• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 21.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Schon bald Frühwarnsysteme für Erdbeben?

Wissenschaftler verstärken Forschung

Nach der verheerenden Flutwelle im Indischen Ozean verstärken die Geophysiker und Geologen der Universität Leipzig ihre Forschungen um Geo-Risiken wie Erdbeben möglichst früh zu erkennen. Sie wollen die Menschen in den betroffenen Regionen durch rechtzeitige Warnungen besser vor deren Auswirkungen schützen.
Auch heute schon verfügen die Wissenschaftler grundsätzlich über Instrumente zur Früherkennung: Das Erdbeben, welches die Flutwelle auslöste, wurde von den Geräten der Uni-Geophysiker bereits mehrere Stunden, bevor die Welle die Küsten erreichte, registriert.

Registrierungen des Bebens am Observatorium Collm

Registrierungen des Bebens am Observatorium Collm

„Schon am 26. Dezember 2004 gegen 2 Uhr morgens war auf der Homepage unseres Institutes das Bild der Bodenerschütterung abrufbar“, berichtet Prof. Franz Jacobs vom Institut für Geophysik und Geologie an der Universität Leipzig, „das Geophysikalische Observatorium der Universität Leipzig am Collmberg hatte die Erderschütterungen bereits 14 Minuten nach Entstehung des Bebens aufgezeichnet.“

Die Flutwelle war ausgelöst worden durch ein Erdbeben, das zu den fünf stärksten seit 100 Jahren zählt. Auf einer Länge von über 1.000 Kilometern zerriss das Gestein unter dem Ozeanboden an der Nahtstelle zweier Lithosphärenplatten, und der Ozeanboden hob sich um mehrere Meter. Die Druckwellen des Bebens bewegten sich mit etwa 30-facher Schallgeschwindigkeit durch den Erdkörper. Die Wasserwelle des Tsunami jedoch bewegte sich langsamer als der Schall und war somit an den Küsten nicht nur von weitem sichtbar, sondern kündigte sich auch durch ein Geräusch wie fernes Donnergrollen an.


Frühwarnsysteme optimieren


„Die ungeheuren Ausmaße dieser Naturkatastrophe haben auch auf die Verantwortung aufmerksam gemacht, die wir Geowissenschaftler bei der Früherkennung solcher Ereignisse haben“, so Jacobs. „In Lehre und Forschung auf den Gebieten Erdbeben, Vulkanismus und Neotektonik wollen wir dazu beitragen, dass die Frühwarnsysteme optimiert werden.“ Gemeinsam mit ihrem derzeit in Leipzig weilenden indischen Kollegen Simanchal Pahdy aus Hyderabad haben die Leipziger Wissenschaftler erste Maßnahmen zur Unterstützung des dortigen National Geophysical Research Institute (NGRI) diskutiert.

Weiterhin untersuchen sie mit der Tohoku University in Sendai, Japan, die Wellenausbreitung unter Inselbögen und Vulkanen, und auch die geophysikalische Beobachtungsstation des Leipziger Institutes am Gipfel des Hochrisikovulkans Merapi auf Java, Indonesien, wird weiter zur Früherkennung von Vulkan- und Erdbebenaktivität in der Region arbeiten.

Netz von acht Beobachtungsstationen in Sachsen


Prof. Michael Korn, ebenfalls vom Institut für Geophysik und Geologie an der Universität Leipzig, leitet die Arbeitsgruppe Seismologie der deutschen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und koordiniert Forschung und Entwicklung des German Regional Seismic Networks (GRSN). Um auch eventuelle Erdbeben in Sachsen rechtzeitig zu bemerken, haben die Forscher zusätzlich ein Netz von acht Beobachtungsstationen installiert, deren Daten online in das Datenzentrum nach Leipzig übertragen werden - so kann etwa im Falle eines nahenden Erdbebens die Bevölkerung frühzeitig gewarnt werden. Zudem wird in Kürze ein Erdbebendienst Sachsen eingerichtet, der gemeinsam von der Universität Leipzig und der TU Freiberg betrieben werden wird. Und schließlich beteiligt sich die Universität Leipzig an den UNESCO-Trainingskursen des Geo-Forschungszentrums Potsdam für Seismologen aus Entwicklungsländern.

Jacobs hofft, dass in Zukunft noch mehr für die Früherkennung von Naturkatastrophen getan und den Betroffenen effizient geholfen werden kann: „Die Bemühungen der Wissenschaftler um Katastrophenhilfe werden langwierig und schwierig, aber nicht vergeblich sein.“
(idw – Universität Leipzig, 04.01.2005 - DLO)
 
Printer IconShare Icon