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Mittwoch, 20.09.2017
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Macht Progesteron bisexuell?

Hormonkontakt im Mutterleib könnte sexuelle Orientierung beeinflussen

Prägender Effekt? Das Hormon Progesteron könnte sich schon im Mutterleib nachhaltig auf unsere sexuelle Orientierung auswirken. Eine Pilotstudie zeigt: Männer und Frauen, deren Mütter das Hormon während der Schwangerschaft zu Therapiezwecken eingenommen haben, beschreiben sich später häufiger als nicht heterosexuell. Stattdessen fühlen sie sich überdurchschnittlich oft zu beiden Geschlechtern hingezogen.
Das Hormon Progesteron könnte sich schon im Mutterleib auf die spätere sexuelle Orientierung auswirken.

Das Hormon Progesteron könnte sich schon im Mutterleib auf die spätere sexuelle Orientierung auswirken.

Der Körper von Männern und Frauen produziert natürlicherweise das Sexualhormon Progesteron. Der Botenstoff reguliert unter anderem den weiblichen Zyklus und ermöglicht während einer Schwangerschaft das Heranreifen des Kindes im Mutterleib. Zudem ist Progesteron bei der Produktion weiterer Sexualhormone involviert und spielt auch für die Entwicklung von Steroidhormonen eine Rolle, die Stressreaktionen und Entzündungsprozesse steuern.

Aufgrund seiner Wirkung wird das Hormon oft zur Vorbeugung von Komplikationen während der Schwangerschaft eingesetzt. Mediziner verschreiben werdenden Müttern zum Beispiel Progesteron, um drohende Fehl- und Frühgeburten zu vermeiden oder das Gewicht des Ungeborenen zu erhöhen. Wissenschaftler um June Reinisch vom Kinsey Institute in Bloomington haben nun Hinweise darauf entdeckt, dass der Kontakt mit den zusätzlichen Hormonen Kinder womöglich ein Leben lang prägt.

Einfluss auf die sexuelle Identität?


Das Progesteron, so die These, könnte sich auf die spätere sexuelle Orientierung der Ungeborenen auswirken. Zu diesem Schluss kommen die Forscher, nachdem sie die Entwicklung von 34 dänischen Kindern mitverfolgt haben, deren Mütter während der Schwangerschaft das Progesteron Lutocyclin eingenommen hatten.


Die 17 weiblichen und 17 männlichen Probanden wurden zwischen 1959 und 1961 im Universitätsklinikum Kopenhagen geboren und im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zu ihrer sexuellen Orientierung und ihrem bisherigen Sexualverhalten befragt. Diese Antworten verglich das Team schließlich mit jenen aus einer Kontrollgruppe. Diese Teilnehmer waren im Mutterleib nicht mit hormonellen Medikamenten in Berührung gekommen, hatten bezogen auf medizinische und sozioökonomische Faktoren jedoch einen ähnlichen Hintergrund.

Signifikanter Unterschied


Die Auswertung ergab: Männer und Frauen, deren Mütter während der Schwangerschaft Progesteron eingenommen hatten, beschrieben sich signifikant häufiger als nicht heterosexuell. Immerhin jeder Fünfte aus dieser Gruppe gab an, sich nicht ausschließlich zum anderen Geschlecht hingezogen zu fühlen.

Stattdessen beschrieben sich diese Teilnehmer überdurchschnittlich oft als bisexuell oder homosexuell. Zudem war es deutlich wahrscheinlicher, dass sie bereits an gleichgeschlechtlichen, sexuellen Aktivitäten beteiligt gewesen waren. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass der vorgeburtliche Kontakt mit Progesteron einen langfristigen Effekt auf unsere Sexualität und unser Sexualverhalten hat", sagt Reinisch.

Die Gabe anderer Progesterone und die natürlichen Schwankungen des mütterlichen Sexualhormons könnten diese Entwicklung ebenfalls beeinflussen, glauben die Forscher. Welche Rolle der Botenstoff jedoch tatsächlich für die Entwicklung des menschlichen Verhaltens spiele, müssten nun weitere Studien zeigen. (Archives of Sexual Behavior, 2017; doi: 10.1007/s10508-016-0923-z)
(Springer Nature, 05.04.2017 - DAL)
 
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