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Montag, 16.01.2017
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“Torwächter” im Gehirn blendet Gerüche aus

Aufmerksamkeit bestimmt Grad der Gehirnaktivität

Gerüche umgeben uns nahezu immer und überall. Wie aber kommt es, dass wir diese angenehmen oder unangenehmen Düfte nicht kontinuierlich wahrnehmen, sondern erst bewusst registrieren, wenn wir beispielsweise an einer Rose schnuppern oder Milch „per Nasensensor“ auf ihre Frische kontrollieren? Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt eine Gehirnregion entdeckt, die unwichtige Gerüche aktiv ausblendet.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Der Neurowissenschaftler Noam Sobel von der Universität von Kalifornien in Berkeley erklärt: „Wir haben einen neuen Gehirnmechanismus entdeckt, der wie ein Tor für die Information funktioniert. Er ermöglicht es unserem Gehirn, sich auf das zu konzentrieren, was unsere Nase uns sagt, wenn wir das wollen, und – noch wichtiger – es auch zu ignorieren“.

Geruchstests im MRT


Gemeinsam mit der Neurowissenschaftlerin Christina Zelano testeten sie die Reaktionen des Gehirns auf Gerüche mithilfe der Magnetresonanztomographie an 20 Freiwilligen. Alle Probanden erhielten sowohl einen Kopfhörer als auch ein Olfaktometer und die Anweisung, an dem Gerät zu schnuppern, sobald sie einen Ton hörten. Über das Olfaktometer wurde ihnen entweder geruchslose oder mit Düften versetzte Luft angeboten.

Die Aufnahmen der Gehirnaktivität zeigten, dass ein Bereich hinter den Augen, der so genannte piriforme Kortex, sowohl bei geruchsloser als auch bei riechender Luft am aktivsten war. Er gehört zum primären olfaktorischen Kortex, dem Gehirngebiet, das direkte Informationen aus dem Riechkolben der Nasenschleimhaut erhält.


„Torwächter“ reagiert schon „vorbeugend“


Doch dabei zeigte sich Überraschendes: Wurde den Probanden gesagt, im Versuch handele es sich um einen Hörtest, sank die Aktivität des piriformen Kortex deutlich ab – unabhängig davon, ob ein Geruch präsent war oder nicht. Gingen die Versuchspersonen dagegen davon aus, dass sie an einem Dufttest teilnahmen, stieg die Aktivität dieser Hirnregion an – und dies schon bevor ein Geruch registriert wurde.

Nach Ansicht von Sobel deutet dies daraufhin, dass der piriforme Kortex als Tor fungiert, das kontrolliert ob wir die Gerüche beachten, die die Nase registriert oder nicht. „Wenn Sie daran interessiert sind, was die Nase riecht, dann erhöht das die Sensitivität des frontalen piriformen Kortex, aber wenn Sie das gar nicht wissen wollen, hemmt das die Aktivität in dieser Gehirnregion“, erklärt der Forscher.

Die Geruchssignale erreichen dennoch das Gehirn, speziell den temporalen Bereich des piriformen Kortex, dringen aber nicht in das Bewusstsein vor. „Der temporale Teil des piriformen Kortex gibt jedesmal eine deutliche Reaktion, wenn Sie etwas riechen“, so der Forscher. „Es kümmert sich nicht darum, ob Sie versuchen, einen Duft wahrzunehmen oder einfach nur durch die Nase einatmen.“

Die selektive Natur unseres Geruchssinns passt sehr gut mit dem wachsenden Verständnis auch der anderen sinne zusammen. Denn auch beim Sehen, Hören oder Tasten werden unsere Wahrnehmungen dadurch beeinflusst, ob das Gehirn ihnen Aufmerksamkeit schenkt oder nicht. „Menschen neigen dazu, unsere Sinneswahrnehmung als etwas Passives anzusehen. Aber das stimmt nicht. Wahrnehmung ist ein sehr aktiver Prozess.“
(University Of California, Berkeley, 06.01.2005 - NPO)
 
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