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Samstag, 21.10.2017
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Das geheime Leben der Delfine

Rückenkameras gewähren einzigartigen Blick auf die Meeressäuger

Tierisch gute Perspektive: Forscher haben Delfine mit Rückenkameras ausgestattet und so einmalige Einsichten in das Leben der Tiere in der freien Natur erhalten. Ob beim Spiel, bei der Jagd oder der Jungenaufzucht: Entstanden sind Aufnahmen, die bisher selten beobachtete Situationen zeigen und die Wissenschaftler die Welt aus der Perspektive der Meeressäuger sehen lassen. Die Methode soll künftig dabei helfen, Delfine und andere marine Tiere besser zu verstehen.
Delfine - intelligente und soziale Meeressäuger

Delfine - intelligente und soziale Meeressäuger

Wohl kaum ein Tier übt eine so starke Faszination auf uns aus wie der Delfin. Kein Wunder: Die Meeressäuger sind intelligente Tiere, die in hochkomplexen sozialen Verbänden leben und einzigartige Fähigkeiten besitzen. Wie der Mensch tun sich Delfine am liebsten mit Gleichgesinnten zusammen und bilden wahre Cliquen. Sie sind die einzigen Tiere, die sich untereinander Namen geben - und diese selbst nach 20 Jahren Trennung nicht vergessen. Außerdem sind sie so findig, dass sie für die Nahrungssuche mitunter sogar Werkzeuge benutzen.

Die Meeressäuger sind gut erforscht. Trotzdem liegt vieles über ihr Leben nach wie vor im Verborgenen. Wissenschaftler um Heidi Pearson von der University of Alaska Southeast in Juneau haben sich nun vorgenommen, auch die letzten Geheimnisse der Delfine zu lüften. Sie wollten wissen: Was machen die Tiere, wenn sie unter sich sind und gerade nicht von Menschen beobachtet werden?

Abgetaucht: Die Filmaufnahmen zeigen das natürliche Verhalten der Delfine im freien Meer.


Seetang-Spiel und Kuschelstunde


Um das herauszufinden, probierten die Forscher eine neue Methode aus: Mithilfe von Saugnäpfen befestigten sie spezielle Kameras auf dem Rücken vorbeischwimmender Delfine und zogen sich dann zurück. "Es gab keine Filmcrews unter Wasser und die Tiere nahmen die Kameras praktisch gar nicht wahr. Das gab uns die Möglichkeit, völlig neue Einblicke zu erlangen", berichtet Gabriel Machovsky-Capuska von der University of Sydney.


Acht Schwarzdelfine (Lagenorhynchus obscurus), die vor der Küste Neuseelands leben, begleitete das Team auf diese Weise von Dezember 2015 bis Januar 2016. Das Ergebnis: Mehr als 535 Minuten Videomaterial, das das natürliche Verhalten der Meeressäuger in freier Wildbahn zeigt. Die Forscher sahen die Delfine jagen oder mit Seetang spielen und wurden Zeuge intimer Momente. Sie beobachteten zum Beispiel, dass Delfine ihre Flossen liebevoll aneinander reiben. Auch extrem selten dokumentierte Situationen wie Interaktionen zwischen Müttern und Kälbern waren dabei.

Dank der angehängten Kameras bekamen die Forscher interessante Einblicke in das Leben der Schwarzdelfine.

Dank der angehängten Kameras bekamen die Forscher interessante Einblicke in das Leben der Schwarzdelfine.

Aus der Perspektive der Tiere


Dieser Erfolg bestärkt die Wissenschaftler darin, ihren Ansatz auch in Zukunft für die Erforschung der Meeressäuger einzusetzen und die Tiere so hoffentlich noch besser zu verstehen. "Von der Meeresoberfläche aus können wir höchstens zehn Prozent von dem sehen, was in dem Leben der Delfine vor sich geht. Mit den Kameras hingegen nehmen wir die Perspektive der Tiere ein und bekommen viel mehr mit", sagt Pearson.

Zum Beispiel können Forscher mit dieser Methode die Herausforderungen nachvollziehen, mit denen die Meeressäuger konfrontiert werden: "In Gegenden, wo es viele Störungen durch den Menschen gibt, zeigen uns die Daten, wie sich bestimmte Stressoren auf Faktoren wie die Nahrungssuche, die Fortpflanzung und die Aufzucht von Jungen auswirken", sagt Pearson.

Einsatz auch bei Haien?


Gleichzeitig offenbare der Blick auf die Delfine Informationen über den Zustand ihres Lebensraums und dem anderer Arten - etwa Beutetiere wie Tintenfische. Der Einsatz der Kameras ist dem Team zufolge nicht nur bei Delfinen denkbar. Die Geräte sollen künftig weiterentwickelt werden und an anderen Walen und an Haien getestet werden. (Marine Biology, 2017; doi: 10.1007/s00227-017-3079-z)
(The University of Sydney, 23.02.2017 - DAL)
 
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