor die Küste von Texas im Westen. "Damit ist diese Todeszone die zweitgrößte von Menschen verursachte Zone dieser Art weltweit", sagen die Forscher.


Ausdehnung und Ausmaß der Sauerstoff-Minimumzone Ende Juli 2017

Ausdehnung und Ausmaß der Sauerstoff-Minimumzone Ende Juli 2017

Sauerstoffgehalt gleich Null


Doch nicht nur das: Das Ausmaß der Sauerstoffzehrung ist in diesem Jahr besonders hoch: "Ein bemerkenswertes Merkmal der diesjährigen Todeszone ist ein fast durchgehendes Band von extrem geringen Sauerstoffkonzentrationen, das sich in Küstennähe über die gesamte Länge der Zone erstreckt", so die Wissenschaftler.

An vielen Stellen lagen die Messwerte für den Sauerstoffgehalt unter 0,5 Milligramm pro Liter und oft sogar bei null, wie Rabalais und ihre Kollegen berichten. Beunruhigend auch: Die sauerstoffarmen Wasserbereiche reichen in diesem Jahr relativ weit nach oben in Richtung Oberfläche. Vor allem am östlichen Ende der Todeszone sei dies der Fall, so die Forscher.

Ursache: Nährstoffe aus der Landwirtschaft


Die Hauptursache des Sauerstoffschwunds im Golf von Mexiko ist die Überdüngung: Mit dem Wasser des Mississippi werden große Mengen an Nährstoffen und Dünger aus der Landwirtschaft in den Ozean geschwemmt. Diese fördern das Algenwachstum in den Küstengewässern und führen dazu, dass sich große Mengen abgestorbenen Pflanzenmaterials am Meeresboden sammeln. Ihre Zersetzung durch Bakterien zehrt den Sauerstoff auf.

"Der primäre Treiber für diese verstärkte Nährstofffracht ist die Landnutzung durch die Landwirtschaft", erklären die Wissenschaftler. Vor allem der Nitratgehalt des Wassers sei in den letzten Jahren deutlich angestiegen. "Messdaten aus dem Mai 2017 belegen eine besonders hohe Nährstofffracht im Mississippi", sagt Rabalais. "Gerade dieser Monat ist jedoch entscheidend für das spätere Ausmaß der Sauerstoff-Minimumzone."

Um den Eintrag von Nährstoffen in den Golf von Mexiko zu verringern, laufen bereits Aufklärungs- und Beratungsinitiativen. Diese sollen Farmern Ratschläge bei der Düngung erteilen und warnen, wann eine Düngung besonders schädliche Folgen für den Fluss und den Ozean haben könnte. Bisher scheint dies jedoch kaum gefruchtet zu haben.
(NOAA, 15.08.2017 - NPO)
 
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