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Mittwoch, 18.10.2017
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Gesund auf dem Weg zur Arbeit

Das Risiko von Krebs und Herzkrankheiten lässt sich durch regelmäßiges Radeln massiv senken

Überraschend großer Effekt: Wer täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, senkt sein Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um fast die Hälfte. Dies legt eine großangelegte Studie mit über 250.000 Teilnehmern nahe. Die aktive Bewegung auf dem Arbeitsweg fördert die Gesundheit damit mehr als landläufig angenommen – und verringert auch das Risiko, früher zu sterben. Ebenfalls profitiert, wer zu Fuß zur Arbeit geht – wenn auch weniger stark.
Mit dem Fahrrad zur Arbeit: So kann man das Krebsrisiko um fast 50 Prozent senken.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit: So kann man das Krebsrisiko um fast 50 Prozent senken.

Dass Sport die Gesundheit fördert, ist keine Überraschung. Doch oft fehlen Zeit und die Motivation zur körperlichen Betätigung. Dabei muss niemand sieben Tage in der Woche Höchstleistungen abliefern, um positive Effekte zu erzielen. Schon 150 Minuten mäßige Bewegung können das Krankheits- und Sterberisiko deutlich senken, wie Studien belegen.

Wer diese Zeit nicht am Wochenende opfern will, kann sie problemlos im Arbeitsalltag unterbringen: einfach den Weg zum Job ganz oder teilweise mit dem Fahrrad zurücklegen. Denn Radfahren entlastet mehr als nur Verkehr und Umwelt, wie einmal mehr eine neue Studie zur Gesundheit von Berufstätigen untermauert.

Viele Wege führen zur Arbeit


Carlos Celis-Morales und seine Kollegen von der Universität Glasgow werteten dafür Daten von 264.337 Teilnehmern aus. Die Forscher analysierten, wie die Menschen ihren täglichen Arbeitsweg bestritten und teilten die Probanden nach ihren Gewohnheiten in verschiedene Kategorien ein.


Sie unterschieden dabei Berufstätige, die ihren Arbeitsweg komplett zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegten und solche, die ausschließlich motorisierte Transportmittel wie Autos benutzten. Als Übergang zwischen diesen Typen definierten sie die teilaktiven Berufstätigen, die mit einer Mischung aus öffentlichem Nahverkehr und zu Fuß- beziehungsweise mit dem Fahrrad zur Arbeit gelangten.

Krebsrisiko fast halbiert


Über einen Zeitraum von fünf Jahren verfolgten die Forscher das Verhalten der Teilnehmer und glichen es mit Angaben zu deren Gesundheit und weiteren Daten ab. Das Hauptergebnis fasst Koautor Jason Gill zusammen: "Das teilweise oder komplette Zurücklegen des Arbeitsweges mit dem Rad war eng mit einem deutlich geringeren Risiko von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit verknüpft."

Im Speziellen sei bei den Radfahrern das Risiko von Herzkrankheiten um 46 Prozent und das Krebsrisiko um 45 Prozent geringer als bei der nicht-aktiven Gruppe, so die Forscher. Generell hatten die Radfahrer ein 41 Prozent geringeres Risiko, frühzeitig durch Krankheit zu sterben - vorausgesetzt sie legten über die gesamten fünf Jahre der Beobachtungszeit ihre Arbeitswege vollständig mit dem Rad zurück.

Fußgänger profitieren kaum


Bei den Fußgängern fanden die Wissenschaftler zwar auch einen positiven Effekt in Form eines verringerten Risikos von Herzerkrankungen. "Aber anders als bei Radfahren waren keine Zusammenhänge mit einem deutlich verringertem Krebsrisiko oder den Todesfällen im Allgemeinen festzustellen", berichtet Celis-Morales.

Ähnliches ergab sich für die Gruppe der teilaktiven Berufstätigen. Diese zeigten der Studie zufolge nur dann Verbesserungen der Gesundheit, wenn der aktive Part der Strecke mit dem Rad und nicht zu Fuß bewältigt wurde. Und auch dann war der Effekt deutlich schwächer als bei den reinen Radfahrern.

Den Grund für die weniger starken Gesundheitsvorzüge der Fußgänger vermutet Celis-Morales in der Länge der zurückgelegten Wegstrecke: "Die Fußgänger legten kürzere Distanzen zurück als die Radfahrer - meist 9,5 Kilometer pro Woche im Vergleich zu 48 Kilometer pro Woche - und Laufen ist generell weniger anstrengend als Radfahren."

Denkanstoß für die Politik


Trotz der großen Anzahl an Teilnehmern in der Studie betonen die Forscher, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt. Gesicherte Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung lassen sich ihnen zufolge nicht daraus ableiten. Nichtsdestotrotz stimmen die Ergebnisse aber gut mit anderen Studien zu dem Thema überein.

Celis-Morales und seine Kollegen hoffen daher, mit ihrer Forschung die Politik auf die Wichtigkeit der Förderung des Fahrradfahrens aufmerksam zu machen. "Die Ergebnisse der Studie sind ein klarer Weckruf für politische Maßnahmen, einen aktiven Arbeitsweg zu fördern. Denn dies hat das Potential, die allgemeine Gesundheit zu verbessern, indem es verbreiteten und kosten-verursachenden Krankheiten vorbeugt", kommentiert Lars Bo Andersen von der Westnorwegischen Universität für angewandte Wissenschaften. (BMJ, 2017; doi: 10.1136/bmj.j1456)
(University of Glasgow, 20.04.2017 - CLU)
 
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