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Freitag, 26.05.2017
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Hunde gegen Allergien und Übergewicht?

Früher Kontakt mit Haustieren verändert die Darmflora von Kindern

Hund als Schutz: Wenn Kinder von klein auf mit Haustieren aufwachsen, profitiert ihr Immunsystem. Eine Studie zeigt nun, warum das so ist. Demnach verändert der Kontakt mit Hunden oder anderen Vierbeinern während der ersten Lebensmonate die Darmflora der Kinder - und auch im Mutterleib profitieren Ungeborene bereits von einem Tier im Haushalt. Denn dank der pelzigen Mitbewohner reichern sich Mikroben im Darm an, die Forscher mit einem geringeren Risiko für zahlreiche Allergien sowie Übergewicht in Verbindung bringen.
Schützender Effekt: Der Kontakt mit Hunden kann vorbeugend gegen Allergien wirken.

Schützender Effekt: Der Kontakt mit Hunden kann vorbeugend gegen Allergien wirken.

Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis: Allergische Erkrankungen manifestieren sich oft schon im Kindesalter. Die Ursachen dafür sind neben der genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren wie Feinstaub, die Ernährung des Kindes oder der fehlende Kontakt mit bestimmten Bakterien.

Gleichzeitig zeigen mehrere Studien: Es trainiert das Immunsystem, wenn kleine Kinder frühzeitig mit potenziellen Allergieauslösern in Berührung kommen. So lassen sich etwa Lebensmittelallergien gegen Erdnüsse oder Eier vorbeugend wegessen - und auch der Kontakt mit Dreck, Tieren und deren Absonderungen wirkt sich positiv aus: Wachsen Kinder zum Beispiel von klein auf mit Hunden auf, verringert sich ihr Asthmarisiko.

Darmflora im Blick


Worauf dieser schützende Effekt der Hunde beruht, wussten Forscher bislang allerdings nicht. Ein Team um Hein Tun von der University of Alberta in Kanada hat nun jedoch Hinweise darauf gefunden, was der Kontakt mit den Vierbeinern im kindlichen Organismus auslöst. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 746 Kinder und begleiteten deren Mütter vor sowie nach der Geburt.


Die teilnehmenden Frauen wurden einmal im zweiten oder dritten Trimester der Schwangerschaft und einmal drei Monate nach der Geburt zu Haustieren in ihrem Haushalt befragt. Außerdem entnahmen die Forscher den Kindern im Alter von rund drei Monaten Stuhlproben zur Analyse. Denn es ist bekannt, dass die Darmflora einen großen Einfluss auf das Immunsystem ausübt.

Mehr "gute" Mikroben


Das Ergebnis der Auswertung: Kinder, die im Mutterleib und in ihren ersten Lebensmonaten mit pelzigen Haustieren wie Hunden oder Katzen im Haushalt aufwuchsen, fielen durch eine andere Mikrobengemeinschaft in ihrem Darm auf. Zwei Gattungen von Bakterien waren bei ihnen weitaus häufiger vertreten als bei Kindern aus ähnlichen Verhältnissen ohne Haustier: Ruminococcus und Oscillospira.

Die Konzentration dieser Keime sei im Stuhl der Kinder mit Haustier um das Zweifache erhöht gewesen, berichten die Wissenschaftler. Das Besondere dabei: Ruminococcus- und Oscillospira-Bakterien wurden in jüngsten Studien mit einem geringeren Risiko für Allergien und Übergewicht bei Kindern in Zusammenhang gebracht.

"Hund in Tablettenform"?


Tuns Team vermutet, dass der gesundheitsfördernde Effekt vom Tier über die Mutter auf das Kind übertragen wird. Denn das Mikrobiom der Kinder entwickelte sich auch dann besonders positiv, wenn der Kontakt mit Hunden und Co ausschließlich indirekt im Mutterleib stattfand - etwa wenn die Eltern das Haustier kurz vor der Geburt weggegeben hatten.

Der die Abwehrkräfte stärkende Mechanismus tritt dabei offensichtlich auch unter Bedingungen auf, die das Immunsystem von Säuglingen und Kleinkindern bekanntermaßen schwächen können: zum Beispiel wenn die Geburt per Kaiserschnitt stattfindet, die Mutter unter der Geburt Antibiotika verabreicht bekommt oder das Neugeborene nicht gestillt wird.

In Zukunft könnte der positive Einfluss von Haustieren auf das Immunsystem von Kleinkindern womöglich auch erzielt werden, ohne sich einen Hund anschaffen zu müssen, glaubt Tuns Kollegin Anita Kozyrskyj: "Die Pharmaindustrie könnte ein Nahrungsergänzungsmittel mit den von uns identifizierten Mikroben herstellen - sozusagen als eine Art Hund in Tablettenform." (Microbiome, 2017; doi: 10.1186/s40168-017-0254-x)
(University of Alberta, 11.04.2017 - DAL)
 
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