• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 27.02.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Blitz-Hotspots der Erde kartiert

Über dem Lake Maracaibo in Venezuela blitzt es weltweit am häufigsten

Unerwarteter Hotspot: Auf der Suche nach dem Ort mit den häufigsten Blitzen wurden selbst die Forscher überrascht. Denn statt in Afrika, wie erwartet, liegt der Blitz-Hotspot der Erde in Venezuela: Über dem Lake Maracaibo gewittert und blitzt es im Mittel an 297 Tagen im Jahr. Im Herbst zucken dort bis zu 65 Blitze pro Tag. Unter den Kontinenten jedoch ist Afrika der Spitzenreiter: 283 der Top-500 Blitz-Hotspots liegen dort.
Wo liegen die Blitz-Hotspots der Erde? Die Top-500 haben Forscher anhand von Satellitendaten bestimmt.

Wo liegen die Blitz-Hotspots der Erde? Die Top-500 haben Forscher anhand von Satellitendaten bestimmt.

Blitze entstehen, weil sich in den hochaufragenden Gewitterwolken Ladungsunterschiede zwischen oben und unten bilden. Zusätzlich können starke Sonnenstürme dazu beitragen, diese Wolken weiter aufzuladen, wie Forscher kürzlich herausfanden. Überschreiten die Ladungsdifferenzen einen Schwellenwert, kommt es zu einer elektrischen Entladung – es blitzt. Knapp zwei Drittel aller Blitze zucken dabei innerhalb der Wolke oder von Gewitterwolke zu Gewitterwolke hin und her.

Auge im Orbit


Um herauszufinden, wo die Blitz-Hotspots der Erde liegen, haben Rachel Albrecht von der Universität von Sao Paulo und ihre Kollegen die Daten des Blitzsensors an Bord des NASA-Satelliten "Tropical Rainfall Measuring Mission" (TRMM) ausgewertet. Zwischen 1997 und 2015 zeichnete er die Blitzhäufigkeit zwischen dem 38. nördlichen und südlichen Breitengrad auf – und damit die Regionen, in denen aufgrund des warmen Klimas bevorzugt Blitze auftreten.

Aus diesen Daten entwickelten die Forscher eine Karte der globalen Blitz-Hotspots und listeten die Top 500 weltweit und die Top-Ten der großen Kontinente auf. Erstmals erreicht diese Blitzkarte dabei eine geografische Auflösung von 0,1 Grad, wie sie berichten.


Blitzfeuerwerk am Lake Maracaibo


Die Lage des aktivsten Blitz-Hotspots der Erde überraschte selbst die Wissenschaftler: "Eine überraschende Entdeckung ist es, dass der Ort mit den häufigsten Blitzen der Erde nicht in Afrika liegt, wie bisher vermutet, sondern direkt über dem Lake Maracaibo in Venezuela", berichten sie. Über dem See registrierte der Satellit mehr als 233 Blitze pro Jahr und Quadratkilometer - wahrscheinlich aber sind noch erheblich mehr.

Zwischen Andenausläufern eingekeilt: Die Lage des Lake Maracaibo fördert die Bildung von Gewitterwolken.

Zwischen Andenausläufern eingekeilt: Die Lage des Lake Maracaibo fördert die Bildung von Gewitterwolken.

Allein in den Monaten von August bis November registrierte der Blitzsensor dort in manchen Nächten mehr als 65 Blitze, wie die Forscher berichten. Im Durchschnitt gibt es über dem Lake Maracaibo an 297 Tagen im Jahr ein von Entladungen begleitetes Gewitter. "Die nächtlichen Gewitter über dem Lake Maracaibo sind so häufig, dass ihre Blitzaktivität schon von Seefahrern zur Kolonialzeit als Navigationshilfe genutzt wurden", berichten Albrecht und ihre Kollegen.

Luftströme zwischen See und Bergen


Der Grund für die extrem hohe Blitzhäufigkeit über diesem See ist das Zusammenspiel von tropisch feuchtwarmem Klima und der Lage des Sees am Fuße eines nördlichen Andenausläufers. Vor allem nachts kühlen die umgebenden Berghänge schneller ab als die warme Luft über dem See, dadurch bilden sich Winde, die die Wolkenbildung und die Entstehung von Gewittern begünstigen.

Generell liegen die Blitz-Hotspots der Erde besonders häufig in der Nähe von Gebirgen, weil dort warme auf kalte Luft trifft und in die Höhe steigt. "Tatsächlich liegen nur sechs der Top 30 Blitz-Hotspots nicht in der Nähe einer Bergregion", sagen die Forscher. Aber auch Gebiete in Küstennähe, wo feuchte Luft vom Meer auf das Land weht, sind besonders blitzträchtig, wie die Daten zeigen.

Blitzkarte des TRMM-Satelliten: Zentralafrika ist klar als Blitz-Hotspot zu erkennen.

Blitzkarte des TRMM-Satelliten: Zentralafrika ist klar als Blitz-Hotspot zu erkennen.

Afrika ist der Kontinent der Blitze


Der Zweitplatzierte unter den globalen Blitz-Hotspots liegt in der Demokratischen Republik Kongo. Bei Kabare im Kahuzi-Biéga-Nationalpark blitzt es immerhin noch 205 Mal pro Jahr und Quadratkilometer. Ursache ist auch hier die Lage dieses Ortes an einem Gebirge: Der Blitz-Hotspot liegt an der Westseite der Mitumba-Berge, hier steigt warmfeuchte Luft aus dem Kongobecken und dem dortigen Regenwald die Berghänge hinauf.

"Wenig überraschend ist Afrika in der Liste der 500 Orte mit höchster Blitzhäufigkeit gleich 283 Mal vertreten", berichten Albrecht und ihre Kollegen. "Es folgen Asien mit 87 Blitz-Hotspots, Südamerika mit 67, Nordamerika mit 53 und Ozeanien mit zehn."

Hilfe bei der Vorhersage


In Asien blitzt es am häufigsten im Grenzgebiet von Industal und Südrand des Himalaya. Im pakistanischen Daggar gibt es 143 Blitze pro Jahr. In Nord- und Mittelamerika konzentrieren sich die Blitze am Fuß der Sierra Madre, aber auch in den Everglades im Süden der USA blitzt es immerhin noch 79 Mal pro Jahr und Quadratkilometer, wie die Forscher ermittelten. In Australien stellt die Nordküste des Kontinents gleich neun von zehn Blitz-Hotspots, zwischen 91 und 51 Blitze gibt es dort pro Jahr.

Der Nutzen dieser neuen Karte der Blitzhäufigkeit liegt aber keineswegs nur in einer Aufzählung von Rekorden. Stattdessen hilft die Lokalisierung von Blitz-Hotspots dabei, die Mechanismen dieses Wetterphänomens besser zu versehen, wie die Forscher betonen: "Unsere Studie liefert Einblicke und Kontext für Vorhersagen und für Forscher, die anhand dieser Blitzaktivität die Erde und das Wetter besser verstehen", so ihr Fazit. (Bulletin of the American Meteorological Society, 2016; doi: 10.1175/BAMS-D-14-00193.1)
(BAMS, 03.01.2017 - NPO)
 
Printer IconShare Icon