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Donnerstag, 20.07.2017
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Kopfstehen macht Gesichter schöner

Drehung verwirrt Attraktivitäts-Bewertung des Gehirns

Skurriler Effekt: Ein auf dem Kopf stehendes Gesicht erscheint uns schöner als seine aufrechte Version. Und auch das auf die Seite gekippte Portrait bekommt unbewusst einen Attraktivitätsbonus, wie ein Experiment belegt. Der Grund für überraschenden Effekt Stimmt die Orientierung nicht, kann unser Gehirn das Gesehene schlechter mit internen "Schablonen" vergleichen. Negative Abweichungen übersieht es daher eher.
Ob wir ein Gesicht richtig herum oder gedreht sehen, hat einen Einfluss darauf, wie attraktiv wir es finden.

Ob wir ein Gesicht richtig herum oder gedreht sehen, hat einen Einfluss darauf, wie attraktiv wir es finden.

Gesichter zu erkennen und in ihnen lesen zu können, ist für uns Menschen fundamental wichtig. Denn durch sie erkennen wir Menschen wieder, erfassen ihre emotionale Stimmung und können selbst bei fremden Personen das Alter, Geschlecht und weitere erste Eindrücke ablesen. Selbst Charakterzüge wie Ehrlichkeit, Egoismus oder Aggression meinen wir am Gesicht erkennen zu können – ein Effekt, der unser Sozialverhalten und sogar Wahlen beeinflussen kann.

Allerdings: Wie wir ein Gesicht wahrnehmen, ist alles andere als objektiv. Stattdessen beeinflussen unsere Erwartungen, Vorerfahrungen und auch die Bekanntheit der Person, ob wir unseren Gegenüber für attraktiv, fröhlich oder bedrohlich halten.

Drehung steigert Attraktivität


Einen weiteren Einflussfaktor haben nun Helmut Leder und seine Kollegen von der Universität Wien entdeckt. Für ihre Studie zeigten sie ihren Versuchspersonen Bilder von Männer- und Frauengesichtern. Die Portraits wurden jedoch nur teilweise richtig herum präsentiert. Einige Bilder waren um 90 Grad, andere um 180 Grad gedreht – sie standen Kopf. Aufgabe der Teilnehmer war es., die Attraktivität und Schönheit der Gesichter zu bewerten.


Das überraschende Ergebnis: "Sowohl die gekippten als auch die auf dem Kopf stehenden Gesichter wurden attraktiver eingeschätzt als aufrechte Gesichter", berichten die Forscher. Interessant auch: Wie stark die Unterschiede waren, hing von der Schönheit der Gesichter ab: "Je weniger attraktiv ein Gesicht war, desto mehr profitierte es von der Rotation oder Umkehrung", so Leder und seine Kollegen.

So ähnlich sahen die Testgesichter jeweils aus

So ähnlich sahen die Testgesichter jeweils aus

Schablone passt nicht mehr


Was aber steckt dahinter? Der Grund ist die ungewohnte Perspektive. Unser Gehirn ordnet visuelle Informationen ein, indem es sie mit bereits gespeicherten Seheindrücken vergleicht. Weil aber beim Sehen normalerweise aufrecht stehen, sind auch diese "Schablonen" entsprechend ausgerichtet. "Wenn Dinge plötzlich auf dem Kopf stehen, ist dadurch unsere Wahrnehmung erheblich gestört", erklärt Leders Kollege Jürgen Goller.

Das führt dazu, dass wir beispielsweise selbst gut bekannte Gesichter wesentlich schwerer wiederkennen, wenn sie auf dem Kopf stehen. Auch die Mimik zu interpretieren, fällt uns bei einer solchen Oben-Unten-Umkehrung schwer. Wie sich jetzt zeigt, beeinträchtigt dieser Störeffekt offenbar auch die Bewertung der Schönheit.

Weniger "Punktabzug"


"Menschen haben subjektive Vorstellungen davon, was die Schönheit eines Gesichtes ausmacht. Diese internen Prototypen werden bei der Bewertung von Gesichtern aktiv und als Vergleichsschablone herangezogen", erklärt Leder. Als attraktiv gilt demnach ein Gesicht, das möglichst gut mit dieser Schablone übereinstimmt. Jede Abweichung führt sozusagen zum Punktabzug.

Und genau hier greift der Oben-Unten-Störeffekt: Weil wir beim umgekehrten Portrait potenziell unattraktive Abweichungen schlechter erkennen, stufen wir ein solches Gesicht automatisch als schöner ein. "Dies ist der erste Beweis, dass die Schönheit von Gesichtern tatsächlich ermittelt wird, indem unattraktive Merkmale mit dem Optimum verglichen werden", konstatieren die Forscher.

Ob es sich jedoch tatsächlich positiv auswirkt, wenn wir beispielsweise in einer Online-Partnerbörse unser Portrait auf den Kopf stellen, bleibt fraglich. (Acta Psychologica, 2017; doi: 10.1016/j.actpsy.2017.05.005)
(Universität Wien, 07.07.2017 - NPO)
 
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