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Mittwoch, 13.12.2017
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Älteste Kartoffeln Nordamerikas entdeckt

Knapp 11.000 Jahre alte Stärkereste belegen frühe Nutzung einer Wildkartoffelart

Nahrhafte Knollen: Schon vor knapp 11.000 Jahren aßen die Menschen Nordamerikas bereits regelmäßig Kartoffeln. Das belegen Körnchen von Kartoffelstärke an in Utah gefundenen Steinwerkzeugen. Die Stärke stammt von der Wildkartoffel Solanum jamesii, einer über Jahrtausende von Indianern des US-Südwestens genutzten Kartoffelart. Damit reicht die Geschichte der Kartoffel als Grundnahrungsmittel in Nordamerika weiter zurück als bisher angenommen.
Klein, aber oho: Schon vor knapp 11.000 Jahren kochten und verzehrten Menschen in Nordamerika solche Knollen der Wildkartoffel Solanum jamesii.

Klein, aber oho: Schon vor knapp 11.000 Jahren kochten und verzehrten Menschen in Nordamerika solche Knollen der Wildkartoffel Solanum jamesii.

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist schon seit Tausenden von Jahren ein wichtiges Grundnahrungsmittel der Menschheit. Zu uns nach Europa kam sie zwar wie viele andere Nutzpflanzen erst durch die Eroberung der Neuen Welt, doch dann breitete sie sich schnell aus und wurde neben Getreide einer der Hauptlieferanten für pflanzliche Stärke. Zuerst domestiziert wurde die Kartoffel wahrscheinlich vor mehr als 9.000 Jahren in Peru, wie archäologische Funde belegen.

10.900 Jahre alte Mahlsteine


Doch wie sich jetzt zeigt, könnten die Indianer Nordamerikas schon deutlich früher eine wilde Verwandte der heutigen Kartoffeln genutzt und vielleicht sogar angebaut haben. Hinweise dafür haben Lisbeth Louderback und Bruce Pavlik von der University of Utah im Ort Escalante in Utah entdeckt. Bei Ausgrabungen in einem Felsunterstand stießen sie auf knapp 11.000 Jahre alte Spuren früher Besiedelung.

Unter den Relikten waren auch Steinwerkzeuge, die zum Zermahlen von pflanzlicher Nahrung verwendet wurden. Sie bestanden aus flachen, schalenartigen Steinplatten, in die Samen oder Wurzeln gelegt wurden. Mit einem rundlichen Handmahlstein wurden diese Pflanzenteile dann zermörsert.


Stärkekörnchen von Wildkartoffeln


Das Spannende daran: An diesen Steinwerkzeugen fanden die Archäologen noch Pflanzenreste, darunter zahlreiche winzige Stärkekörnchen. Die Form und Beschaffenheit dieser Körnchen enthüllte, dass es sich um Stärkekörner der wilden Kartoffelart Solanum jamesii handeln muss. Diese Kartoffelart wächst heute nur im Südwesten der USA, war dort aber einst häufig.

Gut 9.000 Jahre alte Handmahlsteine aus dem Felsunterstand bei Escalante in Utah

Gut 9.000 Jahre alte Handmahlsteine aus dem Felsunterstand bei Escalante in Utah

"Ethnografischen Beschreibungen nach wurde diese Wildkartoffel von den Apachen, Hopi, Navajo, Peiute, Zuni und weiteren Indianervölkern verwendet", berichten die Forscher. "Die Apachen sammelten die Knollen im Spätsommer, kochten sie, schälten sie und verzehrte sie so. Manchmal wurden die Knollen aber auch getrocknet und zum Brotbacken zu Mehl zermahlen."

Auf dem Speiseplan seit 11.000 Jahren


Die neuen Funde belegen nun, dass die Wildkartoffel Solanum jamesii schon vor knapp 11.000 Jahren von den Ureinwohnern Nordamerikas genutzt und vielleicht sogar gezielt angebaut wurde – und damit früher als gedacht. "Dies ist die früheste dokumentierte Nutzung von Kartoffeln in Nordamerika", konstatieren Louderback und Pavlik.

Interessant auch: Während die Wildkartoffel in den anderen Regionen des US-Südwestens durchaus häufig ist, kommt sie in Utah nur in der Nähe alter indianischer Siedlungen vor. Nach Ansicht der Archäologen könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass die Menschen damals diese Kartoffelart sogar gezielt mitbrachten, als sie das Gebiet besiedelten. Ob diese Kartoffel vielleicht sogar schon domestiziert war, wollen die Forscher nun durch DNA-Vergleiche klären.

Typische Knolle von Solanum jamesii (rechts) und ein vergrößertes Stärkekörnchen dieser Kartoffelart.

Typische Knolle von Solanum jamesii (rechts) und ein vergrößertes Stärkekörnchen dieser Kartoffelart.

Wertvolle Nahrungsquelle


Die neuen Erkenntnisse werfen auch ein neues Licht auf den Speiseplan und die Ernährungssituation der frühen Indianer: Weil die Knollen und anderen Teile der Kartoffel schnell zerfallen und nicht erhalten bleiben, wurde ihr Beitrag zur Energiebilanz der alten Kulturen des US-Südwestens bisher weitgehend vernachlässigt, wie die Archäologen erklären.

Doch gerade diese Wildkartoffel liefert besonders viel Kalorien und wertvolle Nährstoffe: "S. jamesii ist sehr nährstoffreich, sie enthält doppelt so viel Protein, Zink und Mangan und sogar dreimal so viel Calcium und Eisen wie Solanum tuberosum", erklären die Wissenschaftler. Weil die Kartoffelpflanzen mehrjährig sind, könnten sie für die frühen Kulturen eine verlässliche und ganzjährige Quelle von Kohlenhydraten und Mineralien gewesen sein. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2017; doi: 10.1073/pnas.1705540114)
(University of Utah, 04.07.2017 - NPO)
 
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