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Donnerstag, 21.09.2017
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Felskunst: Rätsel um die Punkte

Waren die gepunkteten Felsbilder eher künstlerische Technik als Ritual?

Streit um Interpretation: In Frankreich haben 16 neue Felsbilder aus der Zeit vor rund 38.000 Jahren entdeckt. Sie zeigen unter anderem ein Mamut, vor allem aber viele aus Punkten zusammengesetzte Formen. Nach Ansicht der Forscher nutzten die Steinzeitmenschen diese Punkte ähnlich wie die Pointilisten der neuzeitlichen Malerei – als künstlerische Technik. Andere Archäologen jedoch vermuteten bisher eher eine rituelle Bedeutung.
Felskunst aus dem Abri Cellier: Die Kante des Steins und die Punkte zusammen bilden das Mammut.

Felskunst aus dem Abri Cellier: Die Kante des Steins und die Punkte zusammen bilden das Mammut.

Die Höhlenmalerei und Felsritzungen unserer Vorfahren zeigen nicht nur Tiere, Menschen oder Handabdrücke – und damit eindeutige Abbilder ihrer Lebensumwelt. Einige Felsbilder bestehen auch aus abstrakten Formen wie Linien und Punkten. Gerade die Bedeutung der Punktmotive, die unter anderem in der auf der Schwäbischen Alb und kürzlich im französischen Abri Blanchard entdeckt wurden, gibt Rätsel auf.

Ein Mammut und viele Punkte


Jetzt haben Randall White von der New York University weitere solcher gepunkteten Felsbilder entdeckt. Bei dem Fund handelt es sich um 16 Kalksteinblöcke aus dem Abri Cellier, einem prähistorischen Felsunterstand in der Dordogne. Auf einigen Steinblöcken sind Tierumrisse zu erkennen, die teilweise nur durch die entsprechend zurechtgehauene Kante des Felsblocks und punktierte Flächen gebildet werden.

Datierungen ergaben, dass diese Felskunst bereits rund 38.000 Jahre alt ist. Sie wurde damit etwa zur gleichen Zeit hergestellt, wie das ganz ähnliche Felsbild eines Auerochsen im nahegelegenen Abri Blanchard. Gleichzeitig gehören sie zu den ältesten Kunstwerken überhaupt, die von Steinzeitmenschen in Europa bekannt sind.


Auch dieses im Abri Blanchard entdeckte Auerochsen-Bild ist aus Punkten zusammengesetzt, zeigt aber zusätzlich eine Umrisslinie.

Auch dieses im Abri Blanchard entdeckte Auerochsen-Bild ist aus Punkten zusammengesetzt, zeigt aber zusätzlich eine Umrisslinie.

Künstlerische Technik statt Ritual?


Doch was hat es mit den Punkten auf sich? Nach Ansicht von White und seine Kollegen könnten unsere Vorfahren sie schon damals ähnlich eingesetzt haben, wie die Pointilisten in der Malerei der klassischen Modernes. Diese Maler, darunter Seurat, van Gogh oder Pissarro, ersetzten die flächigen Texturen der dargestellten Objekte durch farbige Punkte oder Pinselstriche.

Nach Ansicht der Archäologen könnten die Steinzeit-Künstler die Punkte aus ganz ähnlichen Gründen eingesetzt haben: Sie dienten möglicherweise als Ersatz für farbige Flächen oder bestimmte Texturen des Originals. Entgegen der Meinung anderer Forscher sehen sie in den Punkten daher eher ein künstlerisches Stilmittel als eine rituelle Bedeutung.

"Bei modernen Künstlern sind wir mit dieser Technik sehr vertraut", sagt White., "Jetzt jedoch können wir bestätigen, dass diese Art der Bilderzeugung bereits bei der ältesten menschlichen Kultur Europas, dem Aurignacien, praktiziert wurde." (Quaternary, 2017)
(New York University, 27.02.2017 - NPO)
 
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