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Dienstag, 26.09.2017
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Schwangerschaft: Vorsicht bei Lakritz!

Übermäßiger Konsum schadet womöglich der geistigen Entwicklung des Kindes

Gefährliche Schnecken? Wer während der Schwangerschaft zu viel Lakritz nascht, schadet womöglich seinem ungeborenen Kind. Denn der übermäßige Verzehr könnte sich langfristig auf die geistige Entwicklung des Nachwuchses auswirken. Das legt nun eine Studie nahe: So schnitten Jugendliche, die im Mutterleib vermehrt in Kontakt mit der Süßigkeit gekommen waren, in kognitiven Tests deutlich schlechter ab als Gleichaltrige.
Leckere Schnecken: Schwangere sollten Lakritz nur in Maßen genießen.

Leckere Schnecken: Schwangere sollten Lakritz nur in Maßen genießen.

Die Ernährung während der Schwangerschaft kann die Gesundheit des ungeborenen Kindes nachhaltig beeinflussen: So ist Alkoholkonsum eine der Hauptursachen für Fehlbildungen, Rohmilchprodukte können unter Umständen gefährliche Infektionen auslösen und faserarme Kost das Risiko für spätere Asthmaerkrankungen erhöhen.

Auch Lakritz steht auf der Liste der für Schwangere eher nicht empfohlenen Lebensmittel. Der in der Leckerei enthaltene natürliche Süßstoff Glycyrrhin intensiviert zumindest im Tierversuch den Effekt des Stresshormons Cortisol. Denn es blockiert genau jenes Enzym, das den Botenstoff in unserem Körper inaktivieren kann. Die möglichen Folgen für werdende Mütter: Es kommt zu Bluthochdruck und verkürzten Schwangerschaften.

Naschsünde mit Folgen?


Doch wie folgenreich ist der Kontakt mit der Süßigkeit im Mutterleib wirklich – und leiden die betroffenen Kinder auch langfristig darunter? Diese Frage hat sich nun ein Team um Katri Räikkönen von der University of Helsinki gestellt. Dafür verglichen sie 378 Jugendliche im Alter von rund dreizehn Jahren, deren Mütter entweder viel oder kaum Lakritz während der Schwangerschaft genascht hatten.


Die Forscher definierten "viel Lakritz" als mehr als 500 Milligramm Glycyrrhin und "kaum oder kein Lakritz" als weniger als 249 Milligramm Glycyrrhin pro Woche. Zum Vergleich: 500 Milligramm des Süßstoffs entsprechen im Schnitt etwa 250 Gramm Lakritz.

Schlechtere kognitive Leistung


Im Fokus des Teams stand vor allem die kognitive Leistung der Teenager. Sie ließen ihre Probanden unterschiedliche Tests durchführen, bei denen diese unter anderem logisch argumentieren mussten. Das Ergebnis: Jugendliche, die in der Gebärmutter mit großen Mengen Lakritz in Berührung gekommen waren, schnitten deutlich schlechter ab. Der Unterschied betrug dabei bis zu sieben IQ-Punkte, wie Räikkönen und ihre Kollegen berichten.

Auch bei Aufgaben, die das Erinnerungsvermögen auf die Probe stellten, schnitten Teenager aus dieser Gruppe schlechter ab. Gespräche mit den Eltern ergaben zudem: Die Kinder hatten den Einschätzungen der Erziehungsberichtigten zufolge vermehrt Symptome, die für die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung ADHS typisch sind. Körperlich zeigten sich ebenfalls Unterschiede: So hatte die Pubertät bei den Mädchen aus der Lakritz-reichen Gruppe früher eingesetzt als bei den Gleichaltrigen aus der anderen Testgruppe.

Eine Schnecke schadet nicht


Angesichts dieser Ergebnisse empfehlen die Wissenschaftler, Frauen mit Kinderwunsch über die möglichen Langzeit-Risiken des Lakritzkonsums zu informieren. Gleichzeitig warnen sie vor unverhältnismäßiger Sorge: Glycyrrhin sei nur einer von vielen Faktoren, die die Entwicklung des Fötus beeinflussten. Daher sei es unmöglich zu sagen, ob die beobachteten Effekte allein auf das Glycyrrhin zurückzuführen seien. Sie raten deshalb, zwar auf übermäßigen Lakritz-Verzehr zu verzichten. Hin und wieder eine leckere Schnecke sei aber auch nicht gefährlich. (American Journal of Epidemiology, 2017; doi: 10.1093/aje/kww172)
(University of Helsinki, 06.02.2017 - DAL)
 
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