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Dienstag, 17.10.2017
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Teenager: Testosteronschub macht ungeduldig

Mit steigendem Hormonspiegel wächst die jugendliche Ungeduld

Geduld ist nicht ihre Stärke: Wenn Teenager etwas wollen, kann es ihnen meist nicht schnell genug gehen. Doch woran liegt das? Forscher machen nun den sprunghaften Anstieg des Testosteronspiegels in der Pubertät für die berühmt-berüchtigte jugendliche Ungeduld verantwortlich. Denn ihre Experimente zeigen: Je höher der Hormonspiegel, desto stärker sind männliche Heranwachsende auf schnelle Belohnungen fixiert.
In der Pubertät verändern sich die Hormone und auch das Gehirn der Jugendlichen wird umgebaut.

In der Pubertät verändern sich die Hormone und auch das Gehirn der Jugendlichen wird umgebaut.

Teenager ticken anders: Kommen Kinder in die Pubertät, verändert sich ihr Verhalten oft radikal. Sie werden nicht nur reizbarer und unberechenbarer – auch Geduld ist für sie plötzlich ein Fremdwort. Selbst wenn sich Warten auszahlen würde, muss es für die Jugendlichen dann häufig sofort sein. Nicht zu Unrecht wird ihnen daher nachgesagt, nur auf die akute Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse fixiert zu sein.

Studien legen nahe, dass der Drang nach schneller Belohnung das Verhalten von Heranwachsenden tatsächlich ungewöhnlich stark beeinflusst. Demnach scheinen bestimmte Hirnregionen bei ihnen viel stärker belohnungsorientiert zu sein als bei Erwachsenen. Wissenschaftler um Corinna Laube vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin haben nun erstmals untersucht, welche Rolle die Hormone für die jugendliche Ungeduld spielen.

Die Qual der Wahl


Für ihre Studie untersuchten die Forscher, wie impulsiv Teenager im Alter zwischen elf und 14 Jahren Entscheidungen treffen. Weil Jungen gemeinhin als ungeduldiger gelten als Mädchen, konzentrierten sie sich dabei auf männliche Heranwachsende. Für das Experiment gaben die 72 Probanden zunächst zwei morgendliche Speichelproben zur Bestimmung ihres Testosteronspiegels ab.


Anschließend absolvierten sie einen Entscheidungstest. Insgesamt 80-mal hatten die Jugendlichen dabei die Wahl zwischen unterschiedlichen, hypothetischen Geldbeträgen. Konkret konnten sie zwischen einem baldigen, kleineren Geldbetrag oder einem höheren Geldbetrag in der ferneren Zukunft wählen.

Entscheidung für das schnelle Glück


Wie erwartet zeigte sich ein Großteil der Teenager empfänglicher für unmittelbare Belohnungen. Demnach entschieden sich im Schnitt zwei Drittel der Studienteilnehmer für den kleineren Geldbetrag, der schneller zu haben war. Das eigentlich Interessante daran: Die Sensibilität für das "schnelle Glück" stand deutlich mit dem Testosteronlevel in Verbindung, wie das Team berichtet. Demnach scheint es der sprunghafte Anstieg dieses Hormons zu sein, der belohnungsbezogene Hirnregionen wie das Stratium gewissermaßen in einen Ausnahmezustand versetzt.

Das rein chronologische Alter könne die Empfänglichkeit für unmittelbare Belohnungen hingegen nicht erklären, sagt Laube: "Unsere Untersuchung macht deutlich, dass in entwicklungspsychologisch orientierten Studien gerade das pubertäre Alter – gemessen an der körperlichen und hormonellen Reife – berücksichtigt werden sollte."

Testosteron schuld an Ungleichgewicht?


In einer Vorgänger-Studie hatten die Wissenschaftler bereits gezeigt, dass die erhöhte Impulsivität von Jugendlichen auf ein Ungleichgewicht in der Reifung des affektiven Netzwerkes und des kognitiven Kontrollnetzwerks im Gehirn sowie ihrer Verbindungen zurückzuführen ist. Künftig gelte es nun zu untersuchen, inwieweit das Testosteron dieses Ungleichgewicht beeinflusst und somit die Anfälligkeit für impulsive Entscheidungen erklärt, schreibt das Team.

"Impulsivität gehört zum Erwachsenwerden und ist Teil einer gesunden Entwicklung", betont Laubes Kollege Wouter van den Bos. "Jugendliche eignen sich damit neue Fähigkeiten an, die sie als eigenständiges Individuum brauchen. Doch Jugendliche können sich mit ihrem impulsiven Verhalten auch schaden."

Eltern und Lehrer müssen sich mit dieser mitunter nervenaufreibenden Charaktereigenschaft ihrer Zöglinge wohl oder übel für eine gewisse Zeit abfinden. Eine gute Strategie scheint jedoch zu sein, sich diese zumindest zunutze zu machen: "Aus erzieherischer Perspektive kann es vor dem Hintergrund der vorliegenden Studienergebnisse ratsam sein, gutes Verhalten von Jugendlichen kurzfristiger zu belohnen, anstatt auf Belohnungen in der Zukunft zu verweisen", lautet die Empfehlung der Forscher. (Psychoneuroendocrinology, 2017; doi: 10.1016/j.psyneuen.2017.03.012)
(Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 16.05.2017 - DAL)
 
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