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Dienstag, 24.10.2017
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Diabetes: Protein „vertreibt“ Schmerzen

Schlüsselmolekül für Nervenschäden durch Zuckerkrankheit entdeckt

Wissenschaftler der Universitätsklinik Heidelberg haben ein Schlüsselmolekül für Nervenschäden durch Zuckerkrankheit identifiziert. Danach ist das Protein RAGE schuld daran, dass bei Diabetikern das Schmerzempfinden verloren geht.
{1l}Langjährige Zuckerkrankheit führt häufig dazu, dass das Schmerzempfinden schwindet. Kleine Verletzungen werden deshalb nicht wahrgenommen und können zu Entzündungen und Hautgeschwüren führen. Die Heidelberger Wissenschaftler Dr. Angelika Bierhaus und Professor Dr. Peter Nawroth haben ein Schlüsselmolekül für die "diabetische Neuropathie" und damit einen neuen Ansatzpunkt für das weit verbreitete Leiden gefunden.

Gemeinsam mit Forscherteams aus Erlangen-Nürnberg, Tübingen, New York, Georgia, Dresden, dem Deutschen Krebsforschungszentrum sowie aus der Industrie konnten sie nachweisen, dass das Schlüsselprotein RAGE maßgeblich zur Entstehung der Nervenschäden beiträgt.

RAGE ist für die Heidelberger Wissenschaftler ein alter Bekannter, den sie bereits bei verschiedenen chronischen Entzündungs- und Alterungsprozessen, wie der Blutvergiftung, identifiziert haben. Bei dem Regulatormolekül handelt es sich um einen so genannten Rezeptor, der auf der Oberfläche von Zellen sitzt. Er erkennt und bindet bestimme Eiweißstoffe, vor allem "AGE" ("Advanced Glycation End products") - daher auch der Name RAGE. Unter Aktivierung des Moleküls NFkappaB werden Entzündungsprozesse in Gang gesetzt.


Schmerzempfinden kann im Tierversuch wieder hergestellt werden


"Wir konnten zeigen, dass die Menge an RAGE und an aktiviertem NFkappB in Nervenzellen von Diabetes-Patienten mit Neuropathie eindeutig erhöht ist", erklärt Bierhaus. Außerdem konnten die Forscher im Mausmodell die Entzündungs-Kaskade unterbrechen. Dazu behandelten sie genetisch veränderte Mäuse mit Diabetes mit einer löslichen Form von RAGE. Dieses sRAGE (soluble RAGE) fängt die Bindemoleküle AGE ab, bevor sie das in der Zellmembran verankerte RAGE erreichen. Dadurch vermindert sich auch die Aktivität von NFkappaB, die Mäuse zeigten ein deutlich verbessertes Schmerzempfinden.

Ein weiterer Hinweis auf den RAGE-Einfluss: Diabetischen Mäusen, die keine RAGE-Rezeptoren entwickeln, bleibt das Schmerzempfinden trotz Diabetes erhalten. "Bisher gibt es kaum Therapiemöglichkeiten für Patienten mit chronischer Nervenentzündung", sagt Nawroth. "Das Schlüsselmolekül RAGE ist ein Ansatzpunkt für neue Behandlungsformen."

Die Wissenschaftler berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "The Journal of Clinical Investigation".
(idw - Universitätsklinikum Heidelberg, 17.12.2004 - DLO)
 
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