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Samstag, 19.08.2017
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"Verlorener" Kontinent unter Mauritius entdeckt

Uralte Landmasse zerriss nach der Trennung Madagaskars von Indien

Fragmentierte Landmasse: Unter der jungen Vulkaninsel Mauritius liegen Reste eines urzeitlichen Kontinents. Das belegen rund drei Milliarden Jahre alte Einschlüsse in Zirkonkristallen aus einer Gesteinsformation auf der Insel. Die "Mauritia" getaufte Landmasse verband noch vor rund 90 Millionen Jahren Indien mit Madagaskar, brach dann aber in kleine Stücke, wie Forscher im Fachmagazin "Nature Communications" berichten.
Auf den ersten Blick ist Mauritius eine junge Vulkaninsel. Doch im Untergrund versteckt sich Milliarden Jahre alte Kontinentkruste.

Auf den ersten Blick ist Mauritius eine junge Vulkaninsel. Doch im Untergrund versteckt sich Milliarden Jahre alte Kontinentkruste.

Vor rund 130 Millionen Jahren brach vom alten Südkontinent Gondwana ein Stück ab und begann, nach Norden zu driften. Vor rund 90 Millionen Jahren trennten sich Madagaskar und die Seychellen von diesem Fragment ab, der Rest wanderte weiter nordwärts und bildet heute Indien. Im Gegensatz zu diesen alten, kontinentalen Krustenteilen, galt die Insel Mauritius bislang als rein vulkanisches und weniger als zehn Millionen Jahre altes Gebilde.

Rätselhafte alte Körnchen


Doch bereits vor wenigen Jahren weckte ein Fund am Strand von Mauritius erste Zweifel daran: In Sandkörnern entdeckten Forscher Einschlüsse in winzigen Zirkonkristallen, die auf ein weit höheres Alter von Teilen der Insel Mauritius schließen ließen – möglicherweise sogar einen verborgenen Mikrokontinent. Damals konnte man aber nicht ausschließen, dass die Körnchen über das Meer angeschwemmt worden waren.

Um dies zu überprüfen, haben nun Lewis Ashwal von der University of the Witwatersrand in Johannesburg und seine Kollegen erneut Gesteinsproben aus Mauritius untersucht. Dafür entnahmen sie Proben aus einer Formation vulkanischen Trachyts und suchten darin nach Zirkonkristallen mit Einschlüssen. 13 Körnchen wurden mittels Blei-Uran-Datierung und Uran-Thorium-Datierung analysiert.


Lewis Ashwal an einer Formation aus vulkanischem Trachyt auf Mauritius - in ihr fanden die Forscher alte Zirkonkörnchen.

Lewis Ashwal an einer Formation aus vulkanischem Trachyt auf Mauritius - in ihr fanden die Forscher alte Zirkonkörnchen.

Alte Kruste unter junger Insel


Und tatsächlich: Drei der Zirkon-Körnchen enthielten Material, das schon 2,5 bis drei Milliarden Jahre alt war. Sie sind damit weit älter als das junge vulkanische Deckgestein von Mauritius und sogar älter als der rund 750 Millionen Jahre alte Granit der benachbarten Seychellen, wie die Forscher berichten. Stattdessen entsprechen Alter und Zusammensetzung der Zirkonkörnchen dem alten Kontinentgestein im Zentrum Madagaskars.

"Damit bestätigen unsere Funde die Existenz alter Kontinentkruste unter Mauritius", berichten Ashwal und seine Kollegen. Die junge Vulkaninsel Mauritius überdeckt demnach Überbleibsel eines Kontinents, der drei Milliarden Jahre in die Erdgeschichte zurückreicht. Diese Mauritia getaufte Landmasse verband einst Madagaskar mit Indien, wurde dann aber vor rund 80 Millionen Jahren durch die Kontinentdrift auseinandergezogen.

Lage von Mauritia und seinen Überresten im Indischen Ozean

Lage von Mauritia und seinen Überresten im Indischen Ozean

Langestreckt und auseinandergerissen


Dabei zerbrach der einstige Teilkontinent in eine komplexe Ansammlung kleiner Fragmente, die durch vulkanische Aktivität weiter zerteilt wurden. "Mauritia wurde nach und nach zu einer schnurartigen Konfiguration auseinandergerissen", so Ashwal und seine Kollegen. Unterschiedlich große Teilstücke der kontinentalen Kruste gliederten sich dabei in die ozeanische Kruste des neu entstehenden Indischen Ozeans ein.

Die Überreste von Mauritia sind heute über einen schmalen Bogen der Erdkruste verteilt, der von der Südwest-Spitze Indiens bis nach Mauritius reicht. Auch das nördlich von Mauritius liegende Flachwassergebiet Saya de Malha und das Chagos Archipel sind Überreste dieser alten Landmasse.

"Unsere Studie zeigt, dass die vermeintlich homogene ozeanische Kruste längst nicht so einheitlich ist wie angenommen", erläutert Michael Wiedenbeck vom GeoForschungszentrum Potsdam GFZ. "Vielmehr verbergen sich unter dem Meeresboden immer wieder Bruchstücke von alten Kontinenten. Wir müssen sie nur entdecken." (Nature Communications, 2017; doi: 10.1038/NCOMMS14086)
(Nature, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, 01.02.2017 - NPO)
 
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