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Mittwoch, 24.05.2017
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Angststörung: Gene sind mitschuld

Forscher finden Risikomutationen für Angst- und Panikerkrankungen

Genetische Basis: Forscher haben Varianten eines Gens entdeckt, die die Entstehung von Angst- und Panikstörungen begünstigen könnten. Mindestens vier Mutationen scheinen demnach das Risiko für eine solche Erkrankung zu erhöhen. Im Gehirn von Betroffenen kommt es durch die Veranlagung offenbar zu überschießenden Reaktionen des "Furchtnetzwerks". Die Erkenntnisse könnten nun neue Ansätze für Therapien bieten.
Gelähmt vor Angst: Viele Angstpatienten ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück.

Gelähmt vor Angst: Viele Angstpatienten ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück.

Rund 15 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leiden an einer Angst- oder Panikstörung, die behandelt werden muss. Manche Betroffenen verspüren extreme Angst vor Spinnen oder anderen Objekten, andere bekommen in engen Räumen oder in Menschenansammlungen Atemnot. Einige erleiden die Angstzustände aber auch ohne konkreten Anlass. Für viele Patienten ist der Alltag durch die Erkrankung stark beeinträchtigt – sie haben oft Probleme im Beruf und ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück.

Doch wie kommt es dazu? Bei der Entstehung von Angststörungen mischen ganz unterschiedliche Faktoren mit. Bekannt ist zum Beispiel, dass frühkindliche Traumata das Risiko dafür erhöhen. Doch auch andere psychische und soziale Aspekte spielen eine Rolle dabei. Darüber hinaus scheint es zudem eine erbliche Veranlagung für solche Erkrankungen zu geben.

Vier Mutationen im Fokus


Wissenschaftler um Jürgen Deckert von der Psychiatrischen Universitätsklinik in Würzburg haben nun einen bislang unbekannten genetischen Weg entdeckt, auf dem sich Angst- und Panikstörungen entwickeln könnten. Bei einer genomweiten Assoziationsstudie stießen sie auf einen Zusammenhang zwischen bestimmten Varianten eines Gens und von den Probanden berichteten Angstzuständen.


Weitere Untersuchungen bekräftigten schließlich die erste Beobachtung. Insgesamt wertete das Team die Daten von über 5.000 Teilnehmern und mehr als 500 Angstpatienten aus: Demnach sind offenbar mindestens vier Varianten des Gens Glycin-Rezeptor B, kurz GLRB, Risikofaktoren für Angsterkrankungen.

Überreaktion des "Furchtnetzwerks"


Für die Forscher ist dieses Gen kein Unbekannter. Ihnen ist es bereits in Verbindung mit einer anderen Krankheit ein Begriff: "Manche Mutationen des Gens verursachen eine seltene neurologische Erkrankung, die Hyperekplexie", erklärt Deckert. Dabei sind die Muskeln der Patienten ständig überspannt und in Schrecksituationen kommt es bei ihnen zu einer überschießenden Reaktion.

Es sind aber nicht die bereits bekannten Mutationen, sondern wieder andere Varianten des Gens GLRB, die nun erstmals mit Angst- und Panikstörungen in Zusammenhang gebracht werden. Sie treten häufiger auf und haben vermutlich nicht so schwere Auswirkungen, berichten die Forscher. Doch auch sie scheinen zu überschießenden Schreckreaktionen zu führen. Das zeigte ein Blick ins Gehirn der Probanden. Demnach kommt es bei Trägern der Mutationen zu einer übermäßigen Aktivierung des "Furchtnetzwerkes" im Gehirn.

Neuer Ansatz für Therapien?


"Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass hier ein bisher nicht bekannter Weg zur Entwicklung einer Angsterkrankung vorliegt", sagt Deckert. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, ob sich diese Erkenntnis für die Entwicklung neuer oder individueller Therapien nutzen lässt. Denkbar ist es zum Beispiel, das vom Gen GLRB falsch regulierte "Furchtnetzwerk" mit Medikamenten wieder auf die richtige Bahn zu bringen. (Molecular Psychiatry, 2017; doi: 10.1038/mp.2017.2)
(Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 23.02.2017 - DAL)
 
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