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Sonntag, 19.11.2017
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Sind Zweisprachige kreativer?

Bilingualität verbessert die Assoziationsfähigkeit

Einfallsreich dank Zweisprachigkeit: Wer zwei Sprachen lernt und spricht, trainiert seine kreative Denkleistung. Forscher konnten zeigen: Bilingual aufgewachsene Menschen sind in Assoziationstests einfallsreicher als einsprachige Mitstreiter. Insbesondere kommen sie häufiger auf kreative Analogien. Dies spricht dafür, das Zweisprachige eher abseits des Mainstreams denken und flexibler assoziieren können.
Zweisprachigkeit trainiert das Gehirn

Zweisprachigkeit trainiert das Gehirn

Die Sprache ist nicht nur ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Sie prägt und verändert auch unsere Wahrnehmung und unser Gehirn. Bei Menschen, die zwei Sprachen beherrschen oder sogar zweisprachig aufwachsen, zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich. So verarbeiten Zweisprachige grundlegende Laute generell effektiver als Einsprachige.

Außerdem lernt ihr Gehirn, die Laute der verschiedenen Sprachen in jeweils eigenen Bereichen zu verarbeiten und effektiv umzuschalten. Diese Form des Gehirnjoggings kann sogar das Auftreten von Alzheimer verzögern.

Erklärungen für erfundene Begriffe


Wissenschaftler vermuten, dass das ständige Jonglieren mit zwei Sprachen womöglich auch die Kreativität fördert. Um das zu überprüfen, hat Alexander Onysko von der Alpen-Adria-Universität im österreichischen Klagenfurt bilingual und einsprachig aufgewachsene Menschen bei einem Assoziationstest auf die Probe gestellt.


Während eines Aufenthalts in Neuseeland konfrontierte der Sprachwissenschaftler 117 Erwachsene mit frei erfunden, aus zwei Wörtern zusammengesetzten Begriffen - beispielsweise "spider cafeteria". Unter den Probanden waren Personen, die entweder Englisch und Maori, Englisch und eine andere Sprache oder nur Englisch sprachen. Ihre Aufgabe: Sie sollten beschreiben, was die ihnen vorgelegten Begriffe bedeuten könnten.

Wer assoziiert wie?


Würden die Zweisprachigen auf andere Antworten kommen als die Einsprachigen? Für die Auswertung der Ergebnisse teilten Onysko und seine Kollegen die Antworten in drei Kategorien ein: Als figurative Assoziationen werteten sie jene Erklärungen, die sich in bildlicher Weise an einer Interpretation versuchten. Ein Beispiel: Der Proband assoziert die Spinne mit dem Spinnennetz, auf Englisch also "web", was wiederum auch für Internet stehen kann. Er gibt deshalb als Antwort "internet cafe". Als wörtliche Assoziationen galten Beschreibungen wie "a cafe with spiders inside".

In die dritte Kategorie fielen die sogenannten analogen Assoziationen. In diesem Fall greift der Testteilnehmer auf bereits vorhandene Begriffe in seinem Sprachschatz zurück und stellt dazu eine kreative Analogie her - der "bucket philosopher" wird in Analogie zur "bucket list" etwa als "philosopher who does everything from a list" beschrieben.

Mehr kreative Analogien


Es zeigte sich: Während die figurativen und wörtlichen Assoziationen bei allen Probanden ungefähr gleich häufig vorkamen, war bei den analogen Assoziationen ein deutlicher Unterschied zwischen Mono- und Bilingualen festzustellen. So kamen die Zweisprachigen viel öfter als ihre einsprachigen Mitstreiter auf einfallsreiche Analogien.

Für Onysko ist das ein Hinweis darauf, dass Zweisprachigkeit tatsächlich kreativer macht. "Wir sind vom Konzept des divergenten Denkens ausgegangen. Das heißt, Kreative denken weniger linear, ihre Gedanken sind breiter gestreut und sie kommen so eher auf Ideen abseits des Mainstreams", erklärt er. Kreativ assoziieren und Analogien herstellen zu können, deutet der Forscher als Merkmal eines solchen divergenten Denkens.

Erhöhte Sprachaktivität macht flexibler


Doch warum sind die Zweisprachigen offenbar besser in der Lage dazu, von verschiedenen kreativen Assoziationsprozessen Gebrauch zu machen? "Wir gehen davon aus, dass bei Mehrsprachigen insgesamt mehr Sprachaktivität im Gehirn passiert und daher die Fähigkeit, flexibel zu assoziieren, erhöht ist", schließt Onysko. (International Journal of Bilingualism, 2017; doi: 10.1177/1367006914566081)
(Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, 08.02.2017 - DAL)
 
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