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Donnerstag, 19.10.2017
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Schimpansen erkennen sich im Video

Menschenaffen bestehen Spiegeltest mit zeitverzögerten Videobildern

Selfie-Test für Menschenaffen: Schimpansen erkennen sich selbst in Videoaufnahmen - sogar wenn diese leicht zeitverzögert gezeigt werden. Darauf deutet eine von japanischen Forschern durchgeführte Variante des klassischen Spiegeltests hin. Menschliche Kinder schaffen es erst ab einem Alter von vier Jahren, sich in minimal zeitverzögerten Videobildern zu erkennen. Die Menschenaffen stehen uns demnach hierin kaum nach.
Schimpansen erkennen sich nicht nur selbst im Spiegel, sondern auch in Videoaufnahmen

Schimpansen erkennen sich nicht nur selbst im Spiegel, sondern auch in Videoaufnahmen

Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten – und uns in vielem verblüffend ähnlich. Auch sie bevorzugen Gleichgesinnte als Freunde, erleben eine Midlife-Crisis und verstehen sogar das einfache Filmhandlungen. Sie lassen sich zudem von unserem Gähnen anstecken und bestehen den Spiegeltest – sie erkennen sich selbst im Spiegelbild.

Ob die Schimpansen sich auch in einem Video selbst erkennen, haben nun Satoshi Hirata von der Universität Kyoto und seine Kollegen getestet. Diese Fähigkeit entwickeln auch menschliche Kinder erst im Laufe der Zeit: "Kinder beginnen sich zwar schon mit rund zwei Jahren im Spiegel zu erkennen", erklärt der Forscher. "Aber ein zeitverzögertes Videobild ihrer selbst verstehen sie da noch nicht. Diese Fähigkeit entwickeln sie erst mit etwa vier Jahren."

Video-Selfies für Schimpansen


Für ihr Experiment zeigten die Forscher fünf Schimpansen auf einem Bildschirm verschiedene Videosequenzen ihrer selbst. Einige stammten live von der Computerkamera und zeigten daher den Menschenaffen im Moment des Zuschauens. Andere waren eine, zwei, vier Sekunden oder eine Woche vorher aufgenommen worden und wurden daher zeitverzögert gezeigt. Zuvor hatten die Forscher – wie beim Spiegeltest – mehrere farbige Aufkleber auf dem Gesicht und Kopf der Schimpansen platziert.


Die große Frage war nun: Würden die Schimpansen erkennen, dass das Video sie selbst darstellt? Und können sie unterscheiden, ob ihr Video-Abbild live oder zeitverzögert ist? Verraten sollte dies das Verhalten der tierischen Probanden: Wenn sie beim Live-Bild und den nur wenig zeitverzögerten Videos unwillkürlich nach den Aufklebern an ihrem Kopf griffen, könnte dies auf Selbsterkenntnis hindeuten.

Einer der Schimpansen beim Videotest.

Einer der Schimpansen beim Videotest.

Reaktion spricht für Selbsterkenntnis


Und tatsächlich: Immerhin drei der fünf Schimpansen reagierte wie beim klassischen Speigeltest: Als sie ihr mit Aufklebern garniertes Konterfei im Video sahen, griffen sie sich an den Kopf und pulten die Aufkleber einen nach dem anderen ab. Wurden ihnen stattdessen ältere Videos von sich selbst ohne die Sticker gezeigt oder Videos von Menschen mit Aufklebern, reagierten sie nicht, wie die Forscher berichten.

"Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass sich Schimpansen auch dann selbst erkennen, wenn ihr Bild im Video und leicht zeitverzögert erscheint", sagt Hirata. Das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten ähneln damit denen von menschlichen Kindern im Alter von vier Jahren. Ähnlich wie diese begriffen die Schimpansen das Prinzip schon im ersten Anlauf, wie die Experimente zeigten.

Sinn für Aktualität


Und noch etwas ergaben die Videoversuche: Offenbar erkennen die Schimpansen sogar, ob ein Videobild ihren augenblicklichen Zustand widerspiegelt oder nicht. Denn das Live-Bild und die nur wenige Sekunden zeitverzögerten Aufnahmen provozierten eine Reaktion, nicht aber ältere Aufnahmen, die sie selbst vor einer Woche zeigten.

Unklar ist allerdings, warum nur drei der fünf Schimpansen den Test bestanden, die anderen beiden aber weder großes Interesse für das Video noch für ihre Aufkleber zeigten. Ähnliches hatten frühere Studien auch bei den klassischen Spiegeltests schon beobachtet. Die Forscher vermuten daher, dass es bei den Menschenaffen möglicherweise individuelle Unterschiede in der Fähigkeit zur Selbsterkenntnis gibt. (Royal Society Open Science, 2017; doi: 10.1098/rsos.170370)
(Royal Society, 09.08.2017 - NPO)
 
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