• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 18.08.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Stress: Das Geschlecht macht den Unterschied

Männer und Frauen reagieren auf stressige Situationen anders

Männer und Frauen ticken anders – auch in Sachen Stress. Forscher haben nachgewiesen, dass der Körper auf stressige Situationen je nach Geschlecht unterschiedlich reagiert: Beispielsweise schüttet er andere Hormone aus. Auch bei der Stressbewältigung stellten die Wissenschaftler deutliche Unterschiede fest. Im Experiment konnten männliche Probanden ihre negativen Gefühle besser kontrollieren als ihre weiblichen Mitstreiter.
Geschlechtsspezifischer Unterschied: Stress löst bei Frauen andere Reaktionen aus als bei Männern.

Geschlechtsspezifischer Unterschied: Stress löst bei Frauen andere Reaktionen aus als bei Männern.

Stehen wir häufig unter Stress, hat dies Folgen für Körper und Geist: Die Belastung macht vergesslicher, schwächt unsere Selbstkontrolle und kann im Alter sogar die Anfälligkeit für Demenz erhöhen. Zu viel Stress schadet uns demnach – das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen. Doch es gibt auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Denn wie Menschen diesen Stress empfinden und darauf reagieren, das hängt wesentlich davon ab, ob sie männlich oder weiblich sind.

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist beispielsweise bekannt, dass das Stresshormon Cortisol bei Frauen und Männern unterschiedlich aktiviert wird. Das ist aber nur eine Komponente in einem großen Gefüge: "Stress wird von vielen Faktoren beeinflusst", sagt Birgit Derntl von der Eberhard Karls Universität in Tübingen.

Gleiches Empfinden, andere Körperreaktion


Die Wissenschaftlerin wollte deshalb wissen: Lassen sich gängige Geschlechterstereotype bei einem Stresstest mit männlichen und weiblichen Probanden bestätigen? Und welche Faktoren beeinflussen das subjektive Stressempfinden konkret? Um dies zu überprüfen ließen die Psychologin und ihre Kollegen Männer und Frauen zwei stressige Aufgaben bewältigen: Die Probanden sollten zunächst unter Zeitdruck Rechenaufgaben lösen. Anschließend mussten sie ein virtuelles Ballspiel spielen, bei dem sie permanent ausgegrenzt wurden, also sozialen Stress erlebten.


Das Ergebnis: "Beide Geschlechter haben die Aufgaben als aufreibend erlebt, egal wie gut die Leistung war", berichtet Derntl. Doch obwohl das Empfinden bei Männern und Frauen ähnlich war, offenbarten sich im Körper deutliche Unterschiede. So stieg das Cortisol bei den männlichen Testpersonen an, nicht aber bei den weiblichen. Auch ein Blick ins Gehirn der Teilnehmer zeigte eine andere Reaktion: Bestimmte Areale waren nur bei den Männern stärker aktiviert.

Stress auch ohne Cortisolanstieg


"Das spricht dafür, dass wir mit solchen Aufgaben unterschiedlich umgehen – und es zeigt, dass Stress nicht unbedingt einen Cortisolanstieg zur Folge haben muss. Doch warum das so ist, dazu gibt es noch viel Klärungsbedarf", sagt Derntl.

Womöglich könnten zusätzlich andere Hormone beim Stressempfinden mitmischen, glaubt die Expertin. Im sozialen Stresstest zeigte sich zum Beispiel, dass bei den Probanden auch die Konzentration von Geschlechtshormonen im Blut zunahm: Bei den Männern stieg das Testosteron, bei den Frauen Progesteron. Progesteron gilt als Botenstoff, der für die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wichtig ist. "Der Anstieg könnte die Verunsicherung bei Frauen ausdrücken", sagt Derntl.

Männer können Emotionen besser kontrollieren


Auch beim bewussten Umgang mit einer stressigen Situation verhalten sich Frauen anders als Männer, wie eine weitere Untersuchung des Teams offenbarte. Dafür mussten die Probanden wieder bestimmte Leistungsaufgaben bewältigen – sie wurden zuvor jedoch aufgefordert, sich durch negative Gefühle während der Bewältigung der Aufgabe nicht zu belasten.

Bei Frauen klappte das offenbar schlechter als bei Männern. Bei ihnen kam es im Vergleich zu einer erhöhten subjektiven Stressreaktion. Diese spiegelte sich auch in den Gehirnarealen wider, die für Aufmerksamkeit, Emotionen und Belohnung relevant sind. "Entgegen unserer Erwartung sind die Frauen mit der Aufgabe, Emotionen zu kontrollieren, nicht so gut zurechtgekommen", so Derntl.

Faktor Selbstwertgefühl


Doch nicht immer macht das Geschlecht den Unterschied: Ein weiterer Faktor, den sich das Forscherteam näher angesehen hat, war das Selbstwertgefühl. Dieses wurde zunächst mithilfe eines Fragebogens erhoben. Das Ergebnis: Selbstbewusstsein spielt im Umgang mit Stress eine wichtige Rolle – und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Bei beiden Geschlechtern beeinflusste der Selbstwert die Stressreaktion. Allerdings offenbarten sich dabei dann doch wieder geschlechtsspezifische Unterschiede: Wenig selbstbewusste Frauen zeigten Aktivität in kognitiven Kontrollarealen des Gehirns. Es stand also das Ziel im Vordergrund, die Aufgabe gut zu erfüllen. Bei Männern waren Areale aktiviert, die in Verbindung mit Selbstbezug und Emotionen stehen.

"Stress kann auch positiv sein"


Insgesamt weisen die Untersuchungen darauf hin, dass es geschlechtsspezifische Effekte gibt, die für die Stressreaktion und den Umgang mit Stress entscheidend sein können, wie Derntl und ihre Kollegen erklären. Nicht immer sei Stress für Männer oder Frauen jedoch negativ. "Solange er nicht chronisch wird, kann er etwas sehr Positives und Motivierendes sein." (Neuroimage, 2017; doi: f3s4w4)
(Wissenschaftsfonds FWF/ PR&D, 07.02.2017 - DAL)
 
Printer IconShare Icon