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Dienstag, 28.03.2017
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Technosphäre der Erde wiegt 30 Billionen Tonnen

Mehr menschengemachte Strukturen als Organismenarten auf unserem Planeten

Schwere Last: Unser Planet ist von einer Hülle menschengemachter Strukturen umgeben. Wie viel diese "Technosphäre" wiegt, haben nun Geologen erstmals ausgerechnet. Ihr Ergebnis: Die gesamte Technosphäre der Erde hat eine Masse von 30 Billionen Tonnen. Gleichmäßig verteilt entspräche dies einer Last von 50 Kilogramm auf jedem Quadratmeter der Erdoberfläche. Die Vielfalt der menschengemachten Objekte übertrifft bereits die heutige biologische Artenvielfalt, wie die Forscher berichten.
Unsere "Technosphäre" prägt längst die Oberfläche unseres Planeten

Unsere "Technosphäre" prägt längst die Oberfläche unseres Planeten

Längst haben wir Menschen unseren Planeten nachhaltig und messbar geprägt. Wir verändern chemische und biologische Kreisläufe, manipulieren das Klima und bauen ganze Landschaften um. In vielen Flüssen, Seen und Meeresgebieten schwimmen schon mehr Mikroplastik-Partikel als Organismen und unser Müll füllt gewaltige Deponien.

Dichte Hülle aus menschengemachten Strukturen


Und noch etwas zeugt von unserer Existenz: All die Strukturen, Objekte und Technologien, die wir Menschen produziert oder errichtet haben, um auf unserem Planeten besser überleben zu können. Die Spanne dieser "Technosphäre" reicht von Häusern, Fabriken, Straßen oder Brücken über Maschinen und technische Geräte bis hin zu Häfen, Bergwerken oder sogar künstlichen Inseln.

"Auch wir Menschen und unsere Organisationen sind Teil dieser Technosphäre, obwohl wir lange nicht so viel Kontrolle über sie besitzen, wie wir gerne glauben möchten", erklärt Jan Zalasiewicz von der University of Leicester. "Denn die Technosphäre ist ein System mit eigener Dynamik und eigenen Energieflüssen – und der Mensch ist längst von diesem System abhängig um zu überleben."

50 Kilogramm auf jedem Quadratmeter


Welches Ausmaß die Technosphäre der Erde inzwischen hat, haben Zalasiewicz und seine Kollegen nun erstmals ausgerechnet. Ihren Schätzungen nach hat die Technosphäre der Erde eine Masse von 30 Billionen Tonnen. Zum Vergleich: Würde man diese Masse gleichmäßig über die Erdoberfläche verteilen, kämen 50 Kilogramm davon auf jeden Quadratmeter.

Lichter der Technosphäre: In vielen Ballungsräumen, hier in Frankreich und Großbritannien, wird es nachts nicht mehr dunkel.

Lichter der Technosphäre: In vielen Ballungsräumen, hier in Frankreich und Großbritannien, wird es nachts nicht mehr dunkel.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie viel Material und Energie wir Menschen im Laufe unserer eher kurzen Geschichte bereits für unsere Zwecke genutzt und umgewandelt haben. "Die Technosphäre mag geologisch gesehen noch jung sein, aber sie entwickelt sich mit wilder Geschwindigkeit", sagt Zalasiewicz. "Schon jetzt hat sie einen tiefen Abdruck auf unserem Planeten hinterlassen."

Technofossilien der Zukunft


Aber die Technosphäre prägt die Erde nicht nur heute – selbst in der fernen Zukunft könnten viele der menschengemachten Strukturen noch von der einstigen Größe der Menschheit zeugen. Denn im Gegensatz zu vielen biologischen Relikten sind viele unserer Daseinsspuren kaum abbaubar und werden daher noch Jahrmillionen überdauern.

"Viele unserer Objekte und Strukturen können eingebettet in geologische Schichten bis in die ferne Zukunft erhalten bleiben", erklärt Zalasiewicz' Kollege Colin Waters. "Diese 'Technofossilien' werden einst dazu dienen, das Anthropozän zu datieren und zu charakterisieren." Bereits vor einigen Jahren haben die Forscher detailliert untersucht, was von unseren Bauwerken, Geräten und sonstigen Zivilisationszeugen konserviert wird und in welcher Form.

Ihrer neuen Schätzung nach könnte schon heute mehr als eine Milliarde verschiedener Arten solcher Technofossilien geben – das ist mehr als heute Organismenarten auf der Erde leben. "Wenn wir die Technofossilien nach paläontologischen Kriterien klassifizieren, dann übertrifft ihre Vielfalt den heutigen Artenreichtum und geht weit über die Vielfalt der geologischen Fossilien hinaus", sagt Zalasiewicz. "Sie könnten sogar die biologische Vielfalt der gesamten Erdgeschichte noch übertreffen." (The Anthropocene Review, 2016; doi: 10.1177/2053019616677743)
(University of Leicester, 01.12.2016 - NPO)
 
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